■ Kommentar: Im Regen stehen
Überfüllte Heime für Obdachlose schon im Hochsommer — da staunen auch die Sozialarbeiter. Wer meint, der Regen und die Kälte der letzten Woche hätten die Penner von den nassen Parkbänken in die trockenen Unterkünfte getrieben und so die Belegzahlen hochgedrückt, der irrt sich gewaltig. Denn nur die wenigsten der Wohnungslosen „machen Platte“. Die meisten kommen privat unter oder leben dauerhaft in Unterkünften. Die Heime waren auch schon vor dem Regen voll.
Private Tragödien, Verlust der Arbeit, Krankheiten — Obdachlosigkeit hat viele Gründe und greift in vielen Teilen der Bevölkerung immer mehr um sich. Wer seine Wohnung erstmal verliert, findet so schnell keine neue in einem Land, wo nur Spitzenverdiener sich um bezahlbaren Wohnraum keine Gedanken machen müssen.
Der Wohnungsmarkt reagiert wie alle Märkte: ein knappes Angebot hält die Preise stabil, am Wohnungsmangel wird kräftig verdient. Die Folge: Es fehlen einfach die nötigen Wohnungen. Solange es nicht ausreichend bezahlbare vier Wände gibt, werden die Schwächsten immer im Regen stehen.
Bernhard Pötter
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