Gute Frage: Warum brauchen wir überhaupt Wachstum? Aus meiner Sicht liegt die Antwort im Verborgenen der Urinstinkte. Elias Canetti hat die Frage des Wachstums und ihrer Bedeutung für Menschen, die sich in Meuten (= Vorläufer jeglicher Interessengruppen) organisieren, gut beschrieben. Die Meute drängt nach Wachstum. Mehr Mitglieder sichern größere Jagderfolge, größere materielle Möglichkeiten können mehr Meutenmitglieder ernähren und die wiederum führen zu noch mehr Jagderfolgen. Es sind nach wie vor die Urinstinkte, die uns regieren und unser Handeln bestimmen, nicht die Vernunft! Sollen wir uns angesichts dieser Erkenntnis noch wundern darüber, was für Menschen uns regieren und welche Ziele sie verfolgen? Wenn Aufklärung das Heraustreten des Menschen aus seiner selbstgewählten Unmündigkeit ist, dann befinden wir uns zur Zeit in einer Renaissance der Urinstinkte, die Vernunft mühelos vom Tisch fegen können.
06.12.2009 03:18 Uhr
von Markus:
"Denn wir zahlen für jeden Prozentpunkt Wachstum. Mit Lebenszeit, mit weniger Freizeit und Familienleben, mit gesundheitsschädlichem Stress, mit Rohstoffen und Naturvermögen." Zitat Ende. Was ist mit Freizeitstress, was ist mit Familienstress, was ist, wenn die Familie wächst, reduziert sich dann auch die Lebenszeit, weil ich mehr Stress habe oder ist dies positver Stress? Dann schicke ich Ihnen mal meine Tochter vorbei. Wie ist die Lebenszeit eigentlich definiert? Gibt es böse, gute, schlechte, schöne, hübsche oder dreckige Lebenszeit. Wenn ich während meiner Lebenzeit arbeite, ist dies gut oder schlecht? Wenn ich während meiner Lebenszeit ein Stück Kuchen essen, welches ein Bäcker mit seiner Lebenszeit produziert hat, muss ich mir Sorgen wegen meiner guten Lebenszeit machen? Ist es nicht schön, wenn man mit seiner Arbeit etwas schafft was andere Freude bereitet? Oder muss ich mir Gedanken machen, weil ich mit einem Stück Kuchen Rohstoffe und Naturvermögen verbrauche? Warum wurde dieser Kommentar geschrieben und ein gutes Stück Lebenszeit verbraucht? Er hat sogar mir ein Stück guter Lebenszeit geraubt und da ich auch noch ein Computer verwende, der auch noch Rohstoffe und Naturvermögen verbraucht, ist dies noch schlimmer. Noch schlimmer ist dazu noch, dass ich mit dem Computer zum Wachstum beigetragen habe und dieser Kommentar wohl auch dazu gedient hat, sei es nur wegen dem Platzverbrauch im Internet. Also beim nächsten Kommentar vielleicht mehr Lösungen bieten und besser argumentieren und nicht einfach flache Parolen wiederholen. PS: Herr Kosch, ich sehe auf Ihrem Foto, dass sie einen Kamm verwendet haben, um sich zu kämmen und dass sie Kleidung anziehen, die bestimmt nicht in ihrem Garten gewachsen ist und die sie ohne arbeit in der Freizeit hergestellt haben, ganz zu schweigen von der Farbe der Kleidungsstücke, die eine Menge Rohstoffe und Naturvermögen verbraucht haben. Ach ja, der Optiker hat Ihnen bestimmt in seiner Freizeit ihre Brille hergestellt und dies mit seiner ganzen Familie getan, weil sonst geht ja Lebenszeit verloren und so wie es aussieht, ist alles ziemlich neu, was wiederum Rohstoffe und Naturvermögen verbraucht hat.
:o) Auch ich meine, dass vieles geändert werden muss und sich auch ändern wird. Dann hat es aber nicht an diesem Kommentar gelegen, sondern an der Arbeit, Lebenszeit und Rohstoffe und Naturvermögen, die viele auf Kosten Ihrer familie in dieses Projekt gesteckt haben, um die Welt für alle ein Stück besser zu machen. Mhh, habe ich etwas falsch verstanden, oder was ist ein glückliches Leben.
06.12.2009 02:46 Uhr
von vic:
Ein Mäntelchen, auch ein grünes, genügt dieser Bevölkerung allemal. Sie ist leicht zu täuschen wie man weiß. Und so halten sie´s (die Profiteure der Einfalt) wie McDonalds und malen sich ein grünes Logo. Atomstrom ist ja schon lange grün...
06.12.2009 01:01 Uhr
von lutzindasky:
Hallo Mädels! Hab ich schon mal irgendwo hier gepostet: Die Natur kennt ständiges Wachstum! Ja! Kein Problem! Man nennt es Krebs! Der Mensch ist der Krebs des Planeten. Strahlentherapie dringend notwendig! Die Mittel dafür sind vorhanden. Bitte anwenden!!!
05.12.2009 15:28 Uhr
von Eser:
Ich stimme dem partiell zu: Auch umweltfreundliche Produkte hingegen haben das Potential zur Stärkung der Wirtschaft, weil auch sie produziert und verkauft werden müssen. Daher haben wir gerade in diesem Bereich noch gewaltige, ungenutzte Möglichkeiten. Vielleicht sollten wir z.B. aufhören, die Automobil-Industrie weiter zu stützen bzw. gesetzlich auf umweltfreundliche Technologie umstellen, damit das BIP nicht länger nur von Umweltverpestern getragen wird.
05.12.2009 13:37 Uhr
von Zazaz:
Ist heute der erste April? Oder fordert der taz-Redaktuer allen ernstes Bremsklötze für die Wirtschaft?
Eigentlich sollte selbst dem *zensiert* linkstem Redakteur einleuchten dass nur verteilt werden kann was vorher erwirtschaftet wurde.
Ohnehin wird die Wirtschaft durch die hohen Abgaben und eine Unzahl von Gesetzen und Bürokratie ausgebremst.
Mehr Bremsklötze?
Der Preis wäre eine Arbeitslosenquote von 25 %.
05.12.2009 12:41 Uhr
von BeobachterHH:
Bis auf den letzten Absatz mit den Schlussfolgerungen stimme ich zu.
Warum "neue Regelungen" nicht reichen, sondern Marktwirtschaft/Kapitalismus immer Wachstum benötigt, also Mehrwert generiert werden muss, damit haben sich schon zahlreiche Autoren beschäftigt. Hier ist einer der besseren Artikel zum Thema, welcher die Grenzen dieser Systemlogik deutlich macht.: http://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=schwerpunkte&index=6&posnr=195&backtext1=text1.php
05.12.2009 00:57 Uhr
von Hans Hirschel:
Dass Wachstum Zeit klaut ist genau so falsch wie die Behauptung des Gegenteils. Die Frage ist, was wie und für wen wachsen (und gerade deshalb freie Zeit ermöglichen) soll und was (wie und für wen) nicht weil es nur Zeit für Unsinn raubt.
Ohne Zweifel brauchen wir Bremsklötze für die Produktion von Unsinn (statt Menschen zu nötigen, wild blinkende und Geräuschmüll quäkende Spielzeueuggitarren oder -autos aus Plastik für heran wachsende Konsumidiotiotielehrlinge im Vorschulalter zu produzieren und bereit zu stellen, sollte allen, die da nicht mitmachen wollen ein Erholungs- und Bildungsurlaub spendiert werden) für zu viel oder zu ineffizient produzierte Dinge. Solange das altmodische, weil sozial und ökologisch blinde Geld noch das zentrale Vergesellschaftungsmittel ist, wären Ökosteuer oder nach sozialen bzw. ökologischen Kriterien gestaffelte Mehrwertsteuer Mittel der Wahl. Hüten sollten wir uns aber davor, "Wachstumsfetischismus" durch "Nichtwachstumsfetischismus" zu ersetzen. Überhaupt hindern all die gegenwärtigen Anklagen "des" Wachstumsdenkens nur das Nachdenken über die Veränderung struktureller Grundlagen des blinden Wachstumszwangs und wie etwas mehr (Öko-)Sozialismus gewagt werden könnte.
Leserkommentare
06.12.2009 12:41 Uhr
von Bremsklotz:
Gute Frage: Warum brauchen wir überhaupt Wachstum?
Aus meiner Sicht liegt die Antwort im Verborgenen der Urinstinkte. Elias Canetti hat die Frage des Wachstums und ihrer Bedeutung für Menschen, die sich in Meuten (= Vorläufer jeglicher Interessengruppen) organisieren, gut beschrieben. Die Meute drängt nach Wachstum. Mehr Mitglieder sichern größere Jagderfolge, größere materielle Möglichkeiten können mehr Meutenmitglieder ernähren und die wiederum führen zu noch mehr Jagderfolgen. Es sind nach wie vor die Urinstinkte, die uns regieren und unser Handeln bestimmen, nicht die Vernunft!
Sollen wir uns angesichts dieser Erkenntnis noch wundern darüber, was für Menschen uns regieren und welche Ziele sie verfolgen? Wenn Aufklärung das Heraustreten des Menschen aus seiner selbstgewählten Unmündigkeit ist, dann befinden wir uns zur Zeit in einer Renaissance der Urinstinkte, die Vernunft mühelos vom Tisch fegen können.
06.12.2009 03:18 Uhr
von Markus:
"Denn wir zahlen für jeden Prozentpunkt Wachstum. Mit Lebenszeit, mit weniger Freizeit und Familienleben, mit gesundheitsschädlichem Stress, mit Rohstoffen und Naturvermögen." Zitat Ende. Was ist mit Freizeitstress, was ist mit Familienstress, was ist, wenn die Familie wächst, reduziert sich dann auch die Lebenszeit, weil ich mehr Stress habe oder ist dies positver Stress? Dann schicke ich Ihnen mal meine Tochter vorbei. Wie ist die Lebenszeit eigentlich definiert? Gibt es böse, gute, schlechte, schöne, hübsche oder dreckige Lebenszeit. Wenn ich während meiner Lebenzeit arbeite, ist dies gut oder schlecht? Wenn ich während meiner Lebenszeit ein Stück Kuchen essen, welches ein Bäcker mit seiner Lebenszeit produziert hat, muss ich mir Sorgen wegen meiner guten Lebenszeit machen? Ist es nicht schön, wenn man mit seiner Arbeit etwas schafft was andere Freude bereitet? Oder muss ich mir Gedanken machen, weil ich mit einem Stück Kuchen Rohstoffe und Naturvermögen verbrauche? Warum wurde dieser Kommentar geschrieben und ein gutes Stück Lebenszeit verbraucht? Er hat sogar mir ein Stück guter Lebenszeit geraubt und da ich auch noch ein Computer verwende, der auch noch Rohstoffe und Naturvermögen verbraucht, ist dies noch schlimmer. Noch schlimmer ist dazu noch, dass ich mit dem Computer zum Wachstum beigetragen habe und dieser Kommentar wohl auch dazu gedient hat, sei es nur wegen dem Platzverbrauch im Internet. Also beim nächsten Kommentar vielleicht mehr Lösungen bieten und besser argumentieren und nicht einfach flache Parolen wiederholen.
PS: Herr Kosch, ich sehe auf Ihrem Foto, dass sie einen Kamm verwendet haben, um sich zu kämmen und dass sie Kleidung anziehen, die bestimmt nicht in ihrem Garten gewachsen ist und die sie ohne arbeit in der Freizeit hergestellt haben, ganz zu schweigen von der Farbe der Kleidungsstücke, die eine Menge Rohstoffe und Naturvermögen verbraucht haben. Ach ja, der Optiker hat Ihnen bestimmt in seiner Freizeit ihre Brille hergestellt und dies mit seiner ganzen Familie getan, weil sonst geht ja Lebenszeit verloren und so wie es aussieht, ist alles ziemlich neu, was wiederum Rohstoffe und Naturvermögen verbraucht hat.
:o)
Auch ich meine, dass vieles geändert werden muss und sich auch ändern wird. Dann hat es aber nicht an diesem Kommentar gelegen, sondern an der Arbeit, Lebenszeit und Rohstoffe und Naturvermögen, die viele auf Kosten Ihrer familie in dieses Projekt gesteckt haben, um die Welt für alle ein Stück besser zu machen. Mhh, habe ich etwas falsch verstanden, oder was ist ein glückliches Leben.
06.12.2009 02:46 Uhr
von vic:
Ein Mäntelchen, auch ein grünes, genügt dieser Bevölkerung allemal. Sie ist leicht zu täuschen wie man weiß.
Und so halten sie´s (die Profiteure der Einfalt) wie McDonalds und malen sich ein grünes Logo.
Atomstrom ist ja schon lange grün...
06.12.2009 01:01 Uhr
von lutzindasky:
Hallo Mädels!
Hab ich schon mal irgendwo hier gepostet:
Die Natur kennt ständiges Wachstum! Ja! Kein Problem! Man nennt es Krebs!
Der Mensch ist der Krebs des Planeten. Strahlentherapie dringend notwendig!
Die Mittel dafür sind vorhanden.
Bitte anwenden!!!
05.12.2009 15:28 Uhr
von Eser:
Ich stimme dem partiell zu: Auch umweltfreundliche Produkte hingegen haben das Potential zur Stärkung der Wirtschaft, weil auch sie produziert und verkauft werden müssen. Daher haben wir gerade in diesem Bereich noch gewaltige, ungenutzte Möglichkeiten. Vielleicht sollten wir z.B. aufhören, die Automobil-Industrie weiter zu stützen bzw. gesetzlich auf umweltfreundliche Technologie umstellen, damit das BIP nicht länger nur von Umweltverpestern getragen wird.
05.12.2009 13:37 Uhr
von Zazaz:
Ist heute der erste April? Oder fordert der taz-Redaktuer allen ernstes Bremsklötze für die Wirtschaft?
Eigentlich sollte selbst dem *zensiert* linkstem Redakteur einleuchten dass nur verteilt werden kann was vorher erwirtschaftet wurde.
Ohnehin wird die Wirtschaft durch die hohen Abgaben und eine Unzahl von Gesetzen und Bürokratie ausgebremst.
Mehr Bremsklötze?
Der Preis wäre eine Arbeitslosenquote von 25 %.
05.12.2009 12:41 Uhr
von BeobachterHH:
Bis auf den letzten Absatz mit den Schlussfolgerungen stimme ich zu.
Warum "neue Regelungen" nicht reichen, sondern Marktwirtschaft/Kapitalismus immer Wachstum benötigt, also Mehrwert generiert werden muss, damit haben sich schon zahlreiche Autoren beschäftigt. Hier ist einer der besseren Artikel zum Thema, welcher die Grenzen dieser Systemlogik deutlich macht.:
http://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=schwerpunkte&index=6&posnr=195&backtext1=text1.php
05.12.2009 00:57 Uhr
von Hans Hirschel:
Dass Wachstum Zeit klaut ist genau so falsch wie die Behauptung des Gegenteils. Die Frage ist, was wie und für wen wachsen (und gerade deshalb freie Zeit ermöglichen) soll und was (wie und für wen) nicht weil es nur Zeit für Unsinn raubt.
Ohne Zweifel brauchen wir Bremsklötze für die Produktion von Unsinn (statt Menschen zu nötigen, wild blinkende und Geräuschmüll quäkende Spielzeueuggitarren oder -autos aus Plastik für heran wachsende Konsumidiotiotielehrlinge im Vorschulalter zu produzieren und bereit zu stellen, sollte allen, die da nicht mitmachen wollen ein Erholungs- und Bildungsurlaub spendiert werden) für zu viel oder zu ineffizient produzierte Dinge. Solange das altmodische, weil sozial und ökologisch blinde Geld noch das zentrale Vergesellschaftungsmittel ist, wären Ökosteuer oder nach sozialen bzw. ökologischen Kriterien gestaffelte Mehrwertsteuer Mittel der Wahl. Hüten sollten wir uns aber davor, "Wachstumsfetischismus" durch "Nichtwachstumsfetischismus" zu ersetzen. Überhaupt hindern all die gegenwärtigen Anklagen "des" Wachstumsdenkens nur das Nachdenken über die Veränderung struktureller Grundlagen des blinden Wachstumszwangs und wie etwas mehr (Öko-)Sozialismus gewagt werden könnte.
Gruß hh
http://hhirschel.wordpress.com