Berlin : Programm im Juni

vom 2. bis 5. Juni 2021

Mitte © visitBerlin Bild: Wolfgang Scholvien

Für diese Reise gibt es weitere Programm-Optionen. Jede konkrete Reise ist ein wenig anders. Drei bis vier Wochen vor Reisebeginn wird das Programm der kommenden Reise aktualisiert - je nachdem, wer aus der Berlin-Redaktion mitmachen kann. Derzeit geplant ist:

1. Tag (Mittwoch)

"Geteilte Stadt" - Auftakt in Kreuzberg und Mitte

Der erste Tag beginnt um 9.30 Uhr mit einer kurzen Einführung in der taz Kantine in der südlichen Friedrichstraße in Kreuzberg. Thomas Hartmann wird Sie begrüßen. Nach einer kleinen Vorstellungsrunde geht es auch gleich los zum ersten Programmpunkt, einem Rundgang entlang der ehemaligen Mauer im Zentrum der Stadt – zum Thema „Geteilte Stadt“.

Mauerreste am Martin-Gropius-Bau unweit der taz Bild: Norbert Fasching

Taz-Berlin-Redakteur Uwe Rada führt Sie zu Fuß vom Checkpoint Charlie zu den Resten der Berliner Mauer am Martin-Gropius-Bau und weiter über den Potsdamer Platz zum Brandenburger Tor – durch das ehemalige Grenzgebiet zwischen Ost und West-Berlin. Nach einer individuellen Mittagspause geht es am Nachmittag nach Neukölln.

Symbol für Gentrifizierung: Prenzlauer Berg

Mittags fahren Sie mit der U-Bahn nach Prenzlauer Berg. Der (ehemals Ost-) Berliner Stadtteil hat nach der Wende enorme Veränderungen durchlebt. Durch diesen Stadtteil mit der dichtesten Zuwanderung von Westbürgern in das ehemalige Berlin-Ost, der zum Symbol für Gentrifizierung wurde, führt der taz-Berlin-Redakteur Bert Schulz, der hier auch lebt.

Vor der Wende bedeutete Prenzlauer Berg: Bröckelnde Fassaden, Außenklos, im Winter eingefrorene Wasserrohre und Balkons, die einfach abfielen.

Aber auch 15 Euro Miete, heimliche Künstlerateliers unter dem Dach und Kneipen, die mal hier, mal dort für einen Abend öffneten: ein Eldorado für Dissidenten und Künstler wie Katharina Thalbach, Thomas Brasch, Cornelia Schleime, Harald Hauswald. Sie lebten hier zwischen den Kohlenschleppern, Verkäuferinnen und Rotznasen, die im Hinterhof heimlich rauchten. Hier befand sich ein Mittelpunkt der friedlichen Revolution 1989.

Heute ist alles anders. 80 Prozent der Bevölkerung sind ausgetauscht, jetzt wohnen hier vor allem Westdeutsche, aber auch Franzosen, Briten, Spanier und Russen. Sie haben den Kiez schöner gemacht, aber auch gleichförmiger.

Café Anna Blume am Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg Bild: © visitBerlin, Philip Koschel

2. Tag (Donnerstag)

Neue Arbeitsplätze: Co-Working in Treptow

Am Vormittag beschäftigen wir uns mit den neuen Arbeitsformen in der digitalen Welt, die in Berlin seit gut 10 Jahren boomen und immer bedeutender für den Wirtschaftsstandort sind.

Wir besuchen einen der neuen Co-Working-Spaces, in dem (meist junge) Projekt-Entwickler an neuen Geschäftsmodellen herumtüfteln, die sie dann als Start-Up realisieren wollen. Es gibt inzwischen Tausende solcher Co-Working-Arbeitsplätze in Berlin.

Mit Donata Künßberg, die in der 2016 gegründeten taz-Abteilung für Digitale Transformation gearbeitet hat (inzwischen als Selbständige arbeitet, auch für die taz), besuchen Sie das MOOS:space, eine Plattform für Gründer mit sozialen Ansprüchen. Dabei werden einige der hier Arbeitenden ihre Projekt-Ideen vorstellen.

Für das Mittagsessen in der anschließenden Pause empfehlen wir Ihnen, zunächst zum Treffpunkt für das Nachmittags-Programm zu fahren: in der Umgebung des S-Bahnhofs Landsberger Allee gibt es erheblich mehr Restaurants oder Imbiss-Gelegenheiten.

Friedrichshain: von neuen Townhouses zu alten Arbeiterpalästen

Die Tour startet auf dem alten Schlachthofgelände, das zum Ortsteil Prenzlauer Berg gehört, und sich wie eine Landzunge zwischen Lichtenberg und Friedrichshain hineinzwängt. 1881 eröffnet, wurde der Schlachtbetrieb 1991 eingestellt. Das meiste wurde abgerissen. Lange Zeit gab es hier Brachen; um deren Erhalt hart gekämpft wurde. Doch die Brachen – und mit ihnen auch der Fuchs – sind bis auf eine Ausnahme verschwunden. Auf rund 50 Hektar entstand ein neues (und umstrittenes) Stadtviertel mit Townhouses.

Frankfurter Allee mit Blick auf den Alexanderplatz Bild: Archiv

Der taz.berlin-Redakteur Andreas Hergeth wohnt seit 20 Jahren vis-á-vis des Schlachthofgeländes, also im Nordkiez von Friedrichshain, und hat die Entwicklung dort hautnah miterlebt. Der Spaziergang wird von einer Pause im Café der Kalter-Hund-Manufaktur Rose in der Ebertystraße unterbrochen.

Weiter geht es durch den Nordkiez von Friedrichshain mit seinem Mix aus Gründerzeit- und Plattenbauten, wo die Gentrifizierung langsamer als in anderen Stadtteilen von statten ging und geht.

Vorbei an den letzten besetzen Häusern in der Rigaer Straße nehmen wir den Weg zur Karl-Marx-Allee, der ehemaligen Stalin-Allee mit den prachtvollen Zuckerbäckerbauten. Der einstige Prachtboulevard ist fast durchgängig saniert. Flanieren macht dort wieder Spaß. Wohnen aber ist auch hier teuer geworden. Mieter*innen wehrten sich zuletzt gegen eine Übernahme eines deutschen Immobilienriesen – mit Erfolg. Das Land Berlin half dabei. Und auch das DDR-Traditionscafé Sibylle, 1953 eröffnet und 2018 unter Protest geschlossen, ist wieder zurück.

Der Wedding: ein Arbeiterbezirk erfindet sich neu

Am Nachmittag besuchen wir einen weiteren ehemaligen Arbeiterbezirk: den Wedding im Norden Berlins. Unsere Tour streift die verschiedensten Facetten des historischen wie des modernen Wedding. Begleiten wird uns dabei Heiko Werning, u.a. Autor von taz und Titanic sowie Gründungsmitglied der „Brauseboys“, einer Lesebühne, die seit 18 Jahren allwöchentlich im Bezirk auftritt. Mit seinen Büchern „Mein wunderbarer Wedding“ und „Im wilden Wedding“ ist Werning selbst ein Chronist des Stadtteils.

Wedding - Streetart Bad-/Ecke Pankstraße Bild: Gaby Coldewey

Dabei ist der Wedding nicht nur einer der buntesten und am wenigsten „touristischen“ Kieze der Innenstadt, sondern er hat auch eine reiche Geschichte. Vor allem als Arbeiterviertel und Wohn- gebiet von Linken machte er in der Weimarer Republik von sich reden, bis zum „Blutmai“, einer Gewaltorgie gegen kommunistische Demonstranten, der als Katalysator für den Aufstieg der NSDAP gilt.

Die Kieztour startet am Gesundbrunnen, einem ehemaligen Kur- und Badeort. Um 1750 entdeckte man hier eine mineralhaltige Quelle. Sogar Königin Luise stattet dem Bad einen Besuch ab. Weiter geht’s auf der quirligen Badstraße, nach dem 2. Weltkrieg eine der bekanntesten Berliner Einkaufsstraßen.

An ihrem Ende liegen die ehemaligen Werkstätten der Berliner Verkehrsbetriebe; heute die „Uferhallen“, ein Treffpunkt für Kunst- und Kulturschaffende.

Der Spaziergang geht am Flüsschen Panke entlang weiter, vorbei an Ruinen, die von Clubs und Galerien genutzt werden, an Sozialwohnungen aber auch an neu aufgeploppten Townhouses und Luxusquartieren bis zum Nettelbeckplatz, der eigentlichen Keimzelle des Weddings.

Am Ende unserer Wedding-Begehung können Sie mit Heiko Werning in die nahe gelegene Kulturbrauerei Moabit gehen: Um 20 Uhr startet dort die Lesebühne der „Brauseboys“, zu denen auch Heiko Werning gehört. Die Lesebühne bietet ein sehr berlinspezifisches Kulturerlebnis am Abend.

Kapitalismuskritik - ehemal. besetztes Haus in der Kastanienallee Prenzlauer Berg Bild: Archiv

3. Tag (Freitag)

Ein Vormittag in der taz

Der heutige Tag beginnt im neuen taz-Verlagsgebäude in der südlichen Friedrichstraße: Gemeinsam mit Thomas Hartmann nehmen Sie nehen an der morgendlichen Redaktionskonferenz teil – online, so wie sie derzeit eben für alle ist. Wir werden uns in den leeren Konferenz-Raum setzten und per Beamer die Online-Konferenz verfolgen.Anschließend erfahren Sie mehr über die Arbeit der taz-Genossenschaft.

Und gehen wir (wegen Corona mit Mund/Nasenschutz !!) im Treppenhaus unseres Glaspalastes durch alle Etagen des Neubaus auf die große Dachterrasse.

Beim Blick von der Dachterrasse werden Sie feststellen, dass die taz in ihrer neuen Umgebung von vielen interessanten Projekten umgeben ist, u.a. einer urban gardening-Initiative auf dem Nachbargrundstück. Beim Hausbesuch erfahren Sie auch, wie die taz so funktioniert - und können alle Fragen (zur taz) stellen, die Ihnen schon lange auf der Zunge liegen.

Das gemeinsame Mittagessen findet praktischer Weise heute in der taz-Kantine statt, in der auch die taz-Mitarbeiter*innen essen (wenn sie nicht im Homeoffice sind).

Auf dem Tempelhofer Feld Bild: © visitBerlin, Philip Koschel

Vom Flughafen zur Erholungs-Fläche: das Tempelhofer Feld

Am Nachmittag geht es ins Grüne. Naja, fast. Taz-Berlin-Redakteurin Malene Gürgen führt Sie über das Tempelhofer Feld: das Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin Tempelhof, heute eine der wohl größten unbebauten innerstädtischen Flächen Europas. Seit der Schließung des Flughafens vor acht Jahren haben sich die Berliner das Gelände angeeignet: sie nutzen es als Park und Sportanlage, als Fläche für Stadtgärten und zur Erholung.

In den ehemaligen Hangars waren seit Ende 2015 Flüchtlinge untergebracht. Die später für sie dort aufgestellten Container sollen bis Ende 2019 geräumt werden.

Malene Gürgen wird Ihnen etwas zur Geschichte des Flughafens, aber vor allem auch über die umstrittene Entwicklung des Geländes in den Jahren seit 2008 und die Pläne zur zukünftigen Nutzung erzählen.

Im Anschluss erfahren Sie, eventuell im Gespräch mit Aktivist*innen etwas zur rechten Szene im angrenzenden Bezirk Neukölln und wie sich die Menschen dort in Initiativen gegen Neonazis wehren.

Auf der Sonnenallee in Neukölln Bild: Archiv

4. Tag (Samstag)

Neukölln: Einwanderung und Integration

In Neukölln leben Menschen aus über 190 Herkunftsländern. Davon, dass der Bezirk nicht erst seit gestern „multikulti“ ist, zeugt das Böhmische Dorf, Kern des alten Neukölln.

Dort beginnt die Tour über Geschichte und Gegenwart des Einwanderer-Bezirks in Begleitung von taz-Berlin-Redakteurin Alke Wierth.

Vom böhmischen geht’s ins orientalische Neukölln: An der Sonnenallee – von arabischen Neuköllner*innen liebevoll Abu-Ali-Straße, von manchen Deutschen weniger liebevoll Gazastreifen genannt - bestimmen Einwander*innen aus der Türkei und arabischen Ländern das Bild.

Beim Bummel über die Geschäftsmeile berichten uns junge Neuköllner*innen vom Alltag in dem Stadtteil und den Geschichten ihrer Familien.

Die Jugendlichen werden etwas zur Einwanderungsgeschichte ihrer eigenen Familien, ihrem Selbstbild, ihren Erfahrungen mit Integration, Vorurteilen und Stereotypisierungen erzählen. Und natürlich werden sie auf einem Stadtrundgang auch etwas von „ihrem“ Neukölln zeigen.

Muslimische Gemeinden in Berlin

In der Mittagspause können Sie in der Sonnenallee (Nähe Hermannplatz) ein libanesisches oder syrisches Restaurant kennenlernen – Alke Wierth wird ebenfalls dabei sein. Denn sie begleitet Sie am Nachmittag auch zum letzten Programmpunkt, der Einblicke in die Aktivitäten einer der vielen Moscheegemeinden in Berlin geben wird.

Sie besuchen die „Neuköllner Begegnungsstätte“ (www.nbs-ev.de) in der Flughafenstraße, die von der sehr aktiven und in Neukölln gut vernetzten Dar-Assalam-Moschee betrieben wird. Der Imam der Moschee, Mohammed Sabri, wird das Engagement der Moschee im Stadtviertel erläutern.

Das Programm endet gegen 16 Uhr in der Nähe des Hermannplatzes.

Umstellungen und Änderungen sind möglich. Stand: 12.1. 2021