Eine kostenpflichtige Energieberatung hilft nur den Konzernen

An der falschen Stelle gespart

Wer „symbolisches Abschrecken“ googelt, erzielt keinen Treffer. Das Bundeswirtschaftsministerium hat auf Anraten des Bundesrechnungshofes etwas Innovatives umgesetzt – indem die Verbraucherzentrale neuerdings eine Gebühr für die Energieberatung verlangt. Ab dem 1. März gibt es nur noch Tipps, wenn der Energiekunde fünf Euro fürs Schweinderl auf dem Tisch der Verbraucherberatung dabeihat. Das wirkt vielleicht nicht wie ein hoher Betrag, aber es dürfte ausreichen, um Ratsuchende zu entmutigen.

Zumindest die Energieriesen dürfte das freuen. Uninformierte Kunden sind treue Kunden. Von diesem Effekt profitieren längst Versicherungen, Finanzdienstleister oder Banken, denn auch in diesen Bereichen kostet die Beratung der Verbraucherzentralen Geld. Nordrhein-Westfalen verlangt zum Beispiel für eine 90-minütige Altersvorsorgeberatung 140 Euro. Da glauben doch viele Rat Suchende lieber dem Vertreter, der seine Dienste kostenlos anbietet. Dass er dabei vor allem seinen eigenen Vorteil wahrt, wird zunächst gern verdrängt. Naiv und hoffnungsfroh nehmen viele Kunden an, ein Beratungsgespräch mit einem Vertreter sei eine Win-win-Situation, von der beide Seiten etwas haben.

Die Sparaktion bei den Verbraucherzentralen könnte den Staat teuer kommen. Wer nicht informiert für sein Alter vorsorgt, schlägt als Pflegefall wahrscheinlich mit mehr als 140 Euro bei den Sozialkassen zu Buche. Auch Energieeffizienz entlastet nicht nur das Portmonee des Einzelnen, sondern ist unter anderem auch Umweltschutz.

Der Staat ist sowieso ein merkwürdiger Kaufmann: 2005 kostete ihn die Energieberatung von 70.000 Klienten 3,5 Millionen Euro; nun will er durch die Gebühren 350.000 Euro einnehmen. Theoretisch. Faktisch dürfte es weniger werden, weil viele Bürger auf den Service ganz verzichten. Die Fixkosten bleiben jedoch weitgehend gleich. Fast nichts gespart – außer der wichtigen Informationen für die Bürger. Symbolische Abschreckung – eine Innovation, die hoffentlich keine Zukunft hat. HEIKE SCHMIDT