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Der Überflieger, der abstürzte

Wirklich erfolgreich war Matti Nykänen nur in einer Sache: im Skispringen. In dieser Kunst war der Finne der Konkurrenz in den 80er-Jahren haushoch überlegen. Fast alles andere in seinem Leben lief dagegen nicht so gut. Weder als Popsänger noch als Stripper und Pornodarsteller konnte der vor 43 Jahren in Jyväskylä Geborene an seine sportlichen Erfolge anknüpfen, vom Privatleben ganz zu schweigen. Dort stehen vier Eheschließungen, drei Scheidungen, jede Menge Alkohol und eine Verurteilung zu einer 26-monatigen Haftstrafe wegen versuchten Totschlags zu Buche. Bei einem Streit beim Fingerhakeln hatte Nykänen im Alkoholrausch einen Freund mit dem Messer niedergestochen. Im September vorigen Jahres auf Bewährung entlassen, saß er nach einer halben Woche wieder in Untersuchungshaft. Diesmal hatte er seiner Ehefrau eine Kopfwunde zugefügt, erneut im Vollrausch.

Die Finnen haben ihren tragischen Helden trotz alledem unvermindert fest ins Herz geschlossen. Vielleicht weil er so überzeugend wie sonst nur die Gestalten in Kaurismäki-Filmen die Loser-Rolle besetzt. Die Boulevardpresse liebt ihn natürlich auch – schon weil sie sein Schicksal nach Strich und Faden ausbeuten kann; kein anderer Finne hat ihr in den vergangenen Jahren so viele Schlagzeilen geliefert. Da war es nur eine Frage der Zeit, wann sein Leben über die Kinoleinwände flimmern würde.

Am Freitag ist es so weit. Dann hat „Matti“ landesweit Premiere. Die Kinos erwarten nichts weniger als einen Kassenknüller, selbst der ebenfalls fliegende Harry Potter soll in den Schatten gestellt werden. Regisseur Aleksi Mäkelä glaubt, dass sein Streifen das Zeug hat, einer der meistgesehenen Filme aller Zeiten in Finnland zu werden. Den 18-jährigen Nykänen vekörpert der Schauspieler Jasper Pääkkönen. Er führt im Film vor, wie Matti 1982 am Holmenkollen erstmals Weltmeister wurde. Im echten Leben holte Nykänen danach bei den Olympischen Spielen 1984 in Sarajevo die Goldmedaille auf der Großschanze, ein Jahr später wurde er mit 191 Metern Weltmeister im Skifliegen. Sein erfolgreichstes Jahr hatte Nykänen freilich 1988, als er überlegen die Vierschanzentournee gewann und sich bei den Spielen von Calgary alle drei möglichen Goldmedaillen sicherte. Doch auch die Abstürze, die bald nach seinem Karriereende 1991 sein Leben prägten, werden im Film nicht beschönigt.

Die Boulevardzeitung Ilta Sanomat vermeldete, dass Nykänen zu Tränen gerührt war, als er den Film vorab sehen durfte. Ansonsten hatte Matti, der Mensch, keinen Einfluss auf Matti, den Film. Wenigstens an den Einnahmen, so heißt es, soll Nykänen nun beteiligt werden. REINHARD WOLFF