Keine Investoren? Lass' es von der Crowd bezahlen! Tim Schafer fand niemanden, der sein neues Spiel finanzieren wollte. Jetzt hat er im Netz jede Menge Geld bekommen.von Katalina Präkelt

Keiner weiß, worum es in Schafers neuem Spiel überhaupt gehen soll. Bild: screenshot:doublefine.com
BERLIN taz | Am Computer schwierige Rätsel lösen, knifflige Geheimnisse erforschen und verschwundene Gegenstände suchen? Während Grafikadventures in Deutschland noch großen Anklang finden, gelten die Spiele in den USA als klinisch tot. Große Publisher unterstützen die Spielentwickler nicht mehr, neue Grafikadventures werden nicht mehr finanziert.
So erging es auch Tim Schafer und Ron Gilbert, Entwicklerlegenden und Macher von Monkey Island. 400.000 Dollar benötigten sie für ihr neues Spiel, Double Fine Adventure. Als sie unter den Publishern keine Geldgeber fanden, wandten sie sich an die Netzgemeinde und riefen zur Crowdfunding-Aktion auf.
Mit sensationellem Erfolg: Tausende Spendenwillige folgten Schafers Aufruf und spendeten innerhalb von 24 Stunden mehr als eine Million Dollar. Und das Projekt läuft weiter. Mittlerweile sind über 1,8 Millionen Dollar von über 50.000 Unterstützern eingegangen, Tendenz steigend.
Schon ab einem Dollar kann man Schafers und Gilberts Aktion unterstützen. Für 15 Dollar können Spendenwillige das Spiel – von dem zurzeit nur bekannt ist, dass es ein "oldschool adventure" wird – vorab kaufen, für 250 Dollar ein signiertes Poster. 10.000 Dollar sichern ein exklusives Mittagessen mit den Spieldesign-Koryphäen, wer noch mehr hinlegen will, kann sich sogar als Spiel-Character verewigen lassen.
"Die Spielewelt wird demokratisch" ließ Schafer nun euphorisch ob des Erfolgs auf seiner Website verlauten. Projekte wie Kickstarter würden Spieleentwicklern "die Freiheit geben, zu experimentieren und Risiken auf sich zu nehmen und völlig frei zu designen". Es sei ein "kreativer Luxus", den sich die meisten Studios nicht leisten könnten – "bis jetzt", laut Schafer. Glaubt man den Worten des Spieleentwicklers, ist Crowdfunding ein längerfristiger Trend der Spielfinanzierung.
"Crowdfunding ist eine demokratische Form der Kulturförderung", findet auch Anna Theil von startnext.de, einer deutschen Crowdfunding-Plattform, die nach dem amerikanischen Kickstarter-Modell fungiert. "Tim Schafer hat auf dem traditionellen Weg keine Geldgeber gefunden. Der Erfolg von Double Fine Adventures zeigt, wie sinnvoll das Crowdfunding-Modell ist, wenn man den Konsumenten direkt ansprechen und damit testen kann, ob ein Projekt Erfolg haben wird."
Dabei kommt der Erfolg eines Projekts nicht von ungefähr. Wer Erfolg haben will, muss gut vernetzt sein. "Crowdfunding basiert auf viraler Kommunikation. Unterstützer tragen ihre Zustimmung in sozialen Netzwerken weiter – und locken so neue Unterstützer an", so Theil.
Auch Matthias Finke von dtp entertainment, einem deutschen Publisher für Adventure-Games, macht ein Schneeballsystem für den Erfolg von Schafers Projekt verantwortlich, aber auch die Prominenz der Auftraggeber: "Das, was dort passiert ist, ist schon eine ziemliche Ausnahme". Ihn begeistert das Interesse, das den Spielentwicklern entgegengebracht wird. "Die Gamer sind nicht nur mit Herz und Seele, sondern auch mit ihrem Geld dabei. Das beweist, dass auch international noch Interesse für Grafikadventures da ist."
Einen neuen Trend zur Finanzierung neuer Spiele möchte er nicht bestätigen, "aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen." Einen Markt sieht er eher für kleine Projekte und Nischengenres mit starker Fanbasis. "Ansonsten ist der finanzielle Aufwand für ein gut produziertes Adventure doch zu groß". Und dadurch von der Crowd nicht zu stemmen.
Dass Bekanntheit und gute Community-Arbeit wichtig für eine erfolgreiche Aktion sind, lässt sich auch an Deutschlands prominestem Crowdfunding-Beispiel erkennen – Stromberg. Per Investition übers Internet durften sich die Fans des Bürohengstes an der Finanzierung eines Stromberg-Kinofilms beteiligen – allerdings werden Sie auch am Gewinn beteiligt, eine Ausnahme im Crowdfunding-Sektor.
Ansonsten sind die Projekte in Deutschland bislang eher klein ausgefallen. "Dass die gespendeten Summen kleiner sind, hat vor allem mit der Bekanntheit von Crowdfunding in Deutschland zu tun", behauptet Anna Theil von Startnext. Aber: "Die Unterstützungszahlen wachsen in Deutschland. Crowdfunding ist ein alternatives Finanzierungsmodell, das an Bedeutung gewinnt, da die digitale Vernetzung immer wichtiger wird und auch die Akzeptanz für Online-Bezahlsysteme zunimmt."
Ob sich Crowdfunding als alternative Finanziermethode auch in Deutschland durchsetzt, ist noch unklar. Immerhin ersetzt es traditionelle hierarchische Investitionsstrukturen und revolutioniert die klassische Marktforschung – an der Spendenwilligkeit der Crowd lässt sich absehen, ob ein Projekt überzeugt. Gleichzeitig bleibt als Vorraussetzung zur "demokratischen" Finanzierung der Spendenwille der Unterstützer – und die finanzielle Möglichkeit, zu spenden.
Es sei nicht einfach, über Crowdfunding einen Roman zu bezahlen, sagt Medienforscher Andreas Will. Vor allem unkommerzielle Projekte würden Crowdfunder anziehen.

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Zum Medienkongress 2011 von taz und Der Freitagam 8./9. April 2011 startete taz.de mit einer Kampagne für Freiwilliges Bezahlen unter dem Slogan "taz-zahl-ich".
Unser Ziel ist es, eine zweite Erlös-Säule neben unseren Einnahmen aus dem Verauf von Anzeigen zu errichten. Die Ziele der Kampagne erklärt Matthias Urbach, Leiter von taz.de in seinem Editorial. Alles weitere über die Kampagne finden Sie auf unserer Infoseite unter taz.de/taz-zahl-ich.
Begleitend zur Kampagne gehen wir den aktuellen Versuchen nach, im Internet Geld mit Content zu verdienen. Sei es durch freiwillige, aktivierende Modelle wie bei den neuen Crowdfunding-Plattformen, sei es per Social Payment über Flattr und Kachingle – oder durch die Versuche, per Paywall oder Premium Content auf dem iPhone die User zum Bezahlen zu bewegen.
Ein Highlight ist unser neues Blog der deutschen Crowdfunding-Szene. Unter dem Titel "Wir wollen wenig aber von Vielen" schreiben die MacherInnen mehrerer Crowdfunding-Websites über ihre Erfahrungen auf blogs.taz.de. Mit dabei sind Konrad Lauten (inkubato.com), David Holetzeck und David P. Heberling (pling.de), Joana Breidenbach und Dennis Buchmann (betterplace.org), Tino Kresser, Anna Theil, Alexandra Harzer und Anja Barth (startnext.de), Markus Zabel (mysherpas.com), Janine Scharf und Stephan Popp (visionbakery.de). Auch taz.de-Chef Matthias Urbach wird zum Blog beitragen.
Zu der Frage, wie man im Internet journalistische Inhalte finanzieren kann und zur Philosophie von taz.de hat Matthias Urbach, Leiter von taz.de am 23.2.2011 im Chat mit taz.de-Usern diskutiert. Hier das Gesprächsprotokoll (als pdf).
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Weltraumtouristen, Satelliten und Versorgungsflüge zur ISS – die Raumfahrt wird privatisiert und kommerzialisiert.

Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
18.02.2012 20:38 | Susi Samsen
Ja bitte mehr Adventures! Mehr Point und Klick !
17.02.2012 02:27 | Fish-fan
Bei dem Thema solte man die Vorreiter des Crowdfunding, Marillion, nicht vergessen: ...
16.02.2012 14:42 | Miesmacher
Naja, solche Konzepte bleiben leider so undemokratisch wie die Vermoegens- und Einkommensverteilung einer Gesellschaft. Sol ...