: Dispositionen
■ Der Hamburger Wohlfahrtsausschuß lädt morgen zu einer Party in die Rote Flora
„Out now“ ist das Motto: Nach der Veranstaltung Die schönste Jugend ist gefangen, die über die hoffnungsvollen kulturellen und politischen Dispositionen in der Gegenkultur der BRD am Ende der 60er Jahre informierte, initiiert der Hamburger Wohlfahrtsausschuß jetzt aus Anlaß der Freilassung von Irmgard Möller eine große Party. Feiern werden die Musik-Gruppen Die Sterne, Dackelblut, Knarf Rellöm Sichtweise, Three normal Beatles, Die Goldenen Zitronen sowie Claudia Gonzales, Jochen Distelmeyer und DJ Sexfeind. Die Beteiligten wollen mit ihren Auftritten die Bemühungen zur Freilassung der übrigen Gefangenen unterstützen.
Im Rahmen des Ereignisses kommt ein Film zur Aufführung, den bei der letzten Veranstaltung nicht alle sehen konnten. Katrin Seybolds 1969 entstandene Dokumentation Die wilden Tiere zeigt den Versuch, politische Gefangene aus dem Knastcamp Ebrach frei zu bekommen. Die wilden Tiere geht, gemessen an heute verbreiteten Klischees, über den informativen Gehalt hinaus: „Die Geschichte der Subkultur in Deutschland ist nie festgehalten worden“, begründet der Wohlfahrtsausschuß, was der Film heutigen Teenagern, Twenty- und Thirtysomethings mit auf den Weg geben kann.
Am Sonntag abend sollen die Positionen pro und kontra Widerstand in der BRD nicht erneut zur Disposition gestellt werden: „Jede Form von linkem Widerstand und Subversion gehören für uns zusammen“, faßt der Wohlfahrtsausschuß den Sinn der Veranstaltung zusammen.
Das Augenmerk der Gastgeber richtet sich auf die Notwendigkeit, die Freilassung Irmgard Möllers als Anfang zu betrachten. Über einen weiteren Verbleib der zur Zeit noch bis zum 20. Februar in einer Rehabilitationsklinik genesenden Christine Kuby in Haft wird zur Zeit entschieden. Nach wie vor sitzen außerdem die bis auf Manuela Happe zu lebenslanger Haft verurteilten Hanna Krabbe, Lutz Taufer, Karl-Heinz Dellwo, Knut Folkerts, Stefan Wisniewski, Rolf Heissler, Sieglinde Hofmann, Brigitte Mohnhaupt, Christian Klar, Heidi Schulz, Helmut Pohl, Eva Haule und Birgit Hogefeld ein. In einer kurzen Rede wird der Wohlfahrtsausschuß Sinn und Zweck von „Out now“ skizzieren.
Kristof Schreuf
Sonntag, 20.00 Uhr, Rote Flora
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