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Kommentar Umweltzonen Falsch denken, falsch lenken

Kommentar von

Sven-Michael Veit

Hamburg ist so ziemlich die letzte deutsche Großstadt ohne Umweltzone. Und nicht nur das Gutachten, dessen Umsetzung am Bruch der schwarz-grünen Koalition scheiterte, wäre jetzt ein Anlass zum Überdenken von Scholz Scheuklappenpolitik.

E s ist keine Verkehrspolitik, es ist verkehrte Politik. Die SPD in Hamburg darf die Begriffe Umweltschutz und Klimaschutz nicht mehr aussprechen oder auch nur dran denken. Ihr Bürgermeister verbietet es. Doch Olaf Scholz denkt und lenkt falsch. Seine Ablehnung aller Maßnahmen, die Autofahrer ärgerlich machen könnten, ist rational nicht erklärbar. Was bei einem sonst so nüchternen Mann wie ihm kaum erklärbar scheint.

Ist es aber: Scholz ist überzeugt, dass ökologischer Klimbim seinem Senat Stimmen kostet. Deshalb lehnt er rundweg alles ab, was ADAC und Bild nicht wollen: Umweltzone, City-Maut und Stadtbahn gelten dem BMW-Fahrer als Folterinstrumente von Autohassern. Rational, wie gesagt, ist das nicht, es ist blanker Opportunismus.

Hamburg ist so ziemlich die letzte deutsche Großstadt ohne Umweltzone. Und nicht nur das Gutachten, dessen Umsetzung am Bruch der schwarz-grünen Koalition scheiterte, wäre jetzt ein Anlass zum Überdenken von Scholz Scheuklappenpolitik. Gerade auch das frische Urteil aus Lüneburg in Sachen Hannover stärkt die Bedeutung von Umwelt und nicht zuletzt Gesundheit im öffentlichen Raum und im Straßenverkehr.

Deshalb ist Umsteuern notwendig. Zur Not muss ein goldenes Brückchen gebaut werden, das der Bürgermeister ohne Imageschaden überschreiten kann. Denn die Schuldenbremse ist nicht alles. Es geht um eine Notbremse auf der Straße.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Sven-Michael Veit Hamburg-Redakteur

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2 Kommentare

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  • F
    FAXENDICKE

    Vernünftig das man dort bei der Gängelung der AutofahrerInnen nicht mitmacht! Wir werden schon genug geschröpft. Wir brauchen in Deutschland endlich autofahrerInnenfreundliche Parteien!

  • R
    radfahrer

    Der ökologische Nutzen von Umweltzonen ist ja nun hinhänglich wiederlegt worden. Man kann nur den Hut ziehen vor Städten, die bei solch einer Geldverschwendung nicht dumpf mitmachen. Plumpes polemisieren gegen "alte Stinker" hilft vor allem denen, die sich auf dem Rücken der Autofahrer von Verantwortung freimogeln!

    Anstatt den Unsinn dieser Zonen einzusehen und endlich für Alternativen im Stadtverkehr sowie sinnvolle Verkehrsgestaltung zu sorgen, werden Autofahrer (und Steuerzahler!) einfach zwangsenteignet (mehr ist es nicht) und die eigentlichen Ursachen für Schadstoffentwicklung in Innenstädten ignoriert. Die, die doofe Verkehrsführungen und Riesenbaustellen geplant und gebaut haben, überteuerten Nahverkehr dulden und Radfahrmöglichkeiten nicht verbessern, sollten ihre Bremsstaub- und Reifenabriebmonster schlagartig weggenommen bekommen. Verdient hätten Sie es, schließlich ignorieren jene sehenden Auges die EU-Vorgabe, mit geeigneten (!!) Mitteln für saubere Städte zu sorgen.