szene: Die Aliens aus dem Atlas
VonKlaus Esterluss
Wir haben lange nichts mehr von diesem Atlas-Ding gehört. Dieser Komet, oder wie man das in Fachkreisen auch immer nennt, älter als das Universum selbst, älter als die Zeit.
Die sozialen Medien waren monatelang voll davon. Was Atlas für einen Schweif hat, ob er überhaupt einen Schweif hat? Es gab Bilder von hellen, grisseligen Flecken und dann wieder welche, da hatte das Ding Fenster. Ein ziemlicher Spagat. Noch vor ein paar Jahrtausenden hätten wir Menschen an einen vorbeireitenden Gott geglaubt. Vor ein paar Jahrzehnten hätten wir Atlas vielleicht für eine Bildstörung im Schwarz-Weiß-TV gehalten, wenn wir ihn überhaupt mitgekriegt hätten.
Eine entspannte Zeit muss das gewesen sein! Ich habe Glück, ich kann mich daran erinnern und denke verklärt an Schauspieler*innen, die in TV-Serien durch Pappkulissen marschieren und Marsmännchen darstellen.
Das hat mir völlig für die Fantasie gereicht. Nun gondelte da ein gewaltiger Stein durch Welten voller Sternenstaub, und alles drehte am Rad und wusste Bescheid. Dieser Atlas würde sich hinter der Sonne anschleichen, um sich dann alsbald als mächtiges Mutterschiff zu enttarnen. Dann ist plötzlich Weihnachten, und die fantastischen Besucher*innen aus gasnebliger Zeit erschrecken wohl derweil andere Kreaturen in wieder anderen Galaxien. Oder etwa nicht?
Denn neulich schlidderte ich an einem gewissen Living Hotel in Weißensee vorbei. Dort trat ein Wesen aus der Tür, das sah aus wie ein waschechter Ferengi! Aus „Star Trek“. Ich lief ein Stück, dann drehte ich den Kopf, und kurz wollte ich mich auf die Knie werfen. Doch ich setzte lieber meine Brille auf, und aus dem Ferengi wurde eine Frau mit hautfarbener, wellenwerfender Mütze, einem Fleischbeanie.
Ich lachte laut ins Schneetreiben. Und war doch froh, nicht gekniet zu haben. In diesem Moment fiel mir dieses Atlas-Ding wieder ein.
Klaus Esterluss
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