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Bürgerkrieg im Kaukasus

■ Aserbaidschanische „Terrorkommandos“ kämpfen gegen Sondertruppen / Neue Opfer / Ryschkow will Militär einsetzen / Oberster Sowjet beriet

Moskau (dpa/afp) - Die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Armenieren und Aserbaidschanern im Kaukasus haben bürgerkriegsähnliche Ausmaße angenommen. Die sowjetische Regierungszeitung „Iswestija“ berichtete am Montag abend, in den aserbaidschanischen Regionen Schaumian und Chanlar seien regelrechte Kampfhandlungen mit schwerem Kriegsgerät, wie Hubschraubern und gepanzerten Fahrzeugen im Gange. Sondertruppen des sowjetischen Innenministeriums und „Terrorkommandos“ lieferten sich Feuergefechte

Der sowjetische Ministerpräsident Nikolai Ryschkow will zur Lösung des Konflikts Militär einsetzen. In einem Rundfunkinterview sagte er, Moskau könne einen Bürgerkireg nicht zulassen. „Der Konflikt muß mit Hilfe des Militärs gelöst werden“, fügte er hinzu. Tausende von Armeniern wurden nach Moskau evakuiert. Das Präsidium des Obersten Sowjet unter Vorsitz von Gorbatschow beriet die Lage. Der Oberste Sowjet Armeniens hatte um die Entsendung von Truppen nach Schaumijan und Kanlar gebeten. Durch eine Blockade auf dem Flugplatz der aserbaidschanischen Stadt Kirowabad werde der Einsatz von zusätzlich eingeflogenen Truppenteilen in Berg-Karabach verhindert, meldete die 'Prawda‘: „Hunderte von Fahrzeugen und große Menschenmengen verhindern die Ausfahrt der Soldaten.“ In der aserbaidschandischen Hauptstadt Baku dagegen sei die Lage „unter Kontrolle von Partei, Verwaltung und Sicherheitskräften“, so 'tass‘. In Schaumijan würden nach den bewaffneten Zusammenstößen vier Angehörige der Sondertruppen vermißt. Laut 'Prawda‘ ist die gesamte (armenische) Führung von Schaumijan in der Hand von Geiselnehmern.

Moskau hat ein hochrangiges Krisenmangement entsandt. Der Vorsitzende des Unionsrates im Obersten Sowjet (Parlament) der UdSSR, Jewgeni Primakow, der stellvertretende Ministerpräsident Witali Doguschijew und andere sind in Baku. Siehe Tagesthema Seite 3

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