Der Gorlebener Salzstock bleibt der Knackpunkt bei der Endlagersuche. Die Grünen sind uneins darüber, wie weiter verfahren werden kann.von Malte Kreutzfeldt

Auch der Protest in Gorleben kann strahlen. Bild: dapd
BERLIN taz | Eigentlich könnten sich die Grünen freuen: Mit dem "Neustart" der Suche nach einem Atommüll-Endlager, auf den sich Bund und Länder im Herbst geeinigt haben, wird eine alte Forderung der Partei umgesetzt, die stets die einseitige Konzentration auf den Standort Gorleben kritisiert hatte.
Doch viel Freude macht der Prozess den Grünen bisher nicht. Denn die Landesminister, die die Partei bei den Gesprächen mit dem Bund vertreten, haben schnell zugestimmt, dass Gorleben bei der neuen Suche als mögliches Endlager im Spiel bleibt.
Das hat nicht nur Umweltverbände wie Greenpeace erbost, die den Grünen vorwarfen, "feige" zu sein und "aus machtpolitischem Kalkül" nicht auf den "nachweislich geologisch ungeeigneten" Salzstock verzichten zu wollen. Auch innerhalb der Partei brach offener Streit über die Haltung zu Gorleben aus.
Niedersächsische Spitzengrüne wie der Vorsitzende der Landtagsfraktion Stefan Wenzel und die EU-Fraktionsvorsitzende Rebecca Harms kritisieren es als "unseriös", dass ihre eigenen Parteifreunde die erwiesenen Mängel von Gorleben "tabuisierten"; der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller wies diese Kritik als "Befindlichkeiten" aus Niedersachsen zurück.
Während die Grünen nun als Kompromisslinie darauf setzen, dass Gorleben zwar nicht von vornherein ausgeschlossen wird, aber gleich zu Beginn des Suchverfahrens anhand von geologischen Kriterien ausscheidet, gibt es innerhalb von Union und FDP Bestrebungen, dass der umstrittene Salzstock in Niedersachsen auf jeden Fall zu den zwei bis drei Standorten gehört, zwischen denen nach einer untertägigen Erkundung am Ende die Entscheidung über das Endlager fällt. Die SPD wiederum hat auf ihrem letzten Parteitag beschlossen, Gorleben bei der neuen Endlagersuche komplett auszuschließen.
Im Gesetzentwurf, den Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) in der vergangenen Woche vorgelegt hat, wird die Frage Gorleben offengelassen; die entsprechenden Absätze stehen in eckigen Klammern, was bedeutet, dass sie noch strittig sind. Die Formulierung, die Auswahl der Standorte zur untertägigen Erkundung erfolge "ggf. zusätzlich zu dem Salzstock Gorleben", legt jedoch nahe, dass der Standort möglichst bis zum Schluss im Rennen bleiben soll.
Bund und Länder streben eine Einigung auf das Endlagersuchgesetz bis zur Sommerpause an. Ob das gelingt, wird vor allem davon abhängen, ob es eine Einigung über den weiteren Umgang mit Gorleben gibt. Der nächste Versuch dazu wird bei einem Bund-Länder-Gipfel am 9. Februar unternommen.
Die Wahrscheinlichkeit eines Atomunfalls ist 200-mal höher als bislang angenommen. Weltweit am meisten gefährdet ist der Südwesten Deutschlands. von Kai Schöneberg

Die Arbeit der UN zu Umwelt und Nachhaltigkeit soll mehr Raum bekommen – das fordern fast alle Staaten und Aktivisten. Doch nationale Interessen verhindern vieles. von Andreas Zumach

Der Live-Ticker zum Castortransport 2011 zum Nachlesen auf taz.de.
Zur Bilderstrecke "Castortransport 2011".
Am 30. Mai 2011 hat die schwarz-gelbe Koalition ihren Atomkurs radikal verändert. Bis dahin galt der Ausstieg aus dem rot-grünen Atomausstieg, die deutschen AKW sollten bis nach 2030 laufen - also im Schnitt zwölf Jahre länger als mit dem rot-grünen Atomkonsens.
Nun heißt es: Die acht ältesten deutschen AKW bleiben abgeschaltet, die restlichen laufen zum großen Teil bis 2021 oder 2022 weiter. Nach der Atomkatastrophe in Fukushima kippte die Stimmung auch unter den Unionswählern gegen die Atomkraft, die wichtige Wahl in Baden-Württemberg ging für Merkel verloren.
Deshalb nun die Umkehr. Im Eiltempo werden nun Atomgesetz und andere Energiegesetze umgeschrieben. Auch das Genehmigungsrecht für Stromleitungen soll vereinfacht werden. Das Eiltempo soll alle überrumpeln: die Energiekonzerne und ihre Abgeordnetenfreunde ebenso wie die Anti-Atom-Bewegung und die Regierungen der Bundesländer.
Wie die Anti-Atom-Bewegung reagiert; wie das Energiesparen bei Elektrogeräten, der Industrie und den Gebäuden berücksichtigt wird, was auf Mieter und Hausbesitzer zukommt; wie der Verbraucher sich für die Energiewende motiviert - die taz berichtet in diesem Schwerpunkt darüber.
Echte Stars, begeisterte Fans, prima Shopping-Tipps - wir freuen uns auf die Fußball-Europameisterschaft.

Starre Rituale, öde Debatten, ein Haus der Langeweile? Nicht in der Ukraine! Hier werden Parlamentsdebatten noch mit Leidenschaft, Herzblut und handfesten Argumenten geführt!

Weltraumtouristen, Satelliten und Versorgungsflüge zur ISS – die Raumfahrt wird privatisiert und kommerzialisiert.

Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare