ANNE HAEMING DER WOCHENENDKRIMI

Pappig und vorhersehbar

Und wo ist die Leiche?“, fragt die Kommissarin. Der Mann von der Spusi schlägt die Plane zurück – darunter: nur eine dicke, fette Papierrolle. Das Opfer wurde in die hauseigene Schreddermaschine geworfen und zu feinstem Recyclingpapier verarbeitet. Na, das ist doch mal eine Tatwaffe. Sie lässt das Opfer schön glatt mit verschwinden. Und wie auf dem Seziertisch dieser Monstertrumm von Papier liegt, hat echte Monty-Python-Qualität. „Unser Mann in der Rolle“, kalauert Kriminalabteilungsleiter Reddemann (Arnfried Lerche) dann auch, und: „Der Fall ist nicht von Pappe.“ Tja, schön wär’s. Denn die Folge „Am Abgrund“ der in Berlin spielenden ZDF-Krimireihe „Ein starkes Team“ mit den Vornamenkommissaren Otto (Florian Martens) und Verena (Maja Maranow) ist im Prinzip schon vor der Hälfte vorbei, derart vorhersehbar ist der Plot. Kurz und gut: Mit der Papierfabrik von Hans Zoche (Alexander Held mit verdächtigem bayrischen Dialekt) stimmt irgendetwas nicht. In Zoches Villa wird eingebrochen, ein Unbekannter randaliert im Chefbüro, es gibt einen zweiten Mord. Und dann kennt Zoches Frau Susanne (Gesine Crukowski) auch noch Kommissar Otto irgendwoher.

Der muss dermaßen auf Lonesome Cowboy machen, dass einem ganz übel wird, weil man sich wiederholt in einer Lindström-Schmonzette wähnt. Sonst ist’s wie üblich: Verena lässt Verdächtige auflaufen, die ihrer reifen Schönheit verfallen, und Otto berlinert schön dicke, bremst abrupt, holt Schimpfworte wie „Pfeife“ aus der Versenkung.

Auch wenn die liebevollen Inszenierungsdetails beglücken, bleibt das Ganze irgendwie, na ja, pappig. Von Regisseur Alexander Adolph hätte man mehr erwartet. Mit der Doku „Die Hochstapler“, dem tollen Spielfilm „So glücklich war ich noch nie“ und seinen preisgekrönten Folgen für die stets sensationelle „Unter Verdacht“-Reihe mit Senta Berger hat er ja gezeigt, was er kann.

■   „Ein starkes Team: Am Abgrund“; Sa., 20.15 Uhr, ARD