Kolumne von Julia Seeliger

Mimimimimi – süß. Und ganz schön vermenschlicht. Bild: Mark Hillary | CC-BY
Sie sind mitten unter uns: Die Vegetarier, Veganer und Tierrechtler_innen, die mit missionarischem Eifer ihre Mitmenschen davon überzeugen wollen, dass es für das Seelenheil besser ist, fleischfrei zu leben. Oft gewachsen aus einer Verliebtheit in der Pubertät, bleiben viele an der Fleischfrei-Religion hängen.
Fleischfrei ist nicht fleischfrei, vegan ist anders als das Engagement für Tierrechte – Empörung, nachdem ich das Kolumnenthema angekündigt hatte. Ich könne doch nicht diese drei "Lebensweisen" in einen Topf werfen!
Lebensweisen. Beim Fleisch wird die Lebensweise schnell dogmatisch. Fleischesser werden von der Tierrechts-Intifada als "Mörder" bezeichnet, und überhaupt sind diejenigen, die auf Tierprodukte verzichten, die besseren Menschen. Wer sich nicht anschließt, ist eben "noch nicht so weit". Eine schöne kleine private Bauchreligion mit geschlossenem Weltbild. Verzicht als Konzept. Exzess wird abgelehnt - und wenn man dann mal fleischlich gesündigt hat, muss man sich schämen.

JULIA SEELIGER
ist Online-Redakteurin bei der taz. Sie schreibt die Kolumne Bio, in der sie sich kritisch mit dem Öko-Milleu und den Grünen auseinandersetzt.
Foto: privatDie Fleischfrei-Religion hat auch einen radikalen politischen Arm: Die Tierrechtler_innen. Diese üblen Gesell_innen verbreiten Gedankengut, das dem Prinzip der Würde des Menschen und dem der Gleichheit diametral widerspricht.
Eine schwammige, schwer fassbare Ideologie, die sich auf den Euthanasie-Fan und Behindertenabwerter Peter Singer bezieht. Zwar distanzieren sich viele Tierrechtler von ihm, propagieren aber zugleich seine Wertvorstellungen. Begriffe werden umgewidmet. "Menschen und Tiere" werden zu "Personen" und "Nicht-Personen", klassifiziert nach Leidensfähigkeit und Glücksempfinden. Damit wird auch so mancher geistig Behinderte zu einer "Nicht-Person" - und damit in Wert und Würde abgewertet. Die Gleichheit aller Menschen gilt nicht mehr.
Es klingt so einfach: Früher waren die Schwarzen doch auch ungleich, wird im Film "Earthlings" (Erdlinge) gesagt, der in der Szene weiterhin empfohlen wird. Und die Frauen. Und es sei doch schlimm, dass die Nazis die Juden in KZs brachten. Und im nächsten Argumentationsschritt wird dann der Vergleich zwischen Haltung und Schlachtung von Tieren mit Auschwitz gezogen. Auch die Tierrechts-Organisation Peta machte für ihr Anliegen mit dem Spruch "Holocaust on your Plate" Werbung. Drastische Bilder-Vergleiche inklusive.
Befreiung hört beim Menschen nicht auf, wird argumentiert - aber wer, außer dem Pferdeflüsterer, soll denn mit den Tieren sprechen und erfahren, was sie sich wünschen? Und was soll das eigentlich alles in einer Zeit, in der nicht nur in Somalia Menschen verhungern?
Fängt man an, die schwammige Kinderideologie zu ordnen, fällt auf: Linkspartei, Milli Görüs, Islamhasser - pah! Die neue Bedrohung wächst auf Mondzyklus-Linsenäckern. Und niemand kommt dagegen an.
Denn die Tierrechtler_innen, meist aus der bildungsbürgerlichen Mittelschicht stammend, verstehen es, ihre faschistoide Ideologie hinter freundlichem Mitgefühl für kleine flauschige Kaninchen zu verstecken.
Die private Haltung von Diskusfischen und Co. ist Passion, keine Quälerei. Rufe nach einem Verbot gründen zu sehr auf Gefühligkeit und Ideologie. von Heiko Werning

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Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
31.01.2012 00:45 | Alex Graf
Warum bin ICH als Veganer, der nicht töten will und sich nicht an Grausamkeiten beteiligen will, derjenige der als Fanatike ...
21.12.2011 10:06 | Stefanie
Was offensichtlich ist: Die Menschen, die hier Kommenatare zu dieser Kolumne schreiben, sind sehr extrem. Allerdings auf be ...
10.12.2011 03:42 | Hauke
Ohne die Kommentare gelesen zu haben mein Statement zu dem Artikel: ...