Kommentar von INES KAPPERT
Der Papst spricht im Bundestag. Für die umstrittene Einladung bedankt sich das Oberhaupt der Katholiken gemessenen Wortes und stellt umgehend klar: Er stehe hier als "Papst, als Bischof von Rom". Einige Politiker hatten die Rede des Kirchenmannes damit zu rechtfertigen gesucht, dass der Papst schließlich auch einen Staat vertrete, nämlich den Vatikan. Solche rhetorischen Schildbürgerstreiche lehnt Benedikt der XVI. ab. Und dann?
Dann schwurbelt der alte Mann über den Unterschied zwischen positivem Recht und Naturrecht. Die Kernaussage lautet: Der Mensch ist nicht vom Menschen gemacht, sondern von Gott, und wer diese Hierarchie nicht anerkennt, der vermag zwischen Gut und Böse nicht zu unterscheiden. Der kann nicht Recht sprechen.
So weit, so handzahm. Dass der mächtigste Glaubensvertreter Gott für die höchste Instanz hält und sich für die höchste Vertretung derselben, daran ist nichts Überraschendes, Provokantes, gar Wegweisendes. Irgendwo im philosophischen Selbstgespräch stellt der Papst noch fest, Europa dürfe nicht auf materielle Werte reduziert werden, das würdige die christliche Kultur zur "Subkultur" herab. Dass er die nicht schätzt und ein multireligiöses Europa ebenso wenig Gnade bei ihm findet - auch das im Westen nichts Neues.

INES KAPPERT ist Leiterin des taz-Meinungsressorts. Foto: wolfgang borrs
Warum aber tun sich die Parlamentarier das Wortgeklimper aus einer Denke an, in der niemand Gefahr läuft, auf die Worte "Euro", "Krise", "Missbrauch", "Multikulturalität" und "Internet" zu treffen? Sie sagen zwar, sie hätten Fragen an den Papst. Aber offenbar tut es ihnen gut, dass es bei dieser Rede nicht schlimm ist, wenn sie etwas nicht verstehen: Wer verlangt schon von Politikern Kenntnis in Sachen Metaphysik?
Der Papst, der Massen anzieht, das zeigt auch seine ambitionslose Rede im Reichstag, zieht Massen an, weil er sie in eine Welt einhüllt, in der Autoritäten Mahnungen aussprechen, die niemandem wehtun. Anachronistischer Kitsch, so ein bisschen Adventskranz ist schließlich kein Verbrechen.
Aber warum nutzt Ratzinger die Chance nicht, in verständlichen Worten ernsthaft zu den Leuten zu sprechen? Weil ihm das Event reicht, weil es ihm gar nicht um die Vermittlung von klerikalen Überzeugungen geht, sondern um den Auftritt an prominenten Orten. Die Protestierenden haben recht, diese Eventisierung der Demokratie zum Problem zu erklären.
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Benedikt der XVI. kommt nach Deutschland und zieht wieder viele Katholiken an – sei es im Berliner Olympiastadion, in Erfurt oder im Reichstag. Aber nicht alle werden ihn mit einem Frohlocken empfangen: auf seinem Weg durch das Land stösst er auch auf Protest.
taz.de behält die päpstliche Tour durchs Land im Blick – in Reportagen und Analysen. Mit im Flugzeug des Papstes ist unser Korrespondent Philipp Gessler, der von seinen Eindrücken im taz-Blog berichten wird.
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Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
26.09.2011 01:23 | mali
@Maria: Sie sind scheinbar wie die taz. Es gibt für Sie offenbar nur schwarz und weiß. Nichts anderes. Man muss wirklich ke ...
25.09.2011 20:22 | bitte anonym
Sehr geehrte Frau Kappert ...
24.09.2011 19:58 | bertholdIV
lieber frau kappert, ...