Kommentar Grüne Gegnerbeobachtung: Sind Sie jetzt? Waren Sie jemals?
Mit der Realität hat dies alles wenig zu tun, eher schon mit einem zerrütteten Politikverständnis innerhalb der Gesamtlinken.
P olitische Gegnerbeobachtung gehört zum Geschäft. Was allerdings auf "Arbeitsebene" der grünen Bundestagsfraktion entstanden ist und als Fragebogen an die Landtagsfraktionen verschickt wurde, erinnert an die berühme McCarthy-Frage.
Viele der Grünen-Strategen in der Parteispitze müssten diese Frage übrigens mit "Ja" beantworten, von Ralf Fücks über Krista Sager bis zu Jürgen Trittin. Vielleicht auch daher die fehlende Gelassenheit gegenüber einer Selbstverständlichkeit: Koalitionsbildungen mit sozialistischen Parteien wie in ganz Europa.
Aber dieser Fragebogen offenbart noch etwas anderes. Es gibt bei den Grünen nach wie vor die unselige Tendenz zur Hypermoralisierung. Damit hat sich die Partei schon immer selbst eine recht große Fallhöhe organisiert: "Die besseren Menschen, die einmal angetreten sind, die Welt zu retten, haben uns verraten", so das Credo bei nicht wenigen mittlerweile innigen Grünen-Gegnern.
Mit der Realität hat dies alles wenig zu tun, eher schon mit einem zerrütteten Politikverständnis innerhalb der Gesamtlinken. So ist am Niedergang der SPD, laut Müntefering, nicht er selbst, sondern Lafontaine schuld, während Letzterer als Tiger losspringt, um die soziale Gerechtigkeit wieder einzuführen, dann aber regelmäßig als Bettvorleger in der Opposition gegenüber CDU/FDP-Regierungen landet; vielleicht, weil er ahnt, dass seinem Weltrettungsprojekt das gleiche Schicksal bevorsteht wie den Grünen.
Die politische Linke in der Bundesrepublik hat jetzt ein alternatives Projekt zu entwickeln und dann die Machtfrage zu stellen. Und die Grünen sollten nicht davor weglaufen, um sich noch einmal ein bisschen kurzfristiges Mitregieren mit Schwarz-Gelb zu organisieren. So einfach ist Politik - und so schwierig.
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