Die satirische Überzeichnung eines Nespresso-Werbespots setzt den weltweit bekannten Werbeträger gehörig unter Druck. Nun will auch Clooney fair gehandelten Kaffee.von Andreas Zumach

Interessiert ihn jetzt doch - die Bohne: George Clooney möchte keinen Kaffee aus Kinderhänden. Bild: reu
GENF taz | Serge Kaspar, Verkäufer in einem Zürcher Gebrauchtwarenladen, ist ein Star. Zumindest in seiner Rolle als perfektes Double von George Clooney, bestbezahlter Hollywood-Schauspieler und - bislang noch - weltweit wichtigster Werbeträger für Nespresso-Kaffeekapseln.
Bereits über eine Million Menschen haben seit Ende August den bei YouTube geschalteten satirischen Werbespot gesehen, in dem ein herabfallendes Nespresso-Werbeschild Clooney unter sich begräbt. Dazu tönt eine Stimme aus dem Off: "Sorry, George, so fühlt es sich an, wenn man als Kaffeepflücker ausgebeutet wird. Nespresso ist einer der teuersten Kaffees der Welt, wird aber leider immer noch nicht fair gehandelt. George Clooney könnte das ändern. Schreiben Sie ihm eine E-Mail: Entweder fair gehandelter Kaffee oder kein George Clooney mehr in den Nespresso-Werbespots".
Dieser Aufforderung folgten inzwischen fast 20.000 Menschen. Produziert wurde der Werbespot von dem international ausgerichteten Schweizer Arbeiterhilfswerk "Solidar Suisse". Nach den Recherchen der Organisation werden die ArbeiterInnen auf den Plantagen, von denen der weltgrößte Nahrungsmittelkonzenr Nestlé den Kaffee für die Nespresso-Kapseln bezieht, ausgebeutet.
Zudem würden unter 14-jährige Kinder bei der Kaffeebohnenernte eingesetzt. Nestlé verstoße damit eindeutig gegen die Kinderrechtskonvention und andere Menschenrechtsbestimmungen, auf deren Einhaltung sich der Konzern als Partner des "Global Compact" mit der UNO ausdrücklich verpflichtet hat. Auf kritische Nachfragen nach seinem Werbeengagement für Nespresso reagierte der so souveräne (echte) Clooney bei einer Pressekonferenz erstaunlich gereizt: "Das ist eine dumme Frage", schnauzte er die Journalisten an und schaltete das Mikrofon ab.
Doch der von "Solidar Suise" mit dem YouTube-Spot ausgelöste öffentliche Druck hat bei dem Hollywoodstar offensichtlich ein Umdenken bewirkt. Nach Informationen aus der Nestlé-Zentrale in Vevey am Genfer See will Clooney seinen demnächst auslaufenden Werbevertrag für die Nespresso-Kapseln nur verlängern, wenn Nestlé ihm sowie gegenüber "Solidar Suisse" nachweist, dass die Arbeiter auf den Kaffeeplantagen nach den Kriterien des fairen Handels bezahlt und keine Kinder unter 18 Jahren beschäftigt werden.
Serge Kaspar will sich zu diesem politischen Erfolg seines YouTube-Auftritts nicht äußern. Er wird inzwischen überhäuft von Angeboten, als Clooney-Double aufzutreten, und könnte längst full-time als Model sein Geld verdienen. Doch Kaspar "will auf dem Boden bleiben", wie er beteuert, und seinen Verkäuferjob in dem Zürcher Gebrauchtwarenladen nicht aufgeben. Zu seiner täglichen Arbeit gehört dort auch das Kaffeekochen - allerdings nicht an einer Nespresso-Maschine.
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Leserkommentare
04.11.2011 03:06 | Fred
Ihren KommentarJa wirklich gut! Ich hoffe Nestle denkt endlich um. ...
03.11.2011 01:22 | mela
@ elke sommer ...
02.11.2011 10:59 | elke sommer
an meine lieben vorkommentatoren. ...