Die Stadtentwicklungssenatorin setzt alles auf die A100. Jetzt bleibt nur doch der Ausbau - oder ihr Rücktritt.

Junge-Reyer verbaut sich alle Auswege

Kommentar von STEFAN ALBERTI

Es muss echte Liebe sein, die Ingeborg Junge-Reyer mit der Autobahn 100 verbindet. Nur so lässt sich erklären, dass sie, die sonst so rationale, nüchterne SPD-Senatorin, sich und ihre Partei in eine Situation manövriert hat, in der am Ende einer auf der Strecke bleiben muss. Während die Kunst in Politik und Straßenkampf darin besteht, sich immer einen Ausweg freizuhalten, ist Junge-Reyer in eine Sackgasse gefahren.

Indem sie jetzt auf dem Weiterbau der A 100 beharrt, hat sie ihre politische Zukunft im Senat untrennbar an das umstrittene Projekt geknüpft. Kippen SPD und Linkspartei den Weiterbau im nächsten Jahr komplett, bleibt ihr konsequenterweise nur der Rücktritt.

Das könnte man immer noch als konsequente und anerkennenswerte Haltung einer Frau sehen, die nicht wie einst Kanzler Konrad Adenauer sagt: "Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?" Junge-Reyers Beharren aber ist wenig anerkennenswert, weil sie nicht nur ihre eigene Karriere riskiert. Wenn sie sich am Ende durchsetzt und die Autobahn doch weitergebaut wird, beschädigt sie ihre eigene Partei, die sich im Frühjahr bei einem Landesparteitag gegen den Bau ausgesprochen hat. Düpiert und unglaubwürdig stünden die Sozialdemokraten da.

Nicht dass Regierung und Fraktion immer jeden Parteitagsbeschluss direkt und in vollem Umfang erfüllt hätten, aber kaum eine Entscheidung stand so sehr im Fokus wie der Stopp der A 100. Die Senatorin oder die Partei - eine von beiden wird schweren Schaden nehmen. Jeden anderen Ausweg hat sich Junge-Reyer mit ihrer Liebe zum Beton verbaut.

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