Queer Lecture 15.01.

„Pädophilie: Verbrechen ohne Opfer?“

Sexuelle Liberalisierung, wissenschaftliche Diskurse und gesellschaftliche Machtverhältnisse in der „Pädophiliedebatte“ der 1970er Jahre.

Seit Beginn der 1970er Jahre wurde in Teilen der Sexualwissenschaft, der Schwulenbewegung und des alternativen Milieus über eine mögliche Entkriminalisierung „gewaltfreier und einvernehmlicher“ sexueller Handlungen zwischen Erwachsenen und Kindern diskutiert. Konservative Kommentator*innen sind sich einig, dass eine übertriebene sexuelle Liberalisierung hierfür verantwortlich war.

Wann: Mi., 15.01., 19.30 Uhr

Wo: taz Neubau

Friedrichstr. 21

10969 Berlin

Eintritt frei. Spenden willkommen.

Jenseits solch moralisierender Zuschreibungen will der Vortrag Antworten darauf geben, was die – heute kaum mehr nachvollziehbare – Debatte um Pädophilie ermöglichte und auszeichnete. Zwei Aspekte stehen im Fokus: die Rolle der Sozialwissenschaften sowie gesellschaftliche Machtbeziehungen, etwa zwischen den Generationen, aber auch entlang von Kategorien wie Geschlecht, Klasse und race. Die Pädophiliedebatte erscheint so als Ausdruck umfassenderer gesellschaftlicher Entwicklungen nach „1968“.

Dr. Jan-Henrik Friedrichs ist Historiker an der Universität Hildesheim und Redakteur der Zeitschrift WerkstattGeschichte. Er wurde an der University of British Columbia mit einer Arbeit zur Heroin- und Hausbesetzerszene in Berlin und Zürich promoviert. Anschließend arbeitete er in einem Forschungsprojekt zu wissenschaftlichen Diskursen um Pädophilie seit den 1960er Jahren (Leitung: Prof. M. Baader). Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die westeuropäische Macht- und Kulturgeschichte nach 1968 sowie die Gender-, Jugend-, Stadt- und Bewegungsgeschichte. Zurzeit befasst er sich im Rahmen eines DFG-geförderten Forschungsprojekts mit den Auswirkungen des sogenannten Radikalenerlasses von 1972 an Schulen.

Eine Veranstaltung der Initiative Queer Nations in Kooperation mit dem Verlag der taz.