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Wenn in Gemeinschaft gestaunt wird

Sie hätte so schön sein können, diese Sonnenfinsternis. Gemeinschaftliches Staunen, allerorten. Zumindest träumten die Medien des Landes davon, die gesellschaftliche Zerrissenheit kurz zu vergessen, während sich der Mond sachte vor die Sonne schiebt. Das Naturspektakel lädt zumindest dazu ein.

Mit vorsichtigen Schritten stapft gerade eine junge Mutter auf dem Teufelsberg durch die wenigen Flecke, die nicht besetzt sind. Platz macht ihr niemand, im Stimmengewusel ist ihr „Tschuldigung?“ nicht zu hören. Längst ist der Berg im Grunewald zum Ameisenhügel mutiert. „Man bräuchte eigentlich ‚nen Countdown, damit die Leute still sind und wir den Moment genießen können“, sagt ein junger Mann, der Sonne den Rücken zeigend.

Berlin-­Grunewald

11.100 Ein­wohner*innen. Der nach dem gleichnamigen Forst benannte Ortsteil zählt zu den wohl­habendsten Gebieten Berlins. Hier kann man Villen gucken. Oder vom 120 Meter hohen Teufelsberg – einen Trümmerberg voll mit Weltkriegsschutt – runter auf die Stadt.

20.08 Uhr, die Sonnenfinsternis erreicht ihr Maximum. Hunderte Hände applaudieren den Planeten für das, was sie immer tun. Schon schiebt sich der Mann die „Sofi“-Brille wieder von den Augen. „So, schnell zum Auto, sonst kommen wir nie vom Parkplatz.“ Spätestens um 20.11 Uhr ist klar: Die Be­su­che­r*in­nen des Teufelsbergs lehnen die Einladung zum Innehalten wieder einmal ab. Laura Mies

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