Der Unerwünschte

Die Attacke kam am helllichten Tag: Als „Scheiß-Jude“ beschimpfte ein Unbekannter im August auf offener Straße den niedersächsischen Grünen-Politiker Ahmed Agdas. Und dabei blieb es nicht – mit Schlägen und Tritten ging der Angreifer auf sein Opfer los. „Kriech’ den Israelis doch in den Arsch“, rief der Mann. Und: „Ich bin Iraner und wir bomben euch weg!“ Auch wenn der Aggressor, gegen den die Polizei ermittelt, ihn bereits mit dem Auto verfolgt hatte: Mit einem solchen Gewaltausbruch habe er nicht gerechnet, sagt Agdas.

Der 23-Jährige bezeichnet sich selbst als „distanzierter Moslem“, ist sichtlich um Seriosität bemüht. Seit Jahren engagiert der Stadthagener mit Migrationshintergrund sich bei der Grünen Jugend, gerne in Schlips und Kragen. Vor anderthalb Jahren baute er den Grüne-Jugend-Kreisverband auf und sitzt im Vorstand des Stadthäger Integrationsbeirats.

Der junge Mann hat Ambitionen, die über die Kommunalpolitik hinausgehen. Doch bei den Schaumburger Grünen hat er nicht nur Freunde: Als er im vergangenen Jahr die Mitgliedschaft beantragte, lehnte der Vorstand des Kreisverbandes das ab. Agdas forderte ein Mitgliedervotum, das ihm abermals den Zutritt zur Partei versperrte. Eine offizielle Begründung gibt es dafür bis heute nicht, lediglich Gerüchte über antisemitische Äußerungen und eine Nähe zum Salafismus.

Die einzige belegbare Verbindung zum Islamismus stellt eine Veranstaltung im Jahre 2007 da: Der damals 15-jährige Agdas stellte bei einem Vortrag des Salafisten-Predigers Pierre Vogel Stühle mit auf. Von Vogels radikalen Ansichten distanziert sich Agdas heute. Der Auftritt wäre den Grünen übrigens verborgen geblieben, hätte Agdas ihn nicht selbst erwähnt. Im Februar kam er dann doch noch zum Parteibuch: Der Grünen-Verband Hannover nahm Agdas auf. Es hätten sich „keinerlei Bedenken“ ergeben, sagte der hannoversche Vorsitzende Tobias Leverenz den Schaumburger Nachrichten.

Der Angriff im Sommer hat Agdas zugesetzt. Er ist jetzt aufmerksamer, geht nur in Begleitung durch die Stadt. In seinem Engagement will er sich nicht einschüchtern lassen, auch an der Kritik an islamistischen Terroristen hält er fest. „Grundlage für den Frieden ist die Befreiung der Palästinenser“, sagt er – „von der Hamas.“  JULIAN FELDMANN