Die Berliner Zeitung wählt einen neuen Redaktionsausschuss. Kritiker fürchten eine Zentralredaktion - nicht nur für die eigenen vier Verlagstitel.von STEFFEN GRIMBERG

Ein starkes Haus? Berliner Verlag in Berlin. Bild: reuters
Die Berliner Zeitung wählt einen neuen Redaktionsausschuss. Offiziell, weil zwei der drei Mitglieder dieses Gremiums von den Plänen betroffen sind, die Politik- und Wirtschaftsberichterstattung von Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau (FR) in einer eigenen neuen Redaktions-GmbH zu fusionieren.
Tatsächlich fürchten Kritiker der Zusammenlegung, dass hier in Wahrheit viel mehr auf dem Spiel steht: die schleichende Einführung einer Zentralredaktion auch für alle anderen Titel der Verlagsgruppe (Kölner Stadtanzeiger, Mitteldeutsche Zeitung Halle/S.). Und damit der überwiegende Verlust der redaktionellen Eigenständigkeit nicht nur bei der mit hohen Verlusten kämpfenden FR, sondern auch in Berlin.
Darauf deuten auch Details im Handelsregistereintrag für die neue Redaktionsgemeinschaft GmbH hin. Dort heißt es, "Gegenstand" der Gesellschaft sei "die Lieferung und der Austausch von journalistischen Inhalten an Dritte, insbesondere an solche Dritte, an denen die Mediengruppe M. DuMont-Schauberg (…) beteiligt ist".
Die 25-köpfige neue Redaktionsgesellschaft hat mit Brigitte Fehrle (bislang Berliner Zeitung) auch eine eigene Chefredakteurin. Als strategischer Kopf hinter dem Konstrukt gilt Berliner-Zeitung-Chefredaktreur Uwe Vorkötter. "Wir haben nie an die Ansagen geglaubt, es ginge hier nur um Qualitätsverbesserung", heißt es in der Redaktion. Dies sei nun "aber etwas ganz anderes als die bisher präsentierte Version, hier werde gleichberechtigt zusammengearbeitet".
Was hatte Verlagspatriarch Alfred Neven DuMont doch gleich beim Neujahrsempfang seines Zeitungskonzerns verkündet? "Unsere Pläne haben Pioniercharakter" und: Die Zeiten, in denen ein großes, starkes Haus ein schwaches Glied mittrage, seien nun mal vorbei.
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