Kolonialismus und Mission: Dein ist das Reich

Gespräch mit Katharina Döbler über ihren Roman „Dein ist das Reich“, die Deutsche Südsee, ihre Familiengeschichte und koloniales Erbe.

Die eigene Familiengeschichte als Startpunkt für Kolonialismusforschung Foto: Hans Scherhaufer

Mit der Geschichte ihrer Missionarsgroßeltern wollte Katharina Döbler eigentlich nichts zu tun haben: Sie standen als überzeugte Kolonialisten auf der falschen Seite und die Familienerzählungen waren allzu behaftet mit Verklärung und Nostalgie.

Wann: Mi., 16.06.2021, 19 Uhr

Wo: youtu.be/-w-xVD7D1HI

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Doch irgendwann begann die Journalistin, sich für die historischen Fakten hinter den abgewetzten Familienanekdoten zu interessieren. Sie sichtete alte Briefe und Berichte, wälzte Bücher und wühlte sich durch Archive.

Es lag nahe, ein Buch daraus zu machen, so bizarr waren die Funde – und so unbekannt ist die Kolonialgeschichte der Deutschen Südsee. So erschien der Roman „Dein ist das Reich".

Über alte Fotos vergegenwärtigt er die koloniale Vergangenheit und lässt in die Gefühle und die Gedankenwelten seiner Protagonist:innen eintauchen. Die Familien- und Kolonialgeschichte aus der Zeit des ersten und zweiten Weltkriegs wird über die prosaische Aufarbeitung von Kolonialisten und Missionaren auf Neuguinea beleuchtet.

Katharina Döbler, 1957 in Mittelfranken geboren, studierte unter anderem Theaterwissenschaften, experimentierte als Kabarettistin und Punksängerin, war am ersten experimentellen Sender Berlins Radio100 beteiligt und wurde schließlich Journalistin. Heute ist sie Redakteurin bei Le Monde diplomatique. Als Autorin hat sie Hörstücke und ein Theaterstück geschrieben, ihr erster Roman „Die Stille nach dem Gesang“ erschien 2010. Ihr Roman „Dein ist das Reich" ist im Mai 2021 im Claassen Verlag erschienen.

Moderatorin Charlotte Wiedemann schreibt über internationale Themen und ist taz-Kolumnistin. Zuletzt erschien ihr Buch „Der lange Abschied von der weißen Dominanz“. Im heute indonesisch besetzten Papua, ein historischer Schauplatz des neuen Romans von Katharina Döbler, recherchierte sie über die Unabhängigkeitsbewegung.

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