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Ein Ende mit Shrek

Am Samstagabend war Zappen angezeigt. Welcher Fernsehsender war am besten auf den Papst-Tod vorbereitet?

Wenn Journalisten Journalisten filmen, wenn der Kameramann seine Kamera schultert und andere Kameramänner zeigt und Vor-Ort-Reporter anderen Vor-Ort-Reportern berichten, wie lange sie schon vor Ort sind oder wann sie zum letzten Mal geschlafen haben, dann weiß man: Das kann dauern. Und man weiß: Es ist alles gesagt, meist sogar mehrfach und dann nochmals, aber es ist immer noch Sendezeit da und – wie am vergangenen Samstag – der Papst noch immer nicht tot.

Geben wir’s ruhig zu, irgendwann war alles erzählt über Karol Wojtyła und Johannes Paul II.: sein Leben, sein Amt, seine Krankheit und all die Procedere und Rituale, die so ein Papsttod mit sich bringt: die Sedisvakanz, die Novemdiale, das Konklave. Das Archiv (P wie Papst) war gesichtet, die Experten waren ausgefragt, und auch die Massen auf dem Petersplatz hatten nichts Neues mehr zu sagen, wenn man ihnen ein Mikrofon mit Senderlogo hinhielt. Und so kam es am frühen Samstagabend eben, dass im RTL-Boulevardmagazin „Explosiv“ Journalisten Journalisten filmten.

Als am späten Samstagabend dann der Tod des Papsts offiziell bekannt gegeben wurde, waren denn auch alle bestens vorbereitet: Anders als bei Springfluten und Terroranschlägen musste diesmal kein Korrespondent aus dem Bett geklingelt, kein Experte auf die Schnelle aufgetrieben werden, die Leitungen standen. Es gab rührende Bilder aus Krakau, belanglose aus Köln, es gab Statements aus Washington und Peter Kloeppel aus Rom – und nach zwei Stunden war sich schließlich auch Anne Will sicher, dass man ihre „Tagesthemen“-Sondersendung jetzt getrost beenden und stattdessen ein paar Papst-Dokus zeigen könne. Natürlich lagen auch die längst zur Ausstrahlung bereit.

Und ganz im Ernst: Am schönsten starb der Papst im deutschen Fernsehen auf Sat.1. Unmittelbar bevor man sich dort nämlich entschied, den Kinofilm „Shrek“ zu unterbrechen und stattdessen eine halbes Stündchen lang die Liveberichterstattung von N24 auszustrahlen, war „Shrek“ zufälligerweise an seiner traurigsten Stelle angelangt: Ganz trübsinnig und jeder für sich saßen das grüne Sumpfmonster, der geschwätzige Esel und die schöne Prinzessin Fiona, ja sogar die doofe Drachendame in der Gegend rum, sinnierten minutenlang schweigend vor sich hin, und aus dem Off sang Rufus Wainwright seine Version des Cohen-Klassikers „Hallelujah“ - - -

ProSieben indes hatte sein Programm nicht geändert. Warum auch? Dort lief schließlich „Stirb langsam 2“.

CHRISTOPH SCHULTHEIS