DOROTHEA HAHN ZU DEN MORDEN AN SCHWARZEN IN DEN USA

Rassismus – und fast kein Ende

Die Morde in Tulsa, Oklahoma, erinnern an Sanford in Florida, wo ein Wächter an einem Sonntag im Februar den 17-jährigen Trayvon Martin erschoss, der auf dem Heimweg war, nachdem er Bonbons gekauft hatte. Oder an White Plains im Bundesstaat New York, wo letzten November im Morgengrauen ein Polizeikommando den 68-jährigen Rentner Kenneth Chamberlain in seiner Wohnung erschoss, nachdem er versehentlich einen Alarmknopf getätigt hatte. Genau wie die Opfer von Tulsa waren auch Trayvon Martin und Kenneth Chamberlain Afroamerikaner. Und wie in Tulsa waren auch sie unbewaffnet, als sie erschossen wurden.

Doch es gibt auch wesentliche Unterschiede: In Tulsa haben Polizei und Justiz effizient und schnell reagiert und die mutmaßlichen Täter verhaftet. In Florida hingegen darf der private Wachschützer, der den Teenager Trayvon Martin erschossen hat, weiterhin eine Schusswaffe tragen, weiterhin in seinem Wohnzimmer sitzen und im Internet um Sympathie und Geldspenden werben.

Auch in New York sind die Polizisten, die an der Erschießung des Rentners in Boxershorts beteiligt waren, weiterhin im Einsatz. In Tulsa gibt es nach den Morden keine Unruhen. Sondern Trauer herrscht vor und die Gewissheit, dass die Justiz ihre Arbeit macht.

Hingegen verschlimmert die unerträgliche Leichtigkeit und Komplizität im Umgang mit Todesschützen in Florida und in New York – und das sind nur zwei Beispiele von vielen – alles noch. Sie gibt Millionen von Menschen quer durch die „postrassistischen“ USA das Gefühl, dass rassistische Gewalt mit zweierlei Maß gemessen wird. Und dass andere Regeln gelten, wenn sie von der Polizei und ihren privaten Helfershelfern ausgeht.

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