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LTU sperrt Streikende aus

■ Streikfront bei LTU verhärtet sich / DAG: Andere Charterflieger sollen Streikbrecherarbeiten verweigern / LTU-Chef gibt Arbeitsplatzgarantien

Düsseldorf (ap) - Trotz des Versuchs der LTU -Geschäftsleitung, mit einer Beschäftigungsgarantie für das Personal den Streik im eigenen Haus rasch zu beenden, hat am Montag der Arbeitskampf bei Deutschlands größter Charterfluggesellschaft an Schärfe zugenommen. Der Streikleiter der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft, Werner Fischer, kündigte im Gespräch mit 'ap‘ an, die Gewerkschaft werde die Piloten der anderen deutschen Charterflieger auffordern, keine Ersatzflüge mehr für die LTU zu übernehmen. Die Düsseldorfer Charterfluggesellschaft sperrte die Streikenden aus und drohte bei der Verweigerung von Notdiensten mit Kündigung.

Nachdem am Sonntag rund 4.000 Fluggäste des Unternehmens durch den Streik zum Teil erst mit stundenlanger Verspätung ihr Reiseziel erreichten, hatte am Montag der Vorsitzende der LTU-Geschäftsführung Werner Huehn, überraschend mit einem offenen Brief an seine Mitarbeiter in den Streik eingegriffen.

Huehn bezeichnete die Ängste der Mitarbeiter um die Arbeitsplätze als „völlig unbegründet“. Er gab den Beschäftigten die „unwiderrufliche Garantie“, daß sie bei der geplanten Umstellung der Flotte auf neue Großraumflugzeuge zu den bestehenden tariflichen Konditionen weiterbeschäftigt würden und daß im Bereich des Bodenpersonals keine Rationalisierungsmaßnahmen oder Auslagerungen geplant seien. Huehn antwortete mit seinem Brief auf die gewerkschaftliche Hauptforderung nach Rationalisisierungschutz für die Mitarbeiter.

DAG-Streikleiter Fischer betonte jedoch in einer ersten Reaktion, die Gewerkschaft brauche keine Briefe, sondern Tarifverträge.

Die DAG-Streikleitung hatte den Ausstand mit dem Argument begründet, das Unternehmen gliedere immer mehr Teile zu rechtlich selbständigen Betrieben aus, für die die ausgehandelten Tarifverträge nicht mehr gälten. Dagegen solle die Belegschaft geschützt werden. Nach Einschätzung der DAG hat der Brief des LTU-Chefs kaum rechtlich bindende Wirkung.

Nach den Worten Fischers haben sich bereits mehr als 700 der nach Angaben des Unternehmens 1.300 Beschäftigten dem Streik angeschlossen. Darunter seien auch 45 der insgesamt 52 Flugkapitäne. Der LTU zufolge kam es auch Montag durch den Arbeitskampf erneut zu Verspätungen bei den insgesamt zwölf geplanten Flügen. Am Vormittag sei eine Maschine mit rund einer Stunde Verspätung abgeflogen, am Nachmittag werde sogar mit Verspätungen bis zu fünf Stunden gerechnet, sagte Unternehmenssprecher Wolfgang Osinski. Für drei der Flüge habe die LTU Maschinen anderer Chartergesellschaften gemietet.

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