ROCKERSZENE Mit einem Großaufgebot verhinderte die Polizei einen Rockerkrieg. Nun wurde der Mongols-Chef Ibrahim M. freigesprochen - es hatte keine Schlägerei gegebenvon Klaus Wolschner

Das "Vereins"-Lokal der Hells Angels am Dobbenweg. Bild: kawe
Beifall brandete gestern im Saal 218 des Bremer Landgerichts auf, als der Richter Reinhard Wacker den Freispruch verkündete: Dem angeklagten Anführer des verbotenen kriminellen Rockerclubs Mongols, Ibrahim M., sei der angeklagte Landfriedensbruch nicht nachzuweisen, erklärte Wacker. Ein Dutzend der kurz geschorenen, im Dresscode offenbar von Piratengeschichten inspirierten Männer saßen mit mindestens ebenso vielen Polizeibeamten im Zuschauerraum.
Am Tatabend des 7. 5. 2011 hatten sich Mongols-Anhänger - nach Zeugenaussagen vielleicht elf - vor dem Lokal der konkurrierenden Hellss Angels, dem "Angels Place" am Dobbenweg aufgebaut. Durch lautes Männergeschrei wurden Anwohner aus dem Schlaf gerissen - und als sie aus dem Fenster sahen, war im Grunde schon alles vorbei. Ein Mann lag regungslos auf dem Rücken auf dem Gehweg.
Das war allerdings der Angeklagte Ibrahim M., der eine Platzwunde am Hinterkopf hatte. In aller Ausführlichkeit schilderte der Richter, dass in sieben Verhandlungstagen kein einziger Zeuge gefunden worden sei, der gesehen hatte, dass der Angeklagte gewalttätig gewesen sei oder auch nur auf andere aufrührerisch eingewirkt hätte. Lediglich "Gedränge" oder "Gerangel" sei beobachtet worden. Zudem könne bei rund elf Personen in einer vollkommen überschaubaren Situation nicht von einer "Menschenmenge" gesprochen werden, die aber zu den Tatbestandsmerkmalen des Paragrafen 125 des Strafgesetzbuches (Landfriedensbruch) gehöre. Deutlich erklärte der Richter auch sein Unverständnis darüber, dass die Staatsanwaltschaft in gleich drei Punkten den Tatbestand des Landfriedensbruchs angeklagt hatte, für keinen der Punkte aber harte Ermittlungsergebnisse hatte.
Was die Mongols in jener Nacht des 7. 5. vorgehabt hatten, war auch für das Gericht nicht nachvollziehbar. Ursprünglich wollten die Mongols ein eigenes Lokal "Bulldog" am Grünenweg einweihen, dies wurde aber von der Polizei verboten. Denn im nahen Musical-Theater war an dem Abend eine "Tattoo-Convention" angekündigt, bei der die Polizei überregionalen Besuch aus Hells-Angels-Kreisen erwartete. Eine Mongols-Gruppe hatte sich dann mit mehreren Fahrzeugen in der Duckwitzstraße gesammelt und war von dort aus Richtung Innenstadt losgefahren. Die Polizei hatte verschiedene der Mongols-Fahrzeuge gestoppt, um eine Konfrontation zu verhindern. In den Autos wurden Schlagringe, Baseballschläger und Messer sichergestellt.
Einzelne Wagen kamen durch, die fuhren allerdings nicht zum Musical-Theater, wo die Polizei sie erwartete, sondern zum Hells-Angels-Place am Dobbenweg. Dort waren die Mongols-Anhänger allerdings zahlenmäßig weit unterlegen und wurden schon nach wenigen Minuten in die Flucht geschlagen. Bremens Polizeipräsident Holger Münch erklärte später, es sei eindeutig gewesen, dass sich Mitglieder der Mongols auf Auseinandersetzungen vorbereitet hatten.
Innensenator Ulrich Mäurer hatte kurz darauf die Mongols verboten. Bisher haben deren Anwälte für ihre Klage gegen das Verbot keine Begründung formuliert - mit Verweis auf das Verfahren vor dem Landgericht.
Bauwagenplatz Zomia zieht nun doch auf das Brammergelände an der Max-Brauer-Allee. Grüne setzen sich damit gegen den SPD-Koalitionspartner durch. von Kai Von Appen

Im Windkanal des Luftfahrtpioniers Henrich Focke hat dessen Erbin dem Betreiber-Verein fristlos gekündigt. Die Zukunft des Denkmals ist ungewiss. von Jean-Philipp Baeck

Die Hamburger Band Bitte Lächeln besteht aus behinderten und nichtbehinderten Musikern und hat einigen Erfolg. Nichtbehinderte Zuschauer zu den Konzerten zu bekommen, bleibt schwierig. von Birk Grüling

Er singt, schüttelt Hände und kann bis zwei zählen. Joachim Gauck wird der Super-Präsi. Ganz bestimmt.

Von de Gaulle bis Mbeki - die schönsten Präsidentenrücktritte der Welt.

Das war's... Fast! Die Berlinale 2012 geht am Sonntag zu Ende. Und wieder waren alle da – die üblichen und die unüblichen Stars, nervige und ehemalige Polit-Prominenz, kreischende und buhende Fans, demonstrierende und andere Bären.

Egal ob in Ost-, West-, Südeuropa oder in Kaschmir – überall ist es kalt. Verdammt kalt. Für viele Menschen ist das dramatisch und sogar lebensgefährlich. Aber die Kälte bringt auch Schönes und Erfreuliches.


Leserkommentare