Auf einer neuen Website werden Kundennamen und -adressen von einem rechten Versandhandel veröffentlicht. Sie zeigen, dass Netzwerke wie Blood & Honour weiter bestehen.von Andreas Speit

Anonymous will böse Buben bestrafen. Bild: Screenshot nazi-leaks.net
HAMBURG taz | Das Projekt ist neu. Die Methode nicht. Auf der Website Nazi-leaks.net finden sich aus dem Umfeld von NPD, "Blood & Honour" (B&H) und verschiedenen rechtsextremen Versandhandelsfirmen vollständige Namen, Adressen und Telefonnummern.
Mehrere E-Mail-Verkehre von mutmaßlichen Neonazis bis zum Ende des Jahres 2011 sind dort auch dokumentiert. In der rechtsextremen Szene dürfte das gestartete Outingportal zu größeren Verunsicherungen führen.
Auf der Startseite ist eine Zeichnung: Ein Herr mit Guy-Fawkes-Maske - weißes lächelndes Gesicht, schwarzer dünner Bart - der einen Bengel mit Hakenkreuzbinde am Arm über das Knie liegt, die Hand zum Klaps erhoben. Das Bild deutet es an: Das Portal stammt aus dem Umfeld der Netzaktivistengruppe Anonymous.
Die Aktion ist der Teil der "Operation Blitzkrieg", heißt es von den anonymen Betreibern. Unter dieser Losung hatte Anonymous seit mehreren Monaten dazu aufgerufen die Websites von rechtsextremen Organisationen anzugreifen. In den vergangenen Wochen und Tagen waren auch Projekte wie das rechte Internetportal DeutschlandEcho nicht mehr erreichbar und es kursierten Autorendaten der rechten Wochenzeitung Junge Freiheit.
Die Daten auf Nazi-leaks.net sind nach den Namen der Organisationen und Projekte sortiert. Beim "Odin-Versand" oder dem "Nationalen Versandhaus" steht beispielsweise eine Liste mit Kundennamen. "Diese Versandhandel gehören mit zu den bedeutenderen in der Szene", sagt Martin Langebach, Rechtsextremismusexperte von der Universität Düsseldorf.
Eine alte "Größe" ist "isdrecord" - der Name des Musikversandes erinnert an den verstorbenen Rechtsrockstar Ian Stuart Donaldson. Deutsche wie internationale Adressen finden sich beispielsweise bei "americannaziparty" und "bloodandhonour" (B&H). Die deutsche Sektion des internationalen B&H-Netzwerkes wurde im Jahr 2000 verboten, doch die Kontakte bestehen offenbar weiter, denn auch deutsche Namen sind angeführt. Von der in der Szene beliebten Modemarke "Erik & Sons" sind gleich hunderte Kundendaten einzusehen: Namen und Emailadressen.
In den vergangenen Jahren haben antifaschistische Initiativen immer wieder Neonazis geoutet. Flugblätter vor den Wohnungen verteilt, Informationen ins Netz gestellt. Die Aktionen betrafen vor allem Kader und Aktivisten aus der NPD oder den Kameradschaften. In der Öffentlichkeit sind Outings nicht unumstritten: Mancher Nachbar freute sich über die "Warnung", andere Anwohner schimpften über die "Steckbriefe".
Auf Nazi-leaks.net sind auch Daten und Informationen von früheren Hacks zu finden, die verschiedenen Redaktionen auch schon zugespielt wurden. So liegen hier auch E-Mails der NPD, die zu den über 60.000 internen Mails gehören, die im Februar 2011 an die taz verschickt wurden. Zudem findet sich eine Namensliste von NPD-Spenden. Die Liste stimmt mit einer älteren, bereits bekannt gewordenen Liste überein.
Dass nicht alle Daten für manche Redaktionen neu sind, dürfte die Betroffenen schon jetzt wenig beruhigen. Im Netz stehen nun ihre vollen Namen. Über hunderte Neonazis sind für alle öffentlich gemacht - inklusive Anschrift, Emailadresse und Telefonnummern.
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Leserkommentare
09.04.2012 12:58 | Duncan
Ich glaube, ein paar Leute hier übersehen das Wesentliche: Meinungsfreiheit ist eine sehr schöne Sache, aber die Freiheit d ...
26.02.2012 18:48 | Ein EU-Migrant
Hallo, stellt doch bitte diese angebliche Liste hier noch mal online. Dann können Betroffene sich immer noch dazu äußern. H ...
22.02.2012 19:15 | Alter Fritz
Bei allem was ihr tut ihr linken Schweine bedenket das Ende