• 07.06.2010

Interview zu Regeln im Internet

"Das ist unterschichtenfähig"

Wer im Netz die Beachtung von Normen einfordert, wird angepöbelt, sagt Medienkontrolleur Norbert Schneider. Dabei könne auch eine moderne Gesellschaft nicht ohne Regeln existieren.von Steffen Grimberg

  • 17.06.2010 20:40 Uhr

    von Tomate:

    "Wenn vor allem kritische Punkte wie Pornografie, Cybermobbing und Datenklau das Image des Netzes prägen, wird es auch wirtschaftlich kritisch: Jedes Geschäftsmodell ist an das Wohlgefallen des Rezipienten gebunden, sonst bleibt der weg."

    Aha. Es gibt auch Autobahnparkplätze, auf denen käufliche Damen ihre Dienste anbieten. Also => muss man demnächst befürchten, dass keiner mehr auf der A9 fahren will. Q.e.d.

    Da sieht man mal wieder, was das heißt: "Internetausdrucker" ...

  • 08.06.2010 14:31 Uhr

    von Dragan:

    Das Internet ist avant garde?

    Das Internet war vor 15 Jahren avant garde. Nur dachten die Rundfunk-Geronten eben bis heute, dass das alles schon vorbei gehen wird, eine kurze Modeerscheinung, und dann ist alles wieder gut.

  • 08.06.2010 08:00 Uhr

    von Jens Best:

    Herr Schneider,

    ich werde ihnen persönlich auf die Finger hauen, wenn sie jemand an die Regulierung des Web ranlässt.

    Reaktionäre Armleuchter in überkommenen Entscheiderpositionen wie sie sind die größte Gefahr für das Web.

    Ich bin schockiert über die gezeigte Ignoranz, die anmassende Art ihrer Antworten.

    So früh am Morgen einen solch gefährlichen Unsinn lesen zu müssen....ihren Namen hab ich mir gemerkt.

  • 07.06.2010 14:02 Uhr

    von feri:

    Aber Besten finde ich die Stelle an an der die Sorge äußert, Pornographie könne dem Ruf des Internets schaden :D

  • 07.06.2010 13:40 Uhr

    von Max:

    Alleine die Idee, eine Instanz zu schaffen, die eine weltweite Kontrolle der Inhalte ermöglicht, die über das Internet erreichbar sind, ist schlicht bizarr. Diese Idee enthält eine derartige Menge an Unwissen zu dieser Thematik, dass sich jeder weitere Kommentar (alleine zur Heterogenität juristischer oder moralischer Normen, von der technischen Problematik mal abgesehen) erübrigt.
    Fragt sich nur, warum die taz diesen Herrn interviewt hat - irgendein Tip?

  • 07.06.2010 12:03 Uhr

    von Dimir Noskov:

    Hört sich reichlich paranoid an was der Typ da vom Stapel lässt.

    Pornografie, Cybermobbing und Datenklau zerstören unser schönes Internet.. is klar ne?

    Das Gegenteil ist doch der Fall. Das Internet ist ein gutes Beispiel dafür dass es eben keine großartige, allumfassende Regulation braucht, da sich die einzelnen Seiten automatisch selbst regulieren.

  • 07.06.2010 11:29 Uhr

    von cervo:

    Norbert Schneider bestätigt jedes Vorurteil. Nichts zuende gedacht und auch noch stolz drauf. Übel, übel.

  • 07.06.2010 10:10 Uhr

    von David:

    Norbert Schneider bedient wieder einmal den Mythos vom rechtsfreien Raum und iszeniert sich als mutiger Verteidiger von Regeln, ganz so, als ob es im Netz keine gäbe.

    Was nicht verwunderlich ist: Medienpolitik heißt: Politik will Macht über Medien. Schade aber, dass seine rhetorische Strategie im Interview so unhinterfragt bleibt. Die Frage ist ja nicht, ob reguliert wird, sondern wer reguliert: die Netzbürger oder irgendwelche dahergelaufenen Direktoren und Anstalten.

  • 07.06.2010 09:41 Uhr

    von denkßema:

    Das Thema ist zu komplex, als es in einem kurzen Kommentar sinnvoll und angemessen anzugehen. Faktum ist, daß Unternehmensführungen großenteils als einziges Kriterium den „Erfolg“ sehen, wie immer er definiert sein mag. Wie das aussehen kann, haben die kürzlichen Geschehnisse im Bankenwesen und die Reaktion der Politik – oder auch die unsäglichen Verhaltensweisen der BP in der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko vor Augen geführt. Von den unsäglichen Ergüssen mancher „Film“- Industrie nicht zu reden. Zusammengefaßt: es muß eine wirksame, internationale Rechtsprechung geben, wobei ich zustimme, daß es immer große und kleine Rechtsbrecher geben wird.
    Als Entgleisung im Sinne von Diskriminierung finde ich die Formulierung: „…das ist unterschichtenfähig…“. Da kann ich nur anregen, sich beispielsweise Kommentare im schönsten Juristen-Deutsch einmal zu Gemüte zu führen, oder einmal hinzuhören, wenn eine gymnasiale Lehrperson sich die „Anvertrauten“ einmal „vornimmt“. Wie würden Sie diese Vorgänge charakterisieren?

  • 07.06.2010 09:24 Uhr

    von dietah:

    Und wo wir gerade beim Buchdruck sind.
    Exakt dieses Beispiel schwebt den Unterschichtsintellektuellen vor Augen.


    Gutenberg kam, und...
    ->Wie lange hats bis zur staatlichen/ religiösen Zensur gedauert?
    ->Wie lange bis zur Entstehung des Wettbewerbs- und Urheberrechts, beispielsweise in Form der Privilegierung von Druckern und Verlegern?

    Mach die Luken uff, Kleenah. Diesmal halten wirs sauber.

  • 07.06.2010 07:49 Uhr

    von Oberschichtenguru:

    Nach "rechtsfreier Raum" habe ich aufgehört
    zu lesen. Wer solche Schlagworte verwendet,
    hat von der Realität im Netz nicht die
    geringste Ahnung.

  • 06.06.2010 21:24 Uhr

    von tin:

    "Aber am Ende wird es ähnliche Restriktionen geben wie im analogen Zeitalter...Es muss klar sein, wer was kontrolliert - auch um den Kontrollierenden zu kontrollieren." das ist ja gruselig, was dieser 69-jährige medienkontrolleur da fordert. als ob sich durch internet und social media die vorstellungen von urheber, rezipient, content ect. nicht grundlegend verändert hätten. da kann man nicht einfach einen "öffentlichen medien-rat" einberufen und alles juristisch fixieren. viel spaß meim bau von big brother aka der "weltmedienorganisation"...

  • 06.06.2010 20:23 Uhr

    von steven:

    Es gibt immer 2 Gründe etwas zu tun. Einen Scheingrund, damit die Bevölkerung akzeptiert, anders ausgedrückt, manipuliert wird und einen echten Grund.

    Für den Scheingrund benutzt man sehr gerne Kinder und "Mobbingopfer".

  • 06.06.2010 20:13 Uhr

    von Bastiaan Zapf:

    Sehr geehrter Herr Schneider,

    Sie verkennen die Realität. Sie können das Internet entweder zerstören, oder sie müssen damit rechnen, dass jemand etwas bekanntgibt, das ihnen nicht passt.

    Auch wenn der Begriff "Äußerung" ein Euphemismus ist für manches, was da wahrzunehmen ist, gehe ich da mit (gerüchtehalber) Voltaire: "Ich teile Ihre Meinung nicht, ich würde aber mein Leben dafür geben, dass Sie sie äußern dürfen."

    In diesem Sinne hoffe ich sogar, dass die Taz als gleichgeschaltetes Offlinemedium das Recht behält, derart schwache Polemiken im Internet verbreiten zu dürfen.

    Die Mechanismen, die von der vor-Internet-Regierung vorgeschlagen wurden, dienen einzig der Kriminalisierung einer möglichst breiten Allgemeinheit. Die Ursachen und die Probleme blieben unangetastet, auch wenn wir den Griff nach dem Polizeistaat erlauben würden.

    Ihr Strohmann, es gäbe keine Regeln im Internet, entbehrt jeder Grundlage. Es gibt auch hier Regeln, die gefallen Ihnen nur nicht. Das ist aber Ihr persönliches Problem. Dass diese sich auch nicht durch Polemik ändern lassen, sollten Sie mittlerweile verstanden haben.

    Auf ihren Vorschlag, sie zu beschimpfen, möchte ich nicht eingehen, da dergleichen keinen Nutzen birgt. Dennoch möchte ich anregen, sich in Zukunft bevorzugt zu anderen Themen zu äußern.

    Mit freundlichen Grüßen,

  • 06.06.2010 17:30 Uhr

    von Noch ein Unterschichtenegghead:

    Mir kommen die Tränen ob solcher öffentlichen Rechtschaffenheit. Als ob die Besetzung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten etwas mit Unabhängigkeit zu tun hat. Parteiendominanz, INSM, Bertelsmannstiftung die Systemmedien manipulieren die politische Meinungsbildung im Volk. Da sind Regeln zur Unterdrückung der freien Meinung natürlich unerlässlich. Was die Schmuddelecke angeht, warum hat der Herr Schneider die "BILD"-Zeitung ausgespart? Dort gibt es doch gerade das, was er angeblich im Internet regulieren möchte. Aber da knickt er nur zu willig ein. Denn es geht ja um den Springer-Konzern. Aber etwas anderes war ja von einem Fernsehdirektor vom "Sender Franz Barsig" auch nicht zu erwarten.

    Ein überflüssiges Interview.

  • 06.06.2010 17:21 Uhr

    von blah:

    "Es ist ja nicht der Dieb des geistigen Eigentums das neue Problem, sondern die Frage, wie ich seiner habhaft werde. Der Diebstahl bleibt derselbe wie in der analogen Welt."

    kurz: nein.

    länger: wenn ich bei Media Markt eine CD klaue, ist sie weg. niemand anderes kann sie erwerben. eine eins-zu-eins Kopie ändert an dem Original nichts. zu behaupten es würde sich um den exakt selben Vorgang handeln, ist nichts weiter als Unsinn.

  • 06.06.2010 16:52 Uhr

    von No Name:

    Es gibt Hinweise dafür, dass die Staatsanwaltschaften nicht zimperlich sind und immer häufiger Hausdurchsuchungen und Beschlagnahme von Rechnern bei den Amtsgerichten zu beantragen und dann auch durchführen. Wie man hört, wird dann alles mitgenommen, worauf und womit man Daten speichern kann. Man ist den Rechner für Monate los, wenn man ihn überhaupt wieder zurück erhält. Über solche Fälle wird sich intensiv im Netz auseinander gesetzt. Man gebe einfach mal "PC beschlagnahmt" bei Google ein. Die Verbreitung solcher negativer Erfahrungen im Internet könnte der Durchsetzung von verbindlichen Regeln bei der Nutzung von PCs usw. im Internet befördern.

  • 06.06.2010 16:51 Uhr

    von Ranjit:

    Vielen Dank auch, wir haben alle auf einen Theologen gewartet damit er uns das Internet erklärt.

    1. Es gibt natürlich formale Regeln im Internet. Die Gesetzeslage ist sogar sehr streng (Störhaftung usw.)

    2. Die mangelnde Durchsetzungsfähigkeit von Gesetzen ist häufig eine Illusion. Im Netz wird eben viel leichter sichtbar, was an Informationen und Gednakengut ausgetauscht wird, als bei Briefen, privaten Gesprächen und Telephonaten.

    3. In vielen Bereichen gibt es auch sehr elaborierte ungeschriebene Regeln. Selbst (oder gerade) so verschriehene Orte wie 4chan folgen solchen Gruppennormen. Sie gehen nur nicht konform mit den Ansichten aller.

    4. Regulation wird durchaus akzeptiert, wenn sie kompetent, freiheitlich und nützlich ist. Man denke an die technischen Standards wie z.B. html. Ebenso die Organisation der Domains usw.

    5. Abgelehnt werden "Intellektuelle" die in einer Medienlandschaft herangereift sind, die Wiederworte aus den Niederungen der ordinären Bevölkerung ausgeblendet hat. Eine Medienlandschaft in der Monetarisierung, Standesdünkel und Politik wichtiger sind als Kreativität und Kompetenz.

    6. Akzeptiert werden hingegen intelligente Menschen die sich für andere einsetzen und nicht nur für sich selbst. So wird auch Evgeny Morozov respektiert obwohl er sehr skeptisch über die demokratisierende Wirkung des Internets denkt.

    7. Die Politik unsere Landes ist derzeit überwiegend inkompetent. Nicht nur bei Netzpolitischen Themen sondern in allen Bereichen. Finanzkrise und Eurokrise wurden nicht bewältigt sondern mir Steuergeldern zu Jahrzehnte langem Leiden gestreckt. Hartz IV Empfänger sollen noch gründlicher ihrer Mittel beraubt werden jemals wieder ins Arbeitsleben zu finden, damit man immer eine nützliche Opferpopulation hat. Das Amt des Bundespräsidenten ist ein kleingeistiges Politikum. Bildung und Forschung werden vernachlässigt. Derweil gönnen sich die Abgeordneten und Minister eine satte Gehaltserhöhung die den Steuerzahler teuer zu stehen kommt, da die Gehälter im öffentichen Dienst dafür mitangehoben werden müssen. Und die Liste lässt sich endlos fortsetzen.

  • 06.06.2010 16:29 Uhr

    von nïkö:

    Naja, Herr Schneider.
    Der Vergleich zum Buch hinkt. Denn Bücher verlegen kostet Geld, publizieren im Internet dagegen ist weitestgehend kostenlos und viel leichter anonym zu bewerkstelligen. Bücher regulieren sich zunächst also von selbst, den Rest erledigt die Gesetzeslage. Und: was dereinst als skandalös galt, ist heute Konsens. Folgen wir Ihrer Argumentation werden Computerspiele mit Ihrer "Suchtgefahr und Knaben-Frauen-Problematik" bald gesellschaftliche Norm sein? Wozu dann regulieren?

    Die einzigen Leute, von denen ich das Gefühl habe, sie dächten das Internet sei ein rechtsfreier Raum, sind populistische Politiker und nichtreflektierende Journallien.
    Niemand, der im Netz illegaes vollbringt, käme auf die Idee, damit nichts illegales zu tun.
    Es gibt nicht vieles im Netz zu regulieren, daß nicht schon durch die analoge Welt reguliert würde: die Gesetze existieren, und somit auch im Netz. Punkt. Genau wie bei Ihren Büchern.

    Schlußendlich kann es im Netz keinen Diebasthl geben. Diebstahl ist die Wegnahme materieller Güter. Einbrüche bei StudiVZ sind widerrechtlicher Zugriff auf Informationen, Filesharing ist Vervielfältigung immaterieller Güter.

    Sind Vereine zur Erhaltung der zensurfreie Struktur des Internets zu vergleichen mit Bomben auf einem Marktplatz?
    Die "Alternative" zur Regulierungsbehörde: Untersagen und Löschen* ist die derzeitige Gesetzeslage, völlig zurecht und das einzig wirkungsvolle. Die "Förster" Staat und Polizi und deren Rechtsgrundlagen sind bereits vorhanden. Was fehlt sind nicht neue Sorten Förster, sondern mehr Kompetenz ebendieser.
    Auch ich denke, daß es weitere Regelungen bezüglich des Netzes geben wird und brauchen. Aber: bitte machen Sie sich nicht soviele Sorgen um Ihren Job! Denn mit der Kompetenz die Sie hier zur Schau stellen, sollten Sie, dem besseren gesellschaftlichen Nutzen zuliebe, lieber in der Sonne liegen.

    *interessant wie Sie übrigens Untersagen mit Verbieten doppeln und Löschen durch Auslöschen färben. Das klingt grad so als sei die von Ihnen angestrebte Regulierungsbehörde gegen das Löschen illegaler Inhalte - also für ebendiese. Also auch zugegebenermaßen: mehr Bürokratie für nichts. Geil!

  • 06.06.2010 15:55 Uhr

    von Unterschichtenintellektueller:

    Als Lektüre empfehle ich Herrn Schneider und allen anderen, die das Netz offenbar für einen einzigen großen Marktplatz halten, den man mit einer gehörigen Portion Angst sauber halten muss, einmal John Perry Barlows "Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace" von 1996:

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/1/1028/1.html

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