Republica Blogs sind ein Forum für Gegenöffentlichkeit, sagt Johnny Häusler, Mitinitiator der Republica. Deshalb werde bei dem Bloggertreffen nicht nur übers Internet, sondern über die Gesellschaft debattiert.Interview: LAURENCE THIO

Alle Themen auf dem Bildschirm: Blogger bei der Republica in Berlin Bild: dpa
taz: Herr Häusler, die Republica trägt den Untertitel "Nowhere". Das müssen Sie erklären!
Johnny Häusler: Der Untertitel ist natürlich ein Wortspiel zu einem Thema, das hier auf der Konferenz diskutiert wird. "Now here" meint zum einen natürlich die Echtzeitkommunikation, die durch Dienste wie Twitter und Facebook immer weitere Verbreitung gefunden hat. Zum anderen kann man sich im Internet auch verlieren, dafür steht das "nowhere".
Sie gehören zu den Gründern der Republica. Wieso haben Sie die Konferenz vor drei Jahren ins Leben gerufen?
Johnny Häusler, Westberliner, 45 Jahre alt. Heute betreibt er "Spreeblick", einen der wichtigsten deutschen Blogs. Häusler hat die Republica 2007 mit ins Leben gerufen
Es gibt immer ein Bedürfnis, sich in die Augen zu schauen. Es gibt Menschen, die kenne ich nur vom Twitterbild und das schon sehr lange. Irgendwann entsteht dann der Wunsch sich einmal in der Realität zu treffen. Das war mit ein Grund, weshalb wir uns damals entschieden haben eine Konferenz zu machen. 2007 ist netzpolitisch sehr viel geschehen und es gab viele interessante Akademiker, Psychologen und Webexperten, die wir zusammenbringen wollten.
Der gemeine Berliner hat keinen Blog. Warum sollte er überhaupt zur Republica kommen?
Blogs sind eine Erweiterung der Medienlandschaft. Natürlich hat der normale Berliner keinen Blog, muss er auch nicht. Aber Skandale wie beispielsweise das Abmahnverfahren von Jack Wolfskin oder die Kampagne von Greenpeace gegen Nestlé sind vor allem über Online-Medien öffentlich geworden. Das geht über Twitter und Facebook unfassbar schnell. Ich möchte, dass jeder Aufmerksamkeit auf Skandale oder Missstände lenken kann. Die können zwar auch die Tageszeitung anrufen, aber die haben nur begrenzten Platz oder interessieren sich nicht. Ich finde es wichtig, dass es diese Gegenöffentlichkeit gibt.
Ist die Konferenz nicht eine unglaubliche Selbstbespiegelung?
Natürlich gibt es Blogger die selbstreferenziell sind. Journalisten sind das auch. Ich finde das nicht schlimm.
Wollen Sie nicht weiter über den Tellerrand schauen?
Tun wir! Ich möchte an den Punkt kommen, wo bei Netzpolitik nicht mehr die Betonung auf Netz liegt. Wir führen hier nicht nur Internetdebatten, sondern es sind Gesellschaftsdebatten. Ein Thema wie das Datenspeicherungsgesetz Elena ist nicht nur ein Netzthema. Es geht um Datensicherheit und -speicherung. Das beeinflusst letztlich auch Menschen, die überhaupt nicht online sind.
Konferenzteilnehmer kritisierten die Republica als kommerziell. Einigen war der Eintrittspreis zu hoch und sie bemängeln, dass Unternehmen wie Google Vortragszeit bekommen.
Das kann ich verstehen. Doch in der Größe, in der die Republica stattfindet, kann man es leider nicht billiger machen. Im Vergleich zu anderen Konferenzen ist unser Preis sogar fair, finde ich.
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