• 26.10.2009

Der Philosoph Peter Sloterdijk rebelliert neuerdings gegen den "Zwangssteuerstaat". Mit seinem "bürgerlichen Manifest" liefert er der FDP-Klientel philosophische Girlanden.

Blasen zu Phrasen

KOMMENTARvon Rudolf Walther

  • 27.10.2009 18:53 Uhr

    von Ede Fowler:

    Sloterdijk mutiert zum Mietmaul. Daß er das nötig hat, erstaunt mich tatsächlich.
    Sah ich ihn bisher eher zwischen den polen 'genialer zeitgenössischer Denker' und 'Schwätzer und Abschreiber' hin und her dümpeln, verkommt er offensichtlich unter dem Druck umfassender Ökonomisierung aller Lebensbereiche zum neoliberalen Stichwortgeber.
    Das letzte 'Philosophische Quartett' bekam auch nur durch Heinsohns Megakrise einen spannenden Touch.
    Wer braucht noch Sloterdijk? Guido und Angie etwa? Damit er als verbaler Wegbereiter des Neofeudalismus Leistung zeigt? Populistische Bauernfängerei oder Ethik bildende Philosophie des dritten Milleniums?

  • 27.10.2009 15:54 Uhr

    von Tobi:

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    Daß es Herr Walther für "hochgradig ungerecht" hält, daß indirekte Steuern jeden Bürger gleich treffen, mithin der eine Bürger für seinen Konsum in bestimmter Höhe den gleichen Steuerbetrag zahlt wie der andere Bürger für seinen Konsum in ebensolcher Höhe, hat mir fast den Fruchtgummi aus dem Mund gesprengt. Was ist denn daran ungerecht? Ist es etwa gerecht, wenn der Staat demjenigen mit niedrigem Einkommen (sprich also mit niedrigerer Qualifikation, kürzerer Berufserfahrung, geringerer Verantwortung usw.) durch Differenzierung von indirekten Steuern den gleichen Konsum ermöglicht wie demjenigen mit höherem Einkommen? Eine solche unsinnige Gleichmacherei wollten noch nicht einmal die Kommunisten.

    Jeder Bürger müßte im übrigen ja eine Einstufung erhalten, welcher Preis der Güter ihm nach seinem Einkommen berechnet werden kann: Herr Walther möchte offenbar die Errungenschaften der Französischen Revolution abschaffen; ade égalité!

  • 27.10.2009 15:21 Uhr

    von Leser:

    @"Matthias"

    Ihr Leserkommentar zum Kommentar von Rudolf Walther ist im Gegensatz zu letzterem nahezu belanglos. Während Walther die Schwachstellen und Paradoxien in Sloterdijks Argumentation durchaus überzeugend zusammenfasst, generieren Sie mit Ihrem kritisch gemeinten Hinweis, dass "Brechstangenpolemik und selbstverliebte Wortspielerei" an sich noch keine effektive Kritik leisteten, einen performativen Widerspruch. Das ist ungenügend!

  • 27.10.2009 14:33 Uhr

    von hto:

    Das größte Problem dieser Zeitgenossen aus Politik und "Geisteswissenschaften", die der gewohnten / automatisierten Überproduktion an systemrationalem Kommunikationsmüll den Stoff für Zynismus und ... liefern: sie werden stets gern zitiert und man bereitet ihnen diverse Plattformen für Stumpf-, Blöd- und Wahnsinn - der zeitgeistliche Kreislauf des geistigen Stillstandes seit der "Vertreibung aus dem Paradies", in gebildeter Suppenkaspermentalität auf Sündenbocksuche von "Wer soll das bezahlen?".

  • 27.10.2009 12:17 Uhr

    von El Faborero:

    Ein großes Amüsement: Zehn Daumen hoch!

  • 27.10.2009 11:49 Uhr

    von Martin:

    Ungeachtet der gerechtfertigten und weitestgehend gut argumentierten Kritik an Sloterdijks Thesen und der Art ihrer Darbringung,scheint beim Author des Artikels auch eine gewisse Unklarheit zu herrschen, was den Begriff der "Gerechtigkeit" angeht.

    So schreibt er: "Indirekte Steuern belasten aber alle Bürger gleich, also hochgradig ungerecht: die Unteren zahlen, gemessen an ihrem Einkommen, überproportional viel. "

    Der Author setzt anscheinend zumindest unterbewußt Gerechtigkeit mit Gleichverteilung gleich. Das ist falsch. Es gibt nur einen einzigen Sonderfall, in dem eine Gleichverteilung implizit als "gerecht" angesehen werden kann (egal ob es um positives oder negatives geht). Dies ist der Fall, wenn keiner der Beteiligten irgendeine Beziehung zum Verteilten hat. In den allermeisten anderen Fällen, ist Gleichverteilung nicht gleich Gerechtigkeit gleichzusetzen.

    Diese Verwirrung zeigt sich auch an seiner Kritik dieser Aussage: "und kritisiert die folgende Aussage: ... dass jeder verdient, was er verdient. Das ist Gerechtigkeit"."

    Tatsächlich wäre genau dies Gerechtigkeit. Würde dies ergänzt durch eine entsprechende Gleichverteilung von allem, was in absolut keiner Beziehung zu irgendeinem der Beteiligten steht, wäre das sogar vollkommende Gerechtigkeit.

    Abweichungen davon sind aus sozialen und emotionalen Gründen gerechtfertigt und gewünscht, mit "Gerechtigkeit" hat das aber absolut nichts zu tun.

    Man sollte Begriffe und Bedeutungen klar verwenden und nicht beliebig umdefinieren und vermischen.

  • 27.10.2009 10:21 Uhr

    von Rolf:

    Sloterdijk ist ein Quatschkopf keine Frage.
    Wenn Philosophen über Steuern rede, gehts in Richtung Metaphysik, aber lassen wir mal die Kirche im Dorf. Auch ohne ein Neoliberaler zu sein, ist doch klar, die steuerliche Belastung der normalen Arbeitnehmer ist unzumutbar geworden: direkte, indirekte Steuern, Gebühren, Sozialabgaben ... In Warheit war der hochgelobte Steinbrück der Grund für den Absturz der SPD. Er sagte Steuern müssen wegen der Krise erhöht werden. Was er von den Bürgern forderte, war Einsicht in die Notwendigkeit sich noch mehr wegnehmen zu lassen, während Banker sich wieder die Taschen fühlen. Dann lieber nach uns die Sinnflut. Diese Ungerechtigkeitgefühl begreift werder Steinbrück noch der Autor hier.


  • 26.10.2009 20:55 Uhr

    von Matthias:

    Die Überschrift "Blasen zu Phrasen" passt vorzüglich zum Inhalt des Kapitels. Diese ad hominem-Suada ist irgendwo zwischen Brechstangenpolemik und selbstverliebter Wortspielerei eingeschlafen. Sloterdijk bietet reichlich Angriffspunkte, aber mit "Beamter!" "neoliberal!" "Markt!" schreien ist doch noch keine effektive Kritik geleistet.

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