Die Abschiebung einer ersten Gruppe von Roma aus Frankreich löst in Rumänien verhaltene Reaktionen aus. Kritiker werfen der Regierung Gleichgültigkeit vor. von WILLIAM TOTOK

Eine Frau mit Kind am Saint-Exupéry Flughafen in Lyon, kurz vor dem unfreiwilligen Abflug nach Bukarest. Bild: ap
BERLIN taz | In Bukarest wird die Abschiebung von Roma aus Frankreich nach Rumänien mit Befremden aufgenommen. Das Romaproblem könne nicht in 48 Stunden gelöst werden und auch nicht mit "Polizeimethoden", sagte Außenminister Teodor Baconschi dem französischen Rundfunksender Radio France Internationale (RFI). Zudem löse das hastige Vorgehen der französischen Regierung ausländerfeindliche Reaktionen aus. Wenn man ganze Volksgruppen stigmatisiere, fügte der Außenminister hinzu, wecke dies "Erinnerungen der unangenehmsten Art".
Auch die Vorsitzende des Abgeordnetenhauses, Roberta Anastase, kritisierte die Zwangsrepatriierungen. Das Romaproblem sei kein rumänisches oder französisches Problem, sondern ein europäisches. Deshalb müsse es Lösungsvorschläge auf europäischer Ebene geben, sagte sie gegenüber RFI. In der kommenden Woche werden zwei rumänische Staatssekretäre in Paris erwartet, die das Thema der Abschiebungen und möglicher Wiedereingliederung der Roma mit den französischen Behörden erörtern sollen.
Der Vorsitzende des rumänischen Oberhauses (Senat), Mircea Geoana, hingegen kritisierte insbesondere die "blassen und unglaubwürdigen" Reaktionen seitens der rumänischen Regierung. Man hätte einen Krisenstab einrichten und sofort einen Dialog zwischen den zuständigen französischen und rumänischen Behörden einleiten müssen. Die Rückführung sei nur eine oberflächliche Lösung des Problems. Der Oppositionspolitiker und frühere Außenminister erinnerte auch an die Pflicht der rumänischen Behörden, sich überzeugender in dieser "heiklen Frage" zu engagieren.
Die verhaltenen Reaktionen der rumänischen Behörden, die erst in den letzten Tagen einen Regierungsbeauftragten ernannten, der sich um die Heimkehrer kümmern sollte, wurden auch von verschiedenen Romaorganisationen als Zeichen der Gleichgültigkeit gewertet. Die Roma fühlen sich nach wie vor in Rumänien diskriminiert, ebenso in Frankreich oder in anderen europäischen Ländern, erklärte Letitia Mark von der Vereinigung der Romafrauen aus Temeswar gegenüber einer Bukarester Zeitung. "Der einzige Unterschied besteht im Ausmaß der Armut, die in Rumänien höher als anderswo ist.
Noch drastischer äußert sich der Romaaktivist Ciprian Necula von der Organisation Romano Butiq, der ausgerechnet hatte, wie viel Geld der rumänische Staat zur Unterstützung der Roma ausgibt. Danach entfällt auf eine Kuh eine 10-mal höhere Summe als auf einen Roma.
Mit dieser überspitzten Kalkulation wollte er auf die Lage der zwei bis drei Millionen Roma aufmerksam machen, die schätzungsweise in Rumänien leben. Die meisten sind bettelarm. Für viele ist der Weg in den Westen die einzige Hoffnung, einer schier aussichtslosen Lage zu entkommen.
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Leserkommentare
22.08.2010 02:44 | karin bryant
Fragt doch mal die Spanier.Die haben naehmlich den Roma Haeuser zur Verfuegung gestellt damit sie aus ihren Huetten rauskom ...
20.08.2010 15:09 | karin bryant
....wenn die rumaenische Regierung so interessiert ist wenn es um die Roma geht dann soll sie die Leute besser behandeln. ...
20.08.2010 14:51 | paramisa
@verlogenes gerede ...