VERANSTALTUNG IN KREUZBERG ZUM NSU-PROZESS-AUFTAKT

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Erst waren es mehr Polizisten und Journalisten als TeilnehmerInnen. Dann fanden sich aber doch noch gut 100 Menschen mit Spruchbändern und Plakaten am Kottbusser Tor ein, um zum Auftakt des NSU-Prozesses in München der zehn Opfer der Rechtsterroristen zu gedenken. Und an die Umstände zu erinnern, die es ermöglichten, dass die Gruppe jahrelang scheinbar unbemerkt von Sicherheitsbehörden agieren konnte.

Vor allem Polizei und Verfassungsschutz sehen die Veranstalter der Aktion, das Bündnis gegen Rassismus, in der Verantwortung. Eine Serie von „Pannen, Pech und Missgeschicken“ habe deren Ermittlungsversuche offenbar begleitet, sagt ironisch eine Rednerin vom Migrationsrat Berlin-Brandenburg, der neben antifaschistischen Initiativen und Opferberatungsstellen dem Bündnis angehört.

Nicht Extremisten am rechten Rand der Gesellschaft, sondern der alltägliche Rassismus in deren Mitte habe das ermöglicht – darin sind sich alle RednerInnen der Gedenkveranstaltung einig. Dass diese Erkenntnis genau dorthin, nämlich in die gesellschaftliche Mitte, nicht recht vordringt, beobachtet Ulli Jentsch vom Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin (apabiz), der an der Kundgebung teilnimmt: „Die Empörung, die wir hier haben, kommt bei vielen nicht an“, vermutet er.

Die Aufarbeitung des „Kapitels NSU“ dürfe deshalb mit dem Prozess nicht abgeschlossen sein, fordern RednerInnen: Als „Teil der Zivilgesellschaft“ werde das Bündnis dies beobachten. Zum zweiten Teil der Gedenkveranstaltung am Mittag vor dem Bundestag kamen nach Veranstalterangaben ebenfalls etwa 100 Personen. AKW