DER GENERALSTREIK IN NEPAL LÄUTET DAS ENDE DER MONARCHIE EIN

Ein König entsorgt sich selbst

Ein Drehbuch über den eigenhändigen Bankrott einer Königsherrschaft könnte nicht besser geschrieben werden. Dabei hatte König Gyanendra von Nepal, als er im Sommer 2001 an die Macht kam, alle Chancen, die Sympathien seines Volks zu gewinnen. Nach dem Palastmassaker, in dem beinahe die gesamte Königsfamilie von den Schüssen des Kronprinzen hinweggerafft wurde, war das Land so traumatisiert, dass es nichts mehr wünschte als Stabilität.

Dafür hätten sich zwei der drei Machtfaktoren im Land – König, Parteien und Maoisten – verbinden müssen. Die Parteien brauchten den Palast genauso, wie dieser auf sie angewiesen war. Doch König und Parteien zerstritten sich. Er suspendierte das Parlament, entließ die Regierung und begann eine Herrschaft per Palastdekret. Statt also die Maoisten zu isolieren, trieb Gyanendra die Politiker in deren Arme. Und er schweißte die Guerillas zusammen, indem er ihnen den Vernichtungskrieg androhte. Mit der Ausweitung der königlichen Macht stellte er sie als Institution zur Disposition.

Demokratische Parteien und Maoisten haben derweil bereits eine neue Zeitrechnung eingeläutet. Ihre Übereinkunft vom letzten November geht von einer neuen Verfassung aus, in welcher der König nicht mehr vorkommt. Doch das Ende der Monarchie macht eine Demokratie noch nicht lebensfähig – umso mehr, als Maoisten und Parteien unterschiedliche Vorstellungen von ihr haben.

Die Parteien sind geschwächt und nach Jahren interner Fehden zermürbt. Die Maoisten beherrschen große Teile des Landes, und sie wissen, was sie wollen – eine Volksdemokratie nach altem Ostblockmuster. Wie soll sich das Ausland da verhalten? Die beste Entwicklungshilfe, die es Nepal bieten kann, ist politischer Nachhilfeunterricht in Form von Entwicklungsgeldern, die möglichst an der Kathmandu-Bürokratie vorbei direkt in die Dörfer fließen. Doch bevor es dazu kommt, muss der König abdanken. Noch hält die Armee zu ihm. Es könnte durchaus sein, dass sich das Los der geplagten Nepalesen noch verschlimmert, bevor es endlich besser wird. BERNARD IMHASLY