Kommentar von Andreas Rüttenauer
Claudia Pechstein schwadroniert weiter. Ihr Ton wir immer unerträglicher. Sie wettert aus einer Opferrolle, die sie sich selbst zugewiesen hat, nicht nur gegen Journalisten, die wissen wollen, was sie so alles anstellt mit ihrem Hochleistungskörper.
Sie beschimpft die Nationale Anti-Doping-Agentur Nada, die ihrer Meinung nach "zu blöd" ist, um ihren Fall so zu verstehen, wie sie es selbst tut. Geht's noch, Frau Schnellläuferin? Das fragen sich viel zu wenige Menschen, die in diesem Land mit dem Hochleistungssport befasst sind.
Müsste nicht ein Aufschrei durch die Sportwelt gehen? Müsste nicht der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds einschreiten und klarstellen, dass er eine derart ehrverletzende Kritik an der Nada nicht gutheißen kann? Müsste nicht der Sportminister, von dessen Fördergeldern Pechstein profitiert, der unverschämten Athletin Einhalt gebieten?
Und müsste die Stiftung Deutsche Sporthilfe, die Pechstein wieder in die Eliteförderung aufgenommen hat, nicht deutlich machen, dass sie die im Raum stehenden Vorwürfe ernst nimmt, und überprüfen, ob Pechstein nicht gegen den Sporthilfe-Eid verstoßen hat?
Nichts von alldem geschieht. So kann Pechstein getrost annehmen, sie spreche stellvertretend für den deutschen Sport. Der arrogante Ton, in dem ihr Management die Presseerklärungen für sie verfasst, deutet eh darauf hin, dass sie der Meinung ist, sie gebe der schweigenden Mehrheit des deutschen Sports endlich eine Stimme.

ANDREAS RÜTTENAUER
ist Redakteur im Sportressort der taz.
Foto: tazMuss sie das nicht sogar denken? Der deutsche Sport hat sich längst neu formiert und steht in Treue fest hinter seinen Sportlern. DOSB-Präsident Thomas Bach hält es tatsächlich für möglich, dass die Bluttherapie, die Pechstein in Erfurt hat vornehmen lassen, vielleicht doch nicht verboten war, statt Sportler zu ermahnen, jegliche Blutexperimente zu unterlassen.
Sportminister Hans-Peter Friedrich beobachtet den Leistungssport immer noch mit "gewissen Grundvertrauen", wie er der SZ verraten hat, und lässt die Bundesmittel für die Nada stagnieren. Die Verwicklungen der Freiburger Universtätsmedizin in ein westdeutsches Dopingsystem werden gerade erforscht, da schlägt sich der Thüringer Sportärztebund auf die Seite von Blutbestrahler Andreas Franke, statt zu fragen, wie viel sportbetrügerische Energie hinter der UV-Behandlung des Bluts steckt.
Es geht im Fall Pechstein längst um mehr als die Legalität gewisser Behandlungsmethoden. Es geht um den Verfolgungswillen des deutschen Sports. Wenn es diesen einmal gegeben haben sollte, so scheint er jetzt nicht mehr vorhanden zu sein. Das klare Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs im Fall Alberto Contador zeigt aber, dass man sich mit einer derart laxen - Einstellung im Anti-Doping-Kampf - international nur blamieren kann. Gottlob!
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Leserkommentare
09.02.2012 13:53 | Hermann Phrodit
Wenn "Frau" Pechstein ein Hormonproblem hat, soll "sie" doch bei den Männern starten...
09.02.2012 00:06 | Matti Hein
Im Rahmen meines Medizinstudiums habe ich mich ausführlich mit dem Fall Pechstein beschäftigt. Ich habe alle ärztlichen Gut ...
08.02.2012 15:35 | jörgkrauß
Hier gehts ja richtig ab! Nur kurz, egal aus welcher Blickrichtung ich Doping betrachte. Ist es nicht so, das irgendwie all ...