Jürgen Habermas wird 80. Er erlebte noch den Nationalsozialismus, befreite die "Dialektik der Aufklärung" von ihrer resignativen Perspektive und wurde zum Projektleiter der Moderne.von Isolde Charim
Endlich mal wieder ein Artikel, der in so einer kürze, so Vieles probiert zu erklären.
Vielen Dank dafür und mehr davon. Wir brauchen solche Köpfe!!!!
18.06.2009 21:34 Uhr
von Rüdiger Kalupner:
Ohne Steuerungssystemtheorie des Evolutionsprozesses, deren Erkenntnisschritte lt. Chaosphysik immer in einer bislang unbekannte gniepunktpolitischen Praxis mündet, muß man wohl die geistigen Vorläufer einer solchen Evolutionsprozess-Theorie so sehen, wie es Habermas gesagt und getan hat: "... 'die Substanz der eigenen großen Traditionen auf dem einzig möglichen Wege - durch die unerbittliche Kritik an deren Entstellung' zu retten." Doch m i t einer solchen praxisfreundlichen Theoriegrundlage wird aus den großen Traditionen ein wunderbares, weltrevolutionäres Exodus-, Übergangs- und Fortschrittprojekt ins Reich des KREATIVEN und der Freien werden. Konkrete Innovationen und konkrete, selbstdurchsetzende Steuerungssystem-Alternativen zum herrschenden Wachstumszwang-Regime der Kapitalstockmaximierer sind das evolutionsprozess-logische Ergebnis solcher Universaltheorie. Die Inkompetenz der zuständigen Wissenschaften in der gegenwärtigen 6%-Wachstumsabsturzkrise zeigt, dass den Vertretern von Philosophie, Ökonomie und Soziologie die rettende und widerständige Theoriegrundlage fehlt. Die aktuelle, vorrevolutionäre Phase hin auf eine Weltrevolution in die nachfolgende Ordnung-des-KREATIVEN des weltindustriellen Prozesses wird öffentlich als solche nicht wahrgenommen. Mit Folgen: noch tanzt das unerkannte Rumpelstilzchen an der Spitze des Ancien Regime. Von der geistesgeschichtlichen Synthese, die den Ordnungsübergang steuern und tragen wird, wird der Mainstream von Philosophie und Soziologie überrascht werden. Dieser evolutionsprozess-theoretische Erkenntnisstand muß und wird sich in der 6%-Wachstumsabsturzkrise des weltindustriellen Fortschrittsprozess bewähren - und zwar dominomächtig. Außerdem wird er einfach sein und elegant daherkommen? Dann werden viele Trümmerfrauen und -Männer nötig sein.
18.06.2009 18:18 Uhr
von Harald Wenk:
Foucault hat sich zustimmend zur kritischen Theorie und Habermas geäußert. Ebenso Deleuze/Guattari zu den Habermas Schüler Pendant Negt/Kluge, die jene benutzen. Ein herrschaftsfreier Diskurs lädt gerdezu zu einer Aufnahme der Konzeptionen und Analysen der Mikromachtpraktiken von Foucaultund dem Poststrukturalismus ein, die zeigen, wo er im Keim erstickt oder verbogen wird. Auch die Macht der systemischen Mächt kommt dort klar heraus.
Habermas Wendung zur Religion als "auf der religösen Seite taub" ist in der Erweiterung der Kommunikation auf diese Handlungen und Theorien, damit es eben wirklich sozialisiert und der kommunikativen zugänglich wird.
Die Vernunft ist allerdings doch von der objektiven Mathematik abgeleitet.
Nun, bei der Debatte um das "Nicht"autonomieubjekt geht es um die Feinanalysen der Subjektivierungen durch psychische Krisen, Zwänge, die Gefühlsbinndungen bei Übernahnme sozialer Praktiken und Diskurse.
Leider ist das Vertrauen in die Lebenswelt da wenig gerechtfertigt, die Sabotage der Autonomie und Freiheit geht viel weiter und tiefer bis in die Körper, als es bei einer sozilphiloshischen Perspektive des Individuums oft in den Blick kommt.
18.06.2009 17:46 Uhr
von Karl Kraus:
Kompliment für diesen Artikel. Erstaunlich, in welcher Kürze er so vieles auf den Punkt bringt. Wer so schreiben kann, sollte öfter zu Wort kommen. So könnte man immer mal wieder das Niveau von Zeitungen enorm heben und auch diejenigen beglücken, die tiefer über unser gemeinsames Leben ("die Gesellschaft" und ihre positiven Möglichkeiten) nachdenken als der Alltagsjournalismus. Herr Habermas ist einer der klügsten und realistischsten Utopisten, die ich kenne.
Vielen Dank, Frau Charim! Herzlichen Glückwunsch und meine Hochachtung, Herr Habermas!
18.06.2009 16:29 Uhr
von carpe diem:
Die taz überrascht auch nicht mehr. Der Artikel über Habermas zeigt nur auf, dass das Denken der taz-Redakteure sich seit 40 Jahren nicht verändert hat. Alles was auch nur den Anschein eines 68er erweckt und Habermas sowie die gesamte Frankfurter Schule war 68er, wird in den Himmel gehoben. Habermas war ein Schwafler, seine Aussagen sind das Papier nicht wert auf dem sie gedruckt worden sind. Und wenn die Leser der taz einmal einen guten Artikel über Habermas lesen wollen, sollten sie bei Focus nachsehen. Aber dann müssten sie erst ihre verkrusteten Denkstrukturen aufbrechen, damit sie verstehen, was dort geschrieben steht. Mit dem Artikel kann man sich auch lächerlich machen.
18.06.2009 15:03 Uhr
von lise:
Man kann angemessen über Habermas schreiben, ohne Luhmann zu denunzieren und den unsinnigen und heute überwundenen ideologischen Streit aus den 70ern zu reproduzieren. Weder die Systemtheorie - noch weniger Luhmann selbst - "bekämpft" das autonome Subjekt bzw. das, was damit bezeichnet sein soll. Im Gegenteil. Sie hat aber einen anderen Begriff, eingebunden in ein anderes Theoriesystem, für das menschliche Individuum: (autopoietisches) psychisches System (in Unterscheidung zu anderen sozialen Systemen). Nirgendwo wird übrigens dem Bezeichneten soviel "Autonomie" und "Eigenverantwortung" (hier in Gänsefüßchen, weil es sie in dieser Form in der Systemtheorie nicht geben kann) zugesprochen, wie gerade in der Theorie autopoietischer Systeme. Das beste Buch über Habermas hat Friedrich Tomberg geschrieben: "Habermas und der Marxismus", 2003.
18.06.2009 13:50 Uhr
von Roland:
Man, besser frau, kann auch Habermas prägnant und verständlich darstellen. Kompliment!
18.06.2009 13:05 Uhr
von mobai:
was für ein wunderbar lesbarer Artikel. Und das in der taz! :P
18.06.2009 11:27 Uhr
von hessebub:
Lieber Habermas'sche Fußnotenpolitik als das selbstverliebte Jargongewichse der Postmoderne. Aber die hat ja glücklicherweise außer bei manchen selbstkorrektur-resistenten Akademikern abgewirtschaftet. Herr H. dagegen ist relevanter denn je (in den USA und Asien weiß man das sogar besser als hier). Happy Birthday!
18.06.2009 10:37 Uhr
von hto:
"Nach Auschwitz galt es, den abgerissenen Faden wieder aufzunehmen, die besseren Traditionen zu retten."
Dieser Faden heißt Konfusion, der im Kreislauf / "Tanz um den heißen Brei" nun wieder seine stumpfsinnige Tradition von Kommunikationsmüll in materialistischer "Absicherung" reformiert aufgenommen hat - hierarchische Illusionen in gebildeter Suppenkaspermentalität auf Sündenbocksuche von "WER SOLL DAS BEZAHLEN?".
Die Menschheit braucht keine "besseren" / leichtfertig-kapitulativen Traditionen, sondern eindeutig wahrhaftig wirksame!!!
18.06.2009 10:19 Uhr
von Antonia Vorberg:
Einen Trümmer-M a n n hat's also nie gegeben...? Doch! Heinrich Böll und Hans Bender und die rückkehrenden Soldaten.
Ansonsten waren es fast alles Theoriemänner. Ist schon eine NSDAP-Karteikarte vom dialektischen H. aufgetaucht? - Oder war er zu alt/zu jung/zu unmusikalisch/zu fronthelferisch/zu un-joachim-festisch?
Leserkommentare
21.06.2009 20:11 Uhr
von Franke:
Endlich mal wieder ein Artikel, der in so einer kürze, so Vieles probiert zu erklären.
Vielen Dank dafür und mehr davon.
Wir brauchen solche Köpfe!!!!
18.06.2009 21:34 Uhr
von Rüdiger Kalupner:
Ohne Steuerungssystemtheorie des Evolutionsprozesses, deren Erkenntnisschritte lt. Chaosphysik immer in einer bislang unbekannte gniepunktpolitischen Praxis mündet, muß man wohl die geistigen Vorläufer einer solchen Evolutionsprozess-Theorie so sehen, wie es Habermas gesagt und getan hat: "... 'die Substanz der eigenen großen Traditionen auf dem einzig möglichen Wege - durch die unerbittliche Kritik an deren Entstellung' zu retten." Doch m i t einer solchen praxisfreundlichen Theoriegrundlage wird aus den großen Traditionen ein wunderbares, weltrevolutionäres Exodus-, Übergangs- und Fortschrittprojekt ins Reich des KREATIVEN und der Freien werden. Konkrete Innovationen und konkrete, selbstdurchsetzende Steuerungssystem-Alternativen zum herrschenden Wachstumszwang-Regime der Kapitalstockmaximierer sind das evolutionsprozess-logische Ergebnis solcher Universaltheorie. Die Inkompetenz der zuständigen Wissenschaften in der gegenwärtigen 6%-Wachstumsabsturzkrise zeigt, dass den Vertretern von Philosophie, Ökonomie und Soziologie die rettende und widerständige Theoriegrundlage fehlt. Die aktuelle, vorrevolutionäre Phase hin auf eine Weltrevolution in die nachfolgende Ordnung-des-KREATIVEN des weltindustriellen Prozesses wird öffentlich als solche nicht wahrgenommen. Mit Folgen: noch tanzt das unerkannte Rumpelstilzchen an der Spitze des Ancien Regime. Von der geistesgeschichtlichen Synthese, die den Ordnungsübergang steuern und tragen wird, wird der Mainstream von Philosophie und Soziologie überrascht werden. Dieser evolutionsprozess-theoretische Erkenntnisstand muß und wird sich in der 6%-Wachstumsabsturzkrise des weltindustriellen Fortschrittsprozess bewähren - und zwar dominomächtig. Außerdem wird er einfach sein und elegant daherkommen? Dann werden viele Trümmerfrauen und -Männer nötig sein.
18.06.2009 18:18 Uhr
von Harald Wenk:
Foucault hat sich zustimmend zur kritischen Theorie und Habermas geäußert. Ebenso Deleuze/Guattari zu den Habermas Schüler Pendant Negt/Kluge, die jene benutzen.
Ein herrschaftsfreier Diskurs lädt gerdezu zu einer Aufnahme der Konzeptionen und Analysen der Mikromachtpraktiken von Foucaultund dem Poststrukturalismus ein, die zeigen, wo er im Keim erstickt oder verbogen wird.
Auch die Macht der systemischen Mächt kommt dort klar heraus.
Habermas Wendung zur Religion als "auf der religösen Seite taub" ist in der Erweiterung der Kommunikation auf diese Handlungen und Theorien,
damit es eben wirklich sozialisiert und der kommunikativen zugänglich wird.
Die Vernunft ist allerdings doch von der objektiven Mathematik abgeleitet.
Nun, bei der Debatte um das "Nicht"autonomieubjekt geht es um die Feinanalysen der Subjektivierungen durch psychische Krisen, Zwänge, die Gefühlsbinndungen bei Übernahnme sozialer Praktiken und Diskurse.
Leider ist das Vertrauen in die Lebenswelt da
wenig gerechtfertigt, die Sabotage der Autonomie und Freiheit geht viel weiter und tiefer bis in die Körper, als es bei einer sozilphiloshischen Perspektive des Individuums oft in den Blick kommt.
18.06.2009 17:46 Uhr
von Karl Kraus:
Kompliment für diesen Artikel. Erstaunlich, in welcher Kürze er so vieles auf den Punkt bringt. Wer so schreiben kann, sollte öfter zu Wort kommen. So könnte man immer mal wieder das Niveau von Zeitungen enorm heben und auch diejenigen beglücken, die tiefer über unser gemeinsames Leben ("die Gesellschaft" und ihre positiven Möglichkeiten) nachdenken als der Alltagsjournalismus. Herr Habermas ist einer der klügsten und realistischsten Utopisten, die ich kenne.
Vielen Dank, Frau Charim!
Herzlichen Glückwunsch und meine Hochachtung, Herr Habermas!
18.06.2009 16:29 Uhr
von carpe diem:
Die taz überrascht auch nicht mehr. Der Artikel über Habermas zeigt nur auf, dass das Denken der taz-Redakteure sich seit 40 Jahren nicht verändert hat. Alles was auch nur den Anschein eines 68er erweckt und Habermas sowie die gesamte Frankfurter Schule war 68er, wird in den Himmel gehoben. Habermas war ein Schwafler, seine Aussagen sind das Papier nicht wert auf dem sie gedruckt worden sind. Und wenn die Leser der taz einmal einen guten Artikel über Habermas lesen wollen, sollten sie bei Focus nachsehen. Aber dann müssten sie erst ihre verkrusteten Denkstrukturen aufbrechen, damit sie verstehen, was dort geschrieben steht. Mit dem Artikel kann man sich auch lächerlich machen.
18.06.2009 15:03 Uhr
von lise:
Man kann angemessen über Habermas schreiben, ohne Luhmann zu denunzieren und den unsinnigen und heute überwundenen ideologischen Streit aus den 70ern zu reproduzieren. Weder die Systemtheorie - noch weniger Luhmann selbst - "bekämpft" das autonome Subjekt bzw. das, was damit bezeichnet sein soll. Im Gegenteil. Sie hat aber einen anderen Begriff, eingebunden in ein anderes Theoriesystem, für das menschliche Individuum: (autopoietisches) psychisches System (in Unterscheidung zu anderen sozialen Systemen). Nirgendwo wird übrigens dem Bezeichneten soviel "Autonomie" und "Eigenverantwortung" (hier in Gänsefüßchen, weil es sie in dieser Form in der Systemtheorie nicht geben kann) zugesprochen, wie gerade in der Theorie autopoietischer Systeme.
Das beste Buch über Habermas hat Friedrich Tomberg geschrieben: "Habermas und der Marxismus", 2003.
18.06.2009 13:50 Uhr
von Roland:
Man, besser frau, kann auch Habermas prägnant und verständlich darstellen. Kompliment!
18.06.2009 13:05 Uhr
von mobai:
was für ein wunderbar lesbarer Artikel. Und das in der taz! :P
18.06.2009 11:27 Uhr
von hessebub:
Lieber Habermas'sche Fußnotenpolitik als das selbstverliebte Jargongewichse der Postmoderne. Aber die hat ja glücklicherweise außer bei manchen selbstkorrektur-resistenten Akademikern abgewirtschaftet. Herr H. dagegen ist relevanter denn je (in den USA und Asien weiß man das sogar besser als hier). Happy Birthday!
18.06.2009 10:37 Uhr
von hto:
"Nach Auschwitz galt es, den abgerissenen Faden wieder aufzunehmen, die besseren Traditionen zu retten."
Dieser Faden heißt Konfusion, der im Kreislauf / "Tanz um den heißen Brei" nun wieder seine stumpfsinnige Tradition von Kommunikationsmüll in materialistischer "Absicherung" reformiert aufgenommen hat - hierarchische Illusionen in gebildeter Suppenkaspermentalität auf Sündenbocksuche von "WER SOLL DAS BEZAHLEN?".
Die Menschheit braucht keine "besseren" / leichtfertig-kapitulativen Traditionen, sondern eindeutig wahrhaftig wirksame!!!
18.06.2009 10:19 Uhr
von Antonia Vorberg:
Einen Trümmer-M a n n hat's also nie gegeben...?
Doch! Heinrich Böll und Hans Bender und die rückkehrenden Soldaten.
Ansonsten waren es fast alles Theoriemänner.
Ist schon eine NSDAP-Karteikarte vom dialektischen H. aufgetaucht? - Oder war er zu alt/zu jung/zu unmusikalisch/zu fronthelferisch/zu un-joachim-festisch?