hamburger szene

Lärmbelästigung

Die Sonne scheint. Es weht ein kühler Frühlingswind. Aber wenn man sich bewegt, dann kann es ganz schön warm werden. Beim Straßepflastern zum Beispiel. Vor dem Bahnhof in Altona wird die Fahrbahn ausgebessert. Verschwitze Männer in T-Shirts hauen mit großen Werkzeugen auf kleine Pflastersteine: Presslufthämmer, Vorschlaghämmer, Klauenhämmer – das ganze Programm. Im Hintergrund rangiert ein Bagger, dessen Auspuffgeräusche auf massiven Rostbefall schließen lassen.

Auf der Ottenser Hauptstraße spielt eine Straßenband. Punks streiten sich vor dem Burger King. Busse hupen. Über allem liegt das „wumm, wumm“, der Hämmer. Metall auf Stein.

Drei Bauarbeiter knien im Staub. Einer von ihnen schwitzt ganz besonders stark. Über seine bemerkenswerte Plautze spannt sich ein verwaschenes Haspa-T-Shirt. In seinem Mundwinkel hängt eine Zigarette. Neben ihm schreit ein Kofferradio, „Ich war noch niemals in New York“.

Um die Ecke biegt eine junge Mutter. Sie schiebt mit der einen Hand einen Kinderwagen. Über der linken Schulter hängt eine volle Einkaufstasche. In der rechte Hand trägt sie Ihr Kind. Das Kind schreit. „Wumm, wumm“, machen die Hämmer, hustende Geräusche macht der Baggerauspuff. „Wähh, wähh“, macht das Kind.

Der verschwitze Bauarbeiter legt seinen Hammer zur Seite, nimmt die Zigarette aus dem Mund und steht auf. Als die Mutter mit ihrem schreienden Kind an ihm vorbeigeht schreit er sie an: „Ist jetzt bald mal Schluss mit dem Lärm?“ PHILIPP DUDEK