Kommentar von REINER METZGER
Der Reaktorunfall von Fukushima ist nun offiziell auf der obersten Stufe der amtlichen Skala angelangt. Nicht dass das irgendetwas für die Menschen vor Ort wie auch an der Verseuchung des Pazifiks ändern würde, aber es ist von hoher Symbolkraft. Immerhin wurde die Einteilung von Stör- und Unfällen nach der Katastrophe von Tschernobyl eigens geschaffen, um die Einzigartigkeit der Explosion von Tschernobyl herauszustellen. Nun ist Fukushima also offiziell der zweite "katastrophale Unfall" in der Geschichte der Atomenergie - kein Ereignis, Störfall oder schwerer Unfall, wie andere Stufen der sogenannten Ines-Skala heißen.
Von Stufe zu Stufe vergrößert sich der potenzielle Schaden durch einen Reaktorunfall um das Zehnfache. Das ist nicht nur bürokratisches Schubladendenken, dahinter stecken Schicksale, Milliardensummen und geschädigte Ökosysteme.
Wie Fukushima auf die Gesellschaft wirkt, ist noch unklar. Es ist eine schleichende Katastrophe, mit ein paar Explosionen am Anfang, aber nicht mit der Dramatik von Tschernobyl. Kein Blockgegensatz Sowjetunion/westliche Industrieländer, keine hochschnellenden Strahlenwerte in Europa. Es dampft täglich etwas ab, es läuft täglich etwas aus, es werden täglich ein paar hundert Arbeiter verstrahlt. Ab und zu dreht der Wind vom Meer aufs Land, aber Tokio oder gar die japanische Hauptinsel könnte man notfalls ohnehin nicht evakuieren wie ein paar kleinere Städte in der Ukraine und Weißrussland. Die vielen Millionen Menschen in der Region sind gefangen.

Reiner Metzger REINER METZGER ist stellvertretender Chefredakteur der taz.
Außerdem sitzt in der gefährdeten Region ein guter Teil der Wertschöpfungskette der Weltwirtschaft, es sind wichtige Glieder in der Produktionskette. Der Wiederaufbau der Fabriken und Logistikketten nach dem Beben ist schwierig genug. Wenn austretende Strahlung die Reparaturarbeiten weiter verzögert, wird das Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft haben. Auch hier werden wir viel lernen müssen in den kommenden Monaten: wer mit wem verknüpft ist, wo überall der Ausfall einer großen Industrieregion zu Produktionsschwierigkeiten führt.
Fukushima ist also nicht Tschernobyl. Wir werden neue Bilder finden müssen für die Ruinen am Meer. Wir haben dafür noch viele Monate Zeit, denn so lange dauert es, bis die Reaktoren und die Abklingbecken abgedichtet sind. Wenn wir Glück haben.
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Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
13.04.2011 19:00 | Karl Letis
Ich werde bei dieser Geschichte einfach nicht das Gefühl los, dass die Leute jedesmal begesitert und fasziniert sind, wenn ...
13.04.2011 15:40 | E de Fault
Monate? Wenn wir Glück haben?? ...
13.04.2011 10:37 | hto
Wenn man bedenkt: der Betreiber Tepco ist eine Tochter des französischen Atomkonzerns AREVA, dann wundert es nicht, daß die ...