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Wenn die Mauerallzu fern erscheint

Berlin-Mitte

385.000 Ein­wohn­er*innen

Ein Ost-West-Bezirk mit dem Alexanderplatz als Zentrum Ost. An der Bernauer Straße befindet sich die Gedenkstätte Berliner Mauer mit Originalfragmenten.

Ein älteres Pärchen steht vor dem Haus des Reisens, einem dieser sozialistischen Halbhochhäuser am Berliner Alexanderplatz, und wirkt verloren. Er zeigt was auf seinem Stadtplan, sie blickt irgendwo in den tiefblauen Winterhimmel, dann auf die Karte, daraufhin schüttelt er den Kopf und dreht sich suchend in eine andere Richtung. Fünf Minuten beobachte ich dieses Schauspiel, dann frage ich doch – vorsichtshalber gleich auf Englisch –, wo sie denn hinwollen? Die Antwort der beiden Touristen kommt auf Deutsch und ganz kurz: „Mauer!“

Auch 33 Jahre nach ihrem Fall ist die Grenzbefestigung für manche Ber­lin­be­su­che­r*in­nen offenbar so präsent, dass sie sie überall vermuten. Am Alex, Ort zahlreicher neuer Hotelburgen, haben sie allerdings schlechte Aussichten. Das versuche ich zu erklären: Mindestens zwei Kilometer in die eine Richtung müssten sie gehen, um noch größere Relikte besichtigen zu können, oder ebenso viele in die andere.

Verstehen sie mich nicht, oder verstehen sie mich sehr gut und sind nur enttäuscht wegen der großen Entfernung? Jedenfalls ziehen sie davon– in eine dritte Richtung. So verliert Berlin langsam seinen Mauermyhtos. Bert Schulz

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