Das Porträt eines großen, getriebenen und vergessenen deutschen Kino-Enthusiasten: „Roland Klick – The Heart Is a Hungry Hunter“ von Sandra Prechtel.von Thomas Groh

Mario Adorf 1970 in „Deadlock“. Bild: Filmgalerie 451
Einmal, als er wild gestikulierend vom Filmemachen erzählt, vom Leben, das in die Filme schießt, da verlässt Roland Klick den sorgfältig scharf gezogenen Bereich des Bildes. Über 70 ist der Mann, doch auf eine Weise agil und mit einer inbrünstigen Leidenschaft gesegnet, als wäre er noch keine 30.
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Wenn er plötzlich loslacht – und Klick lacht viel –, dann reißt sein ganzes Gesicht auf, es funkelt ein Spott über die Absurditäten des Lebens darin, den sich gut leisten kann, wer stets Außenseiter gewesen und Held geblieben ist.
Roland Klick, ein Verschütteter der deutschen Filmgeschichte. Einer jener Regisseure, die im verlässlichen Turnus wiederentdeckt und wieder vergessen werden, denen man die Aufnahme in den offiziellen Pantheon auch ernsthaft gar nicht wünschen kann. Erst in den rumpeligen Programmkinos, in denen mehr Herzblut als Profitpotenzial steckt, sprüht Klicks Kino wirklich Funken, wenn dort in der Spätschiene sein psychedelischer, in der flirrenden Wüste Israels gedrehter Gangsterwestern „Deadlock“ (1970) oder sein trauriges Hamburger Kleinkriminellen-Märchen „Supermarkt“ (1974) läuft.
Wer je das Glück hatte, nach einer solchen Vorführung diesen „Filmjunkie“ (Selbstauskunft) live zu erleben, wie er erst im Schneidersitz, dann unter vollem Körpereinsatz von seinen Filmabenteuern erzählt, der bekommt mit Sandra Prechtels Interview-Porträt „Roland Klick – The Heart is a Hungry Hunter“ ein schönes Déjà-vu. „He’s a dreamer inside a Deutscher“, sagt darin der Schauspieler David Hess über Klick.
An einer anderen Stelle kommt es von Klick selbst: „Film heißt, die Dinge zum Sprechen zu bringen.“ In seinem Kurzfilm „Ludwig“ stößt ein blutjunger Otto Sander im fränkischen Kalkstein auf einen fossilen Ammoniten, den er um alles in der Welt verteidigt. In „Deadlock“ und „Supermarkt“ werden Geldscheine zu erotischen Objekten – und eine verkratzte Single zur letzten Hülse einer im Vagen bleibenden Liebesgeschichte. Bei Klick vergeuden sich die Menschen an die Dinge, an eine große, auch räumliche Leere, die Klick – wie er Prechtel mit ungebrochener Begeisterung erzählt – in Studentenjahren bei Antonioni zu lieben gelernt hat.
Dennoch zog es ihn in den späten sechziger Jahren nicht zur kristallinen Kunst des in Deutschland erblühenden Autorenfilms: Klick entschied sich für populäre Formen, die Authentizität der Straße – und wurde deshalb, so pflegt er jedenfalls die eigene Legende, geschnitten und ausgegrenzt. Eine spätere Zusammenarbeit mit Bernd Eichinger – Klick sollte „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ drehen – scheiterte an Meinungsverschiedenheiten während der Drehvorbereitungen: Während Klick mit seinem unbedingt physischen Begriff vom Kino den hautnahen Kontakt zu echten Junkiekids suchte, zog Eichinger brave Jugendliche aus Schauspielerkarteien vor.
Nicht auszudenken, was für ein Film uns da verloren gegangen ist! Anschließend stürzte sich Klick in den Punkfilm „White Star“, der wegen Dennis Hoppers Drogeneskapaden den Budgetrahmen massiv sprengte, dann an den Kassen unterging und schließlich sein Karriere-Aus zementierte.
Schlaglichter auf einen übergangenen Seitenarm der deutschen Filmgeschichte: Prechtels Film ist ein schöner Parcours, der sich Ästhetik und Habitus von Klicks Filmen glücklicherweise nicht anverwandelt. Ein Gewinn ist die Nähe, die Prechtel sucht – auch wenn man diese nur zu dem Preis bekommt, dass die Regisseurin ihrem Gegenstand erliegt. Vielleicht geht das nicht anders: Klick ist ein ansteckender Kinoenthusiast ohne Snoballüren, ein Getriebener seiner Träume. Einer, der sich, seinen Figuren nicht unähnlich, ganz und gar an eine Sache vergeudet.
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