ORTSTERMIN: GEHOBENES DENKEN BEI DER RÄTSELMEISTERSCHAFT LOGIC MASTERS

Crème de la crème des Knobelns

Teilnehmer Florian Kirch gefällt bei den Rätselmeisterschaften, dass es „keine Feindgefühle gibt wie beim Schach“

Wenn jetzt ein Bleistift abbricht, wäre der gefühlte Lärm ohrenbetäubend. An den akkuraten Tischreihen, die auf die rote Digitalanzeige der verbleibenden Zeit ausgerichtet sind, sitzen jeweils zwei TeilnehmerInnen. In der Mitte jedes Zweiertisches steht ein Sichtschutz mit dem Logic Masters-Logo und dem Motto: „Just think about it.“ Der Ansporn ist auf dem Tisch links der Digitalanzeige zu finden: vier Pokale, die silbern glänzen.

„Das ist Denken auf hohem Niveau“, sagt Johannes Susen, Leiter des Auswertungs- und Organisationsteams. Die Logic Masters sind die deutschen Rätselmeisterschaften, veranstaltet von dem Verein Logic Masters Deutschland e.V. Wer den Wettbewerb gewinnt, darf anschließend zur Weltmeisterschaft nach Polen.

Um an der Endausscheidung teilzunehmen, mussten die TeilnehmerInnen erst eine Qualifikationsrunde im Internet bestehen. Aus der wurden die 35 Besten nach Hamburg eingeladen, zusammen mit den deutschen TeilnehmerInnen der letzten Weltmeisterschaft.

Die rote Anzeige steht auf Null, die Bögen von Runde sechs werden eingesammelt. Für die Aufgaben brauchen die Teilnehmer keine Taschenrechner, das einzige Hilfsmittel ist die Logik. Der Kropki-Doppelblock zum Beispiel ist ein Quadrat, das in viele kleinere Felder unterteilt ist, in die Zahlen von eins bis sechs geschrieben werden. Zahlen am Rand geben die Quersumme an, weiße oder schwarze Kreise zwischen den Feldern verraten, in welchem Verhältnis die Zahlen zueinander stehen müssen. Einer der Teilnehmer hat vor der siebten Runde noch keinen Punkt.

„Mir macht es einfach Spaß“, sagt Florian Kirch, 20, Mechatronik-Student. Er ist über seine Affinität zur Mathematik auf die Logik-Spiele gekommen. Bei den 24-stündigen Logikmarathons werde es irgendwann körperlich anstrengend, sagt er, sonst eigentlich nicht. Um durchzuhalten, sei eine gute Trinktaktik unabdingbar: Wer außerhalb der Pausen auf Toilette muss, verliert wichtige Zeit.

Dieses Jahr gewinnt Florian Kirch den Wettbewerb, nachdem er die letzten Jahre stets hinter dem siebenfachen Weltmeister Ulrich Voigt geblieben ist. Bei den Logic Masters gefällt ihm vor allem die Atmosphäre: „Hier gibt es keine Feindgefühle wie zum Beispiel beim Schach.“ In der Logik setze sich jedeR ein eigenes Ziel – ohne Verlierer- oder Gewinnerseite. Abends diskutieren die TeilnehmerInnen über Lösungswege.

Für einige TeilnehmerInnen ist Rätseln mehr als ein Hobby, manche arbeiten zum Beispiel als Rätselmacher für Verlage. Auch Johannes Susen verdient so sein Geld. Für ihn sind die Rätselmeisterschaften ein „gesellschaftliches Ereignis“. Nach jeder Runde hängt er den neuen Punktestand an eine Papptafel. Um die Spitze würden vor allem Naturwissenschaftler kämpfen, sagt er: „Das Ja oder Nein-Denken der Naturwissenschaft kann bei Logikrätseln sehr hilfreich sein.“ VIVIANE PETRESCU