HOFFEN: Frau Barbiers Kampf
Seit anderthalb Jahren ist der Bremerhavener Dirigent Rodolfo Cázares entführt. Mehr als 42.000 Menschen unterstützen seine Frau Ludivine online bei der Suche.
Ludivine Barbier-Cázares lebt mitten in Europa eine Art Kriegszeiten-Leben: Bremerhaven, den Ort, wo sie normalerweise wohnen würde, hat die 33-Jährige Hals über Kopf verlassen. Ob sie Witwe ist, weiß sie nicht, nicht mal, ob sie’s jemals erfährt: Ihr Mann, der Dirigent Rodolfo Cázares ist in seiner Heimat von einem Drogenkartell verschleppt worden. Im Sommer 2011 hat sie zuletzt mit ihm gesprochen. Seither kein Lebenszeichen. „Es ist schrecklich, nichts zu wissen“, sagt sie.
Die Übersetzerin ist bei ihren Eltern im Val d’Isère eingezogen. Von dort aus führt sie ihre Kampagne, mit Unterstützung von Musikerfreunden: In Wien, wo ihr Mann studiert hatte, gab’s Anfang Oktober ein großes Soli-Konzert. In Berlin, wo er nie gearbeitet hat, ist eins geplant. Radio France Culture hat über ihn berichtet und 42.242 Menschen haben online dafür unterzeichnet, dass die Politik auf den Fall aufmerksam wird.
„Ich habe auch François Hollande geschrieben“, sagt Barbier. In anderen Fällen hat sich Frankreich erfolgreich in Mexikos Justiz eingemischt: So rollte das Oberste Gericht den Fall Florence Cassé wieder auf, die 2005 zu 90 Jahren Haft verurteilt wurde – zu Unrecht, glaubt ganz Frankreich. Möglich, dass Hollande beim Treffen mit dem mexikanischen Präsidenten Enrique Peña Nieto den Fall Cázares erwähnt. Es gäbe Anknüpfungspunkte: Der Regional-Chef des Golf-Kartells, Rafael Velez, ist in Haft. Und der Pate dieses Clans hatte ihn der Cázares-Entführung bezichtigt. Das wäre doch eine Spur.
Wahrscheinlich sollte ein entfernter Verwandter gekidnappt werden. Einmal bemerkt, hat die Verwechslung Cázares’ Wert für die Entführer wohl ähnlich sinken lassen wie für die Bremerhavener Intendanz: Weil er aus dem Urlaub nicht zurückkam, feuerte sie den Kapellmeister. Ein Benefizkonzert „ist nicht geplant“, informiert die Sprecherin, schließlich lebe seine Frau „nicht mehr hier“. Und nicht mal die Online-Kampagne hat Theaterchef Ulrich Mokrusch signiert.
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