piwik no script img

Kommentar Bildungs-ChipkarteAufwändiger Eingriff in das Leben

Gernot Knödler

Kommentar von

Gernot Knödler

Bildungschips sind der Ausdruck eines gängigen, zum Teil auf persönliche Erfahrung gestützten Misstrauens gegen Eltern, die Sozialhilfe beziehen.

D ie Idee, die zusätzliche Sozialhilfe für Kinder per "Bildungs-Chipkarte" in Form von Bildungsgutscheinen auszuzahlen, hat viele Pferdefüße. Bis zum 1. Januar werden diese wohl kaum wegzuzaubern sein.

Zum ersten ist die Idee der Ausdruck eines gängigen, zum Teil auf persönliche Erfahrung gestützten Misstrauens gegen Eltern, die Sozialhilfe beziehen. Doch was plausibel scheint: "Die können nicht mit Geld umgehen" - reicht nicht für einen bevormundenden Eingriff in das Leben der Betroffenen. Erst recht nicht, wenn das System auf einer eigenverantwortlichen Einteilung des Budgets beruht.

Zum zweiten würde eine Bildungs-Chipkarte einen hohen politischen, administrativen und wirtschaftlichen Aufwand erzeugen. Es wäre ein technisches System zu entwickeln; es müsste ausgekungelt werden, wer mit der Karte abrechnen darf: auch der Schüler, der kostengünstig Nachhilfe gibt? Und das Ganze müsste von der Verwaltung begleitet werden. Alles auf Kosten des Sozialhilfetopfes.

Drittens wäre damit zu rechnen, dass, auf alle Kinder und Jugendlichen gerechnet, das Bildungsniveau nicht steigt. Denn es besteht die Gefahr, dass das Geld, das die Arbeitsministerin ins System pumpt, von den Kommunen wieder herausgenommen wird.

Bevor weiterdiskutiert wird, steht erstmal eine Weiterbildungseinheit für die Politik an.

Wer darf mit der Karte abrechnen: auch der Schüler, der billig Nachhilfe gibt?

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 290 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Gernot Knödler

Gernot Knödler Hamburg-Redakteur

Mehr zum Thema

0 Kommentare