Kommentar: Gewalt schadet dem Anliegen
Eigentlich gehen steigende Mieten alle etwas an. Doch dass nicht jeder gegen sie auf die Straße geht, liegt auch der Protestform.
Ein berechtigtes, in Teilen geradezu altruistisches Anliegen war es, das die Demonstranten am Samstag nach außen trugen: bezahlbare Mieten für alle. Wer wollte da nicht mit auf die Straße gehen? Schließlich sehen sich in Berlin wohl nicht nur die paar Tausend, die am Wochenende demonstrierten, mit steigenden bis unbezahlbaren Mieten konfrontiert. Doch die Demonstranten, besser gesagt, ein kleiner Teil von ihnen hat mit seinem aggressiven und gewalttätigen Vorgehen schon wieder verhindert, dass sich in Zukunft eine breite Masse von Menschen den Protesten anschließen wird.
Dabei wäre diese Demonstration eine Chance gewesen. Ein neues, buntes Demo-Konzept hatten die Veranstalter vorher angekündigt, der gewalttätige schwarze Block sollte der Vergangenheit angehören. Noch zu Beginn stellten sie unmissverständlich klar: Prügeln ist nicht. Die Demonstranten hätten also friedlich durch die Stadt ziehen können, die Polizei hätte gemerkt, dass ein derart großes Aufgebot an Beamten gar nicht nötig ist, und beim nächsten Mal wären auch Berliner gekommen, die keine Lust haben, zwischen schwarzen Block und Polizisten im Kampfanzug zu geraten.
Mit den Angriffen gegen ein Polizeiauto und gegen Polizisten selber wurde diese Chance vertan. Noch schlimmer: Die Krawallmacher haben der Sache geschadet. Denn steigenden Mieten durch das Umwerfen von Polizeiautos und Zerschlagen von Scheiben zu begegnen, schreckt nicht nur potenzielle Mitdemonstranten ab. Es schadet auch dem Anliegen der Demonstration. Wer Gewalt einsetzt, sorgt dafür, dass die Proteste in der öffentlichen Wahrnehmung ein Anliegen von Chaoten bleiben. Und die Mieten sinken davon auch nicht.
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