Besitz muss nicht belastend sein. In Waren an der Müritz hat die Genossenschaft "BEWAHREN Ferienhaus" einen alten Wasserturm zu neuem Leben erweckt. von Martin Reichert

Die zugefrorerene Müritz. Vom Wasserturm kann man sie schön sehen. Bild: dpa
Wenn ich nicht hier bin, bin ich auf dem Sonnendeck" - so besang einst Peter Licht das Lebensgefühl einer Wohlstandsgeneration, die heute Mitte, Ende dreißig ist und eigentlich glaubte, alles haben zu können, dann aber eines Besseren belehrt wurde. Ein bisschen was geht aber doch, besonders wenn man sich dabei schlau anstellt.
Nicht wenige Stadtmenschen träumen von einem romantischen Haus auf dem Lande mit Wasserblick - und einige, die Mitglieder der Genossenschaft "BEWAHREN Ferienhaus", haben es gerade geschafft: Er ist fertig, der wunderbar verwunschene Wasserturm in Waren mit Blick auf die Müritz. Vier Ferienwohnungen gibt es im "Rapunzelturm", wie er aus Kindermund getauft wurde.
Umgeben von Wald ragt er auf dem Nesselberg in den klaren Himmel Mecklenburg-Vorpommerns, fünf Minuten zu Fuß sind es bis zur Binnenmüritz und genauso weit bis zum direkt angrenzenden Nationalpark - das alles auch ohne Auto mit der Bahn in eineinhalb Stunden von Berlin aus erreichbar.
Name: BEWAHREN Ferienhaus
Gegründet: 2009
Sitz: Rykestraße 32a, 10405 Berlin (unweit des Wasserturms am Kollwitzplatz, Prenzlauer Berg)
Anliegen: Lebensqualität
Umsetzung: Ein alter Gründerzeit-Wasserturm in Waren an der Müritz (Mecklenburg-Vorpommern) wurde zu einem Ferienhaus mit vier Apartments umgebaut, in denen zwischen zwei und sechs Personen übernachten können.
Mitglieder: 17
Ein Anteil kostet: 5.000 Euro
Kapital: Anteilig 125.000 (incl. Geno-interner Darlehen 300.000)
Mitglied werden:
www.bewahren.org
Mail:
Telefon: (01 51) 41 64 07 11
"Es kommen sogar Gäste aus Süddeutschland, und auch aus Hamburg und Bremen" erklärt Gründungsgenossin Hanna Reininger, 35 und Architektin, stolz. Die Genossen, anfangs waren es nur 6, mittlerweile sind es schon 17, freuen sich über den guten Zuspruch, "Zwei Drittel der jetzigen Mieter sind Nichtgenossen." Genossen nämlich zahlen laut Vereinbarung 20 Euro weniger Miete, wenn sie eines der vier Turmapartments nutzen wollen. Es kommt Geld in die Kasse - "im Moment schlafen wir wirklich alle ruhig" sagt Jan Reininger, 41 und Patentanwalt aus Berlin.
Angefangen hatte alles mit der Erkenntnis, dass Ferienwohnungen in der Umgebung von Berlin in der Regel das Tor zur Vorhölle sind, mit abgewohnten Möbel-Höffner-Sitzgarnituren und Schrankwänden des Grauens. "Mit zunehmendem Alter hält man das immer schlechter aus", erklärt Jan Reininger und blickt aus dem Fenster über die Landschaft. Dem Fenster? In jedem der runden Zimmer sind es deren sechs, die Licht auf die geschmackvolle Innenarchitektur werfen: Die Decken sind aus Sichtbeton, die Wände lehmverputzt, naturfarben.
Die Einbauküchen stammen von einem Berliner Küchenbauer und das Mobiliar nur im Ausnahmefall von Ikea - alles passt zusammen, bis hin zur "Emo-Lampe", einem aus dem ehemaligen Wasserkessel herausgeschnittenen Stück patiniertem Stahl an der Wand, hinter dem sich eine Lichtquelle verbirgt.
Irgendwie stimmt hier alles, obwohl der Raum rund und eben nicht eckig ist. "Es war nicht leicht, für diesen Turm gab es keine Standardlösungen", erklärt Hanna Reininger. Wie entfernt man einen riesigen Wasserkessel aus einem - ja, eben - Wasserturm? Was soll man tun, wenn die Brandschutzbehörde das historische, stählerne Wendeltreppenhaus für ordnungswidrig erklärt? Und wo bringt man an einer sich rundenden Wand einen Heizkörper an? Es gab viele Probleme - und am Ende Lösungen.
5.000 Euro kostet ein Anteil dieser Genossenschaft - die einen haben mehrere Anteile, die anderen nur einen, "ein Teil der Ausgaben wurde bislang durch Darlehen einzelner Genossen gedeckt, aber wir sind zuversichtlich, das wieder reinzubekommen", sagt Hanna Reininger, die gerade einen Schal flickt. Es ist immer noch einiges zu tun im Haus, "die Genossen treffen sich in regelmäßigen Abständen zu ,Subbotniks', unbezahlten Arbeitseinsätzen. Und das ist immer sehr schön, so lernt man sich auch mal kennen".
Der Kreis der Genossen ist größer geworden, und es soll ja auch noch weitergehen. "Der eigentliche Traum ist, dass noch Häuser dazukommen: eines in den Bergen und eines am Meer", sagt Jan Reininger. Ein Sonnendeck in den Bergen und eines in südlichen Gefilden - allein könnte sich keiner der GenossInnen von "BEWAHREN" ein solches Ensemble leisten. "Ja, es geht auch um Lebensqualität. Am Ende ist so etwas auch weniger anstrengend als Privatbesitz. Wenn man allein ein Haus irgendwo hat, dann muss man sich ja auch darum kümmern. Das Turm-Sharing ist da auch so etwas wie ein dritter Weg."
Hanna Reininger ist froh, dass der Turm nun fertig ist, "vom Aufwand her ist das so, als ob man ein eigenes Haus baut. Es kostet Zeit - Businessplan, die Möbel aussuchen, die Korrespondenz mit den Behörden - und jetzt natürlich die Vermietungslogistik, aber per Mail geht das ganz einfach. Wir teilen die Arbeit unter uns auf."
Eine Genossenschaft, die fast ausschließlich aus Akademikern besteht - nicht jeder wäre wohl scharf darauf, bei den Versammlungen die Leitung zu übernehmen. Aber Hanna Reininger winkt entspannt ab: "Natürlich gibt es da viele Meinungen, aber am Ende löst man die Probleme dann über das Konkrete. Gute Idee - und wer machts?"
Auf dem taz.lab 2012 diskutierte die Philosophin Birgit Recki Haltungen, Anstand und Stil in der politischen Krise. Dokumentation ihres Vortrags. von Birgit Recki

Der Filmemacher Benoît Jacquot blickt mit den Augen einer Zofe auf die Französische Revolution: „Leb wohl, meine Königin!“ konserviert eine Welt, die 1789 endete. von Barbara Schweizerhof

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taz-Artikel zum Medienkongress 2011
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Leserkommentare
21.02.2012 15:55 | thomas dankert
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