DER RECHTE RANDWie Neonazis ein Gedenktag streitig gemacht werden soll

Begegnung auf dem Friedhof

Bei den örtlichen Rechtsextremisten ist das Datum schon lange vorgemerkt: Der Jahrestag der alliierte Bombardierung Hamburgs im Jahr 1943. Seit Jahren marschieren Anhänger von NPD, DVU und „Freien Kameradschaften“ am Mahnmal für die Opfer des Bombenkrieges auf dem Hauptfriedhof in Hamburg-Ohlsdorf auf, legen Kränze nieder, halten Reden. Der „Feuersturm“ im Juli und August 1943 dient ihnen zum Anlass, ausschließlich deutscher Opfer zu gedenken und das Bombardement als „Kriegsverbrechen“ zu beklagen.

„Den Termin haben wir nun belegt“, sagt Petra Schondey vom Verein Psychosoziale Arbeit mit Verfolgten: Ein Bündnis, zu dem unter anderem der Verein zählt, plant unter dem Label „Ohlsdorfer Friedensfest“ vom 24. Juli bis 8. August verschiedene Veranstaltungen. Dabei soll den Neonazis ausdrücklich der Ort streitig gemacht werden: Alle Veranstaltungen beginnen an den Sammelgräbern von 1943. Von hier aus können Interessierte zu der Vorstellung der Kampagne gegen das „deutsche Nachrichtenmagazin“ Zuerst!, zu einer Vorführung des Films „Per la Vida“ mit Esther Bejarano und „Microphone Mafia“ oder zu einer Lesung zur nationalsozialistischen Verfolgung lesbischer Frauen gehen.

Das Friedensfest sei „ eine Reaktion auf die rechtsextremen Aktivitäten“, sagt Schondey, hebt aber hervor, dass man auch im erinnerungspolitischen Diskurs Positionen beziehen wolle: „Wer Täter, wer Opfer und wer doppelt Opfer an jenen Tagen wurde“, sagt Schondey.

Schon 2009 wurde ein solches Friedensfest ausgerichtet. Zwar konnten die Rechtsextremen ihre Gedenkfeier abhalten, trotzdem spricht Felix Krebs vom Hamburger Bündnis gegen Rechts von einem Erfolg.

Weitere Infos zum Ohlsdorfer Friedensfest, das am kommenden Samstag um 15 Uhr beginnt, finden sich hier: www.volksbund-hamburg.de.

Hinweis: ANDREAS SPEIT arbeitet als freier Journalist und Autor über die rechte Szene nicht nur in Norddeutschland