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Archiv-Artikel

Runter mit der Wochenarbeitszeit!

betr.: „Von Ärztefrust und Lehrer-Bashing“, taz vom 17. 1. 06

Die Dauer der Betriebszugehörigkeit hat sich nachweislich kaum verkürzt? Eine solche Aussage gehört differenziert!

Für die BesitzstandswahrerInnen im öffentlichen Dienst jenseits Mitte 40 sicher nicht. Aber: Noch nie gab es im öffentlichen Dienst so viele Zeitverträge für Leute zwischen Mitte 20 und Anfang 40 wie heute. Sie enden spätestens nach fünf Jahren und bedeuten für alle – auch die, die irgendwann eine feste Stelle ergattern – zunächst eine ungewisse Zukunft über Jahre, und dies in der potenziellen Familiengründungsphase. Dazu kommt – wie bei uns in Baden-Württemberg – das derzeitige Mehr-Klassen-System unter Angestellten.

Ich arbeite ohne Lohnausgleich im Monat zehn Stunden mehr als mein Chef und mein direkter, gleich eingestufter Kollege bei selbem Gehalt: weil mein (zweijähriger Zeit-)Vertrag nach der Tarifkündigung des Landes abgeschlossen wurde. Die jüngere Generation hat weniger Angst vor dem Wandel als die Älteren? Einerseits ja, weil sie weniger zu verlieren, weil weniger aufgehäuft hat. Und irgendwie werden wir uns – qualifiziert, wie wir sind – schon durchschlagen. Aber eine Familie gründen?

Die Lösungsvorschläge von Frau Dribbusch empfinde ich mit Blick auf die Lebensplanung, aber auch die Kollegialität – nicht nur in der Mittelschicht oder im öffentlichen Dienst – als neoliberalen Hohn. Statt Niedriglohnsektor für den öffentlichen Dienst heißt die Devise: Runter mit der Wochenarbeitszeit statt hoch! Feste (Teilzeit-)Stellen schaffen statt streichen! Solidarität mit Berufs(wieder-)einsteigerInnen durch Reduktion und Teilen der Arbeitszeit statt Besitzstandswahrung – meinetwegen mit nur teilweisem Lohnausgleich!

CHRISTINE FABRICIUS, Schwäbisch Gmünd