DER RECHTE RANDWIE NEONAZIS KIEL TERRORISIEREN

Hakenkreuze im Backshop

Sehr viel Geld fanden die Einbrecher in der Kasse nicht: Rund 150 Euro. Doch ging es den Tätern in der Nacht zu Heiligabend in Kiel überhaupt um Geld? Denn der Bäckereishop im Stadtteil Friedrichsort wurde völlig verwüstet: Der Tresen eingeschlagen, die Kühlsteuerungsanlage zerstört, Wasch- und Toilettenbecken zertrümmert.

Von 20.000 Euro Sachschaden geht die Besitzerin Havva Celik aus. Sie vermutet einen fremdenfeindlichen Übergriff. Die Einbrecher hatten Hakenkreuze an die Wände gesprüht.

Die Polizei möchte über die Täter nicht spekulieren. In Friedrichsort wurden aber schon öfters vermeintlich ausländische Geschäftsleute überfallen. Seit Monaten treten im Stadtteil die Neonazis verstärkt auf. Deshalb hat sich ein „Runder Tisch gegen rechte Ecken“ gegründet.

Die rechtsradikale „Aktionsgruppe Kiel“ soll in den vergangenen Monaten auch in anderen Stadteilen zugeschlagen haben: Sie griffen Menschen an, verletzten einen Tänzer schwer und warfen Scheiben bei alternativen Wohnprojekten und einem Buchladen ein.

„Die Szene ist extrem gewalttätig, anders kann deren Militanz nicht genannt werden“, sagt Carolin Ahrens, aus dem Vorstand der Juso-Hochschulgruppe. In einem Brief halten die Jusos Oberbürgermeister Torsten Albig (SPD) vor, zu wenig Sichtbares gegen die erstarkende Szene zu unternehmen.

„Ich kann gut verstehen, dass Menschen beunruhigt sind über Rechtsextreme“, sagt Albig. Dass die Stadt zum Verschweigen von Übergriffen neige, wie die Jusos behaupten, möchte er nicht stehen lassen: „Hier wird leider verkannt, dass auch nicht so ‚laute‘ Politik einen entscheidenden Weg gegen Rechts beschreitet.“ Die Stadt finanziere Projekte gegen Rechtsradikalismus.

„Die Szene dürfte ermuntern, dass bisher nach Übergriffen selten Anklagen folgten“, kritisiert Ahrens. Celik gibt ihr Bäckereigeschäft auf.

Hinweis: ANDREAS SPEIT arbeitet als freier Journalist und Autor über die rechte Szene nicht nur in Norddeutschland