KMK-Präsident über Schulsysteme
"Ich verteile überhaupt niemanden"
Der neue Präsident der Kultusministerkonferenz, Ludwig Spaenle (CSU), will die Durchlässigkeit des Schulsystems verbessern – und aus der Hauptschule eine Mittelschule machen.von Anna Lehmann
Leserkommentare
26.01.2010 10:49 Uhr
von G. H. Pohl:
24.01.2010 12:24 Uhr von elisabeth schleier:
Meine Meinung: Leute wie Schavan und Konsorten können und wollen es nicht lernen!
Allein die Bezeichnung Einheitsschule ist reine Demagogie.
Unter rd. 18 Mio. Einwohnern in NRW sehen Sozialverbände hier 800.000 arme Kinder,
arm sind auch ihre Eltern. Das zu Ändern, darum geht es.
Eine Ursache für die Armut ist das Schulsystem und der Geist, mit dem es betrieben wird.
Kürzlich wurde bekannt, daß 70% der Gesamtschul-Abiturientia von
Profi-Kaffeesatzlesern als nicht geeignet für weiterführende Schulen
eingestuft worden war, dank lernresistenter und „klassenbewußter“
Bildungsideologen besonders in der CDU und CSU: Auslese statt Förderung.
Kein Gedanke an das Beispiel skandinavischer Bildungssysteme,
die seit Jahren bei „Pisa“ erfolgreich sind.
Erfolg:
Die „Elite“ ist gesichert, viele kleine, wohlhabende Blödbaddel werden mit Nachhilfe
– koste es was es wolle - zum Abitur gepeitscht.
Leute dieses Schlages sind unwillig und skrupellos. Sie ignorieren bewußt,
daß in unserem gesamten Staatswesen unüberschaubare menschliche
und auch wirtschaftliche Schäden zugefügt werden.
Tja, ist wohl Klassenkampf von oben…
Das von o.a. Klientel ideologisch verbrämte, von keiner Wissenschaft
seriös goutierte, dreistufige Schulsystem ist ungeeignet, menschenunwürdig und
wirtschaftlich nicht vertretbar.
24.01.2010 12:24 Uhr
von elisabeth schleier:
Lernen beginnt nicht erst in der Grundschule! Das Vorbildungniveau, mit dem die Kinder unser Schulsystem betreten, ist viel zu unterschiedlich, um darauf mit einer Einheitsschule zu reagieren.
Das ideologische Deckmäntelchen der Gleichbehandlung über alle Schüler zu legen, wird die vorhandenen Bildungsprobleme der benachteiligten Kinder nicht befriedigend beseitigen.
Wir brauchen eine kostenlose Elementarbildung im Kindergartenalter für alle. Ganzheitliches Denken ist bei den Bildungspolitikern noch nicht angekomme, weil statt Bildungssenatoren noch Schulsenatoren ihr Unwesen treiben dürfen, die einer Verzahnung von Vorschulerziehung und Schulbildung im Wege stehen.
Sechs Jahre wird nahezu tatenlos zugesehen, wie die Bildungsschere sich rasant öffnet, die dann in der verspäteten Schulpflichtzeit messerscharf zuklappt und ein Viertel der Bildungsbedüftigen vom Schulerfolg abzuschneidet. Ein Entschärfen dieser Bildungsschere durch übereilte Maßnahmen, wie die aus dem Boden gestampfte Primarschule in HH oder das Mißbrauchen werbewirksamer Schlagwörter wie "individualisiertes Lernen" oder das vordergründige Abschaffen von Hauptschulen unter Beibehaltung des Hauptschülers und des Hauptschulanschlusses, ist nicht möglich. Die vom Elternhaus und vom Staat 6 Jahre lang geschärfte und geöffnete Bildungsschere muss durch den Aufbau einer staatlichen Elementarbildung aus dem Verkehr gezogen werden.
20.01.2010 17:23 Uhr
von Atilla Özokyay:
Es ist wirklich erschreckend, was der Präsident der KMK da von sich gibt. Er bringt nicht ein positives, stichhaltiges Argument, welches für die frühe Aufteilung von Kindern (!) nach der 4. Grundschulklasse sprechen würde! (Es gibt auch keines!)
Daneben kann man seine Äußerungen durchaus als rassistisch betrachten: Was bitte schön haben Herkunft, Zuwanderung, Abstammung etc. a priori mit intellektuellen Fähigkeiten und Lernkapazitäten zu tun??? Statt einen gesunden und befruchtenden "Lern- und Lehrmix" aus allen Schülerinnen, Schülern und LehrerInnen (!) zu bilden, fällt diesem "Schreibtischtäter" nichts besseres ein, als Gruppen und Individuen auszusortieren und dem preußischen Staatsbeamtentum des 19.Jhds. gemäß zu kategorisieren, undifferenziert als Gruppe zu bewerten, und so von vorneherein zu stigmatisieren. Das Wort "Bildungschancen " oder "Chancengerechtigkeit" fällt nicht einmal! Was hat "Migrationshintergrund" (ein abscheulicher, denunziativer Begriff, ohne irgendeinen objektiv verwertbaren Inhalt!) mit Denk- und Lernvermögen, geschweige denn Wissensvermittlung, zu tun??? Ist das ein objektives Kriterium für irgendetwas? Traurig, auf welchem niederen Niveau sich mittlerweile viele Politiker und Staatsbeamte bewegen. Eine "fortschritts- und entwicklungsorientierte Wissensgesellschaft des 21.Jahrhunderts" sollte sich von anderern Gedanken und objektiven, allgemeingültigen, Erkenntnissen leiten lassen. Im derzeitigen, noch dazu ideologisch und dogmatisch verbrämten, föderalen Bildungs- und Schulwirrwarr wird dies allerdings wohl kaum möglich sein. Eine grundlegende Reform unseres Bildungs- und Schulsystems ist notwendig!!! 16 Administrationen mit 600 Schul- und Lehrplänen und Undurchlässigkeiten aller Art können wir uns einfach nicht mehr leisten - weder intellektuell noch materiell noch personell (grandiose Ressourcenverschwendung!). Ein anachronistisches Spiegelbild des Stände- und Fürstenstaats des 19.Jhds., der von einer bestimmten Klasse des sogenannten "(liberalen?)Bildungsbürgertums" kooptiert und vereinnahmt wurde... So werden auch noch die letzten verbleibenden Ressourcen für die Zukunft leichtfertig verspielt!
20.01.2010 16:01 Uhr
von G. H. Pohl:
Diese Unsäglichen sollen endlich ihre Geschwafel beenden oder abtreten.
Ein Kind muß sich selbst entdecken, seine Fähigkeiten, Vorlieben aber auch Schwächen. Beginnend im Elterhaus über vorschulische Einrichtungen bis zur Schule.
Stärken gilt es zu festigen und zu fördern, das Lernen zu erlernen, ist integraler Bestandteil. So kann man auch die Schwächen angehen und mehr oder weniger beheben, nicht zuletzt, weil das Kind das Lernen erlernt (hat).
Die Organisationsformen des Schulsystems müssen so angelegt werden, daß Kinder auch nach dem 4. Schuljahr jede Chance zur weiteren Entwicklung haben.
Neben den verfehlten Organisationsformen muß dem verwaltungsbestimmten Geist der Schule Einhalt geboten werden ( das einzige was stört, sind die Schüler/innen, gelegentlich auch Lehrpersonal ) und engagierte Lehrer/innen mit Fachautorität vorhanden sein.
Lernstoff und soziale Kompetenz – sind zu vermitteln. Skandinavien sei beispielhaft dafür.
Wie man das Ganze letztlich nennt, darüber können sich die Damen und Herren Klugscheißer einen Kopf machen und ihr Planstelle sichern – Hauptsache den Kindern wird geholfen.
20.01.2010 15:31 Uhr
von Kalle:
Ich bin enttäuscht, dass man mit solch einer Überzeugung und Ignoranz tatsächlich zum Kultusminister berufen wird.
Auf dem Attac-Kongress "Arme Kinder - Reiches Land" in Karlsruhe hatte Frau Friedrich von ihren schockierenden Beobachtungen an Förderschulen berichtet. Es ist wahnsinn, dass man derartige Schulen überhaupt noch zulässt. Die Kinder sollten von Anfang an richtig gefördert werden und nicht zu früh unter Druck gesetzt werden. Eine Verlängerung der Grundschulzeit auf 6 Jahre wäre sicher ein guter Ansatz.
Prinzipiell halte ich es nicht für sinnvoll, Kinder schon zu früh mit Noten und "sitzenbleiben" auf Leistung zu trimmen. Mit freier Entfaltung hat das nichts mehr zu tun. Grundkenntnisse in Lesen, Schreiben und Rechnen sollte sicherlich jeder haben, weitere Vertiefungen sollte allerdings jeder Schüler selbst ermessen können oder zumindest empfohlen bekommen. Aber Schüler kategorisch in eine Bildungsschicht zu drängen ist der falsche Weg.
Was mich aber doch an der ganzen Diskussion sehr wundert ist die niemals auftauchende Forderung nach mehr "ethischer Bildung" an Schulen. Kein Wunder dass unsere Gesellschaft mehrheitlich aus gierigen und egoistischen Menschen besteht, wenn sie es doch jeden Tag so vorgelebt und nicht anders beigebracht bekommen. HIER beginnt doch der wahre Bildungsauftrag!
20.01.2010 14:59 Uhr
von Thomas:
"Homeschooling" ist jenseits der Vorstellungskraft.
Freie zugängliche Prüfungen, ohne einer Institution anzugehören, sind ebenfalls jenseits der Vorstellungskraft.
Und dann wird von Integration bzw. Durchlässigkeit gesprochen.
Was für ein Spießer.
20.01.2010 12:08 Uhr
von Herbert Hausmann:
Herr Spaenle hat Mut und passt sich nicht einem Mainstream an, der mit Gleichmacherei eine ganze Schülergeneration verheizt.
Wenn in einer Klasse der Wissensstand der einzelnen Schüler zu weit auseinanderdriftet, ist eine Klasse nicht mehr unterrichtbar. Die einen sitzen gelangweilt in der Ecke, die anderen schreien ständig um Hilfe. Und hier setzt die schreiende Ungerechtigkeit ein: es wird von den Begabteren gefordert, sie mögen doch bitte schön etwas von ihrer Begabung den Schwächeren abgeben (gemeinsames Lernen). Damit wird den Begabten eine angemessene Förderung vorenthalten. Das geht eben nur in einem differenzierten Schulsystem, das Herr Spaenle beschreibt.
Begabte junge Menschen zu vernachlässigen und sie als Katalysator für weniger begabte Menschen zu benutzen ist ein Fall für das Antidiskriminierungsgesetz! Das ist Diskriminierung!
20.01.2010 10:47 Uhr
von Dr. Ludwig Paul Häußner:
Zurück ins 19. Jahrhundert oder ab nach Hamburg?
--------------------------
Das was der bayerische Kultusminister in diesem Interview von sich gibt ist wirklich Retropolitik: zurück ins 19. Jahrhundert mit einem Drei-Schichten-Schulwesen.
Dabei ist in der nachindustriellen Gesellschaft die Gefahr eines Neofeudalismus im Bildungswesen nicht von der Hand zu weisen. Aus den früheren Ständen in vordemokratischen Zeiten drohen "Bildungsstände" zu werden.
Für das 21. Jahrhundert brauchen wir eine zukunftstaugliche Schulstruktur mit einer insgesamt zwölfjährigen Schulzeit: eine sechsjährige Primarstufe und eine ebenfalls sechsjährige Sekundarstufe, die aus zwei Säulen besteht.
Selbst die bayerische Wirtschaft fordert diese innovative Schulstruktur schon seit Jahren! Auch das geplante neue Besoldungssystem für Bayern ermöglicht, den beamteten Lehrkräften die Durchlässigkeit.
Die eine, alte und konservative Säule ist ein darauf aufbauendes sechsjähriges Aufbaugymnasium (solche gibt es nicht nur in Baden-Württemberg, sondern auch vereinzelt sogar schon in Bayern). Die zweite, ist die innovative Säule die allgemeinbildend, profilbildend und berufsbildend ist: die sechsjährige Kollegschule.
In den Klasssenstufen 7 - 10 (früher gab es in Bayern vierjährige Realschulen) werden verschiedene Profile angeboten, technisch, kaufmännisch, sozialwissenschaftlich, sprachlich, sportlich, musisch usw. und in den Klassenstufen 11 - 12 wird die Kollegeschule zur beruflichen Vollzeitschule in einem Zweig und im zweiten Zweig zum beruflichen Gymnasium, das in der 13 Jahrgangsstufe das Abitur anbietet.
Damit hätten die Kinder in Bayern nicht nur ein längere gemeinsame Schulzeit: die Klassenstufen 5 und 6 wäre eine wirkliche Orientierungsstufe, sondern auch die Kommunen im Flächenstaat Bayern könnten ihre Schulen vor Ort weiterhin betreiben. Die Hauptschulen sind inzwischen nur noch kostenträchtig und werden im Zusammenhang mit dem bevorstehenden demografischen Wandel auch in Bayern aufgelöst werden müssen. Schließlich hat Bayern durch die Pleite der Hypo Real Estate und der Hypo Alpe Adria kein Geld mehr um sich die Hauptschulideologie weiterhin leisten zu können.
Aber vielleicht reicht das Geld ja noch für eine Bildungsreise des bayerischen Kultusministers nach Hamburg zu Ole van Beust und Christa Goetsch, um sich dort in Sachen zukunftstaugliche Schulstruktur weiterzubilden?
Dr. Ludwig Paul Häußner
Initiator von www.unternimm-die-schule.de
20.01.2010 10:28 Uhr
von Dr. Ludwig Paul Häußner:
Zurück ins 19. Jahrhundert oder ab nach Hamburg?
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Das was der bayerische Kultusminister in diesem Interview von sich gibt ist wirklich Retropolitik: zurück ins 19. Jahrhundert mit einem Drei-Schichten-Schulwesen.
Dabei ist in der nachindustriellen Gesellschaft die Gefahr eines Neofeudalismus im Bildungswesen nicht von der Hand zu weisen. Aus den früheren Ständen in vordemokratischen Zeiten drohen "Bildungsstände" zu werden.
Für das 21. Jahrhundert brauchen wir eine zukunftstaugliche Schulstruktur mit einer insgesamt zwölfjährigen Schulzeit: eine sechsjährige Primarstufe und eine ebenfalls sechsjährige Sekundarstufe, die aus zwei Säulen besteht.
Selbst die bayerische Wirtschaft fordert diese innovative Schulstruktur schon seit Jahren! Auch das geplante neue Besoldungssystem für Bayern ermöglicht, den beamteten Lehrkräften die Durchlässigkeit.
Die eine, alte und konservative Säule ist ein darauf aufbauendes sechsjähriges Aufbaugymnasium (solche gibt es nicht nur in Baden-Württemberg, sondern auch vereinzelt sogar schon in Bayern). Die zweite, ist die innovative Säule die allgemeinbildend, profilbildend und berufsbildend ist: die sechsjährige Kollegschule.
In den Klasssenstufen 7 - 10 (früher gab es in Bayern vierjährige Realschulen) werden verschiedene Profile angeboten, technisch, kaufmännisch, sozialwissenschaftlich, sprachlich, sportlich, musisch usw. und in den Klassenstufen 11 - 12 wird die Kollegeschule zur beruflichen Vollzeitschule in einem Zweig und im zweiten Zweig zum beruflichen Gymnasium, das in der 13 Jahrgangsstufe das Abitur anbietet.
Damit hätten die Kinder in Bayern nicht nur ein längere gemeinsame Schulzeit: die Klassenstufen 5 und 6 wäre eine wirkliche Orientierungsstufe, sondern auch die Kommunen im Flächenstaat Bayern könnten ihre Schulen vor Ort weiterhin betreiben. Die Hauptschulen sind inzwischen nur noch kostenträchtig und werden im Zusammenhang mit dem bevorstehenden demografischen Wandel auch in Bayern aufgelöst werden müssen. Schließlich hat Bayern durch die Pleite der Hypo Real Estate und der Hypo Alpe Adria kein Geld mehr um sich die Hauptschulideologie weiterhin leisten zu können.
Aber vielleicht reicht das Geld ja noch für eine Bildungsreise des bayerischen Kultusministers nach Hamburg zu Ole van Beust und Christa Goetsch, um sich dort in Sachen zukunftstaugliche Schulstruktur weiterzubilden?
Dr. Ludwig Paul Häußner
Initiator von www.unternimm-die-schule.de
20.01.2010 09:26 Uhr
von Einheitsschuelr:
Was für ein Unsinn. Weiß der Mann überhaupt _irgend_etwas_ über Schule & Bildung oder hat er nur die Feuerzangenbowle in Endlosschleife laufen?
19.01.2010 21:18 Uhr
von Siegfried Bosch:
Wieso unterlässt es die TAZ, Herrn Spaenle zu fragen, was er dagegen zu tun gedenkt, dass die Chancen von Mädchen, das Gymnasium zu absolvieren, höher sind als die von Jungen? Wieso vergisst sie so oft den Gender-Aspekt (insbesondere dann, wenn er zu Lasten von Jungen/Männern geht), im Gegensatz zum Klassen/Schichtenaspekt?
19.01.2010 20:12 Uhr
von Christian:
Da zeigt sich mal wieder, dass die Politik und ganz speziell die CSU im Bildungspolitischen Mittelalter haust. Längst werden im Kitabereich die dringend notwendigen Veränderungen, hin zu altersheterogenen Gruppen, individueller Förderung und freier, freiwilliger Bildung forciert (wenn auch lange nicht zufriedenstellend). Doch für die Schulen muss nun ausgerechnet in Zeiten von Bildungsstreik und wirklich dringenden Bildungsreformen ein Hinterwäldler aus Bayern den Vorsitz der KMK übernehmen. Willkommen in der Bildungskrise!