• 14.11.2007

Ex-Prostituierte Juliana José

"Die Freier sind auch nackt"

Neue Bordelle entfachen die Debatte über käuflichen Sex neu. Prostitution sei Rebellion gegens Patriarchat, sagt die Ex-Prostituierte Juliana José. Und kritisiert Alice Schwarzer.

  • 27.03.2012 20:41 Uhr

    von Maria:

    @Mazza:

    Prostitution ist weder Patriarchal noch feministisch. Es ist ein typisch weiblicher Arbeitssektor, insofern ist es nicht revolutionäre Feministisch dort tätig zu sein, genausowenig wie Krankenschwestern, die ja auch eine traditionell weibliche Rolle ausüben. Aber Prostitution gab es schon weit vor dem Patriarchat, was sich geändert hat ist der Respekt Prostituierten gegenüber.

    "mag ja sein, daß es welche gibt, die völlig abschalten können oder sich selbst was vormachen"

    Ich finde es extrem arrogant von ihnen, wie sie bei der Beurteilung der Lebenswahl anderer von ihrer eigenen Empfindlichkeit ausgehen. Es gibt auch Menschen die schlicht Freude and Sex haben und bei der Partnerwahl flexibel sind.

    "prostitution entstand nicht, um frauen glücklich zu machen - sie wurden früher als sklavinnen gehalten"

    In gewissen Epochen, ja. Daneben gab es aber meistens auch freie Huren. Auch Ehefrauen waren damals ihren Männern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, wie Sklavinnen eben. Wenn man in der Geschichte noch weiter zurückgeht, sieht man dass ein respektvoller Umgang der Gesellschaft mit Prostitution möglich ist. Prostituierte waren vor der Antike oft Priesterinnen, welche hoch respektiert waren. Sex galt für Frauen nicht als erniedrigend. Land wurde damals zumindest im vor-hellenischen Westen auch über die weibliche Linie vererbt. Erst später kamen in den Kulturkreisen, die unsere geprägt haben, das Patriarchat auf. Von den heiligen Huren blieb als Überrest nur die Hetären übrig, die zwar angesehen und gebildet waren, aber in einer weit dienenderen Postition als ihre Vorgängerinnen.

    "ohne den machtfaktor `geld` würde eine frau sich sicherlich nicht in das prostitutions-gewerbe einfinden."

    Würden Sie etwa umsonst arbeiten? Für viele Prostituierte ist es eben wirklich NUR ein Job, und es geht nicht um das persönliche Vergnügen. Allerdings gibt es genug, welche aus Leidenschaft das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Dass die meisten Prostituierten aus Osteuropa kommen liegt an globalen Ressourcenungleichheiten, und da die kultur dort wesentlich patriarchaischer ist ist es kein Wunder,dass diese Frauen sich auch mehr gefallen lassen als ihre Deutschen Kolleginnen.

  • 27.03.2012 14:05 Uhr

    von mazza:

    prostitution ist "rebellion gegen das patriarchat" - das kann doch nicht wirklich die meinung der ex-prostituierten sein? prostitution ist eine patriarchale einrichtung und die ausübung und annahme dieses gewerbes die hinwendung zu einer patriarchalen un/kultur. prostitution entstand nicht, um frauen glücklich zu machen - sie wurden früher als sklavinnen gehalten und mussten sich den sexuellen wünschen der männer unterordnen. natürlich besteht ein machtverhälnis - männer haben das geld und bezahlen frauen für sexuelle handlungen - eine prostitutierte hat sicherlich nicht bei jedem kontakt mit ihrem käufer einen orgasmus, oder? die meisten sind froh, wenn der käufer wieder das zimmer verlässt. also , eine recht einseitige geschichte - ohne den machtfaktor `geld` würde eine frau sich sicherlich nicht in das prostitutions-gewerbe einfinden. ich bin auch entsetzt darüber, wie wenig die ex-prostituierte auf die situation der meisten frauen eingeht, die diesen job nur aus sozialer härte ausüben. ein großer anteil von migrantinnen und ostasiatinnen sind betroffen. es entstehen großbordelle, die mehr an eine institution ähnlich einer massentierhaltung erinnern, wo frauen rund um die uhr zur allgemeinen fleischbeschau den männern aufgetischt werden. das ist menschenunwürdig! glückliche huren, mag ja sein, daß es welche gibt, die völlig abschalten können oder sich selbst was vormachen. eine art schutzfunktion - viele prostitutierte aber verachten in ihrem innersten männer und deren sex. interessen, die sich nur aufs `rammeln` und `benutzen` beschränken. es ist unverständlich, dieses hässliche patriarchale gewerbe, in dem es weltweit viel leid für mädchen, frauen gibt, auch noch zu beschönigen. darin zeigt sich mir eine große gefühlskälte und wenig empathie-empfinden für alle frauen, die unter zwang handeln müssen. und die meisten frauen handeln aus armut und daraus resultierend auch unter zwang - für viele bedeutet das eine enorme innere überwindung, zig männern täglich ihren körper anzubieten...und den käufern von frauenkörper ist der faktor `frau/mensch` völlig egal - warum können männer nicht lernen, daß der frauenkörper keine sex-ware ist? zumal die wenigsten käufer von frauenkörper sich wünschen, daß ihre mütter, ihre freundinnen, ihre schwestern und lebensgefährtinnen den job einer prostituierten machen müssten. auch hierin liegt die doppelmoral, und zwar derjenigen, die frauen als `ware` benutzen.

  • 20.03.2012 00:12 Uhr

    von Diana:

    danke, heide, für dieses interview. eine unaufgeregte position im lauten kreischigen diskurs um die prostitution. wie wohltuend!

  • 08.09.2011 17:37 Uhr

    von Chris:

    Es ist natürlich schlimm, wenn Menschen sexuellen Missbrauch erleiden mußten. Wird es davon weniger geben, wenn man Prostitution verbietet?

    Ich denke, dass es das Problem eher verschlimmern würde. Denn wenn sich (i.d.R.) Männer ihre Bedürfnisse nicht einfach auf dem freien Markt befriedigen können, erhöht sich das Risiko illegaler Aktivitäten! Ich glaube, das Prostitution hilft, das viele Menschen glücklicher und ausgeglichener sind. Den Kriminellen (Zuhältern, Schwarzarbeitern etc.) muß natürlich das Handwerk gelegt werden, aber das ist in jedem anderen Gewerbe auch so. Wegen Pfusch und Schwarzarbeit am Bau wird ja auch nich gleich das Baugewerbe verboten!

    Mir persönlich geht diese oberflächliche Polarisierung und Moralapostelei, die häufig um das Thema betrieben wird, extrem auf den Senkel. Dieser Artikel hier ist erfrischend anders.

    Es ist das älteste Gewerbe der Welt und es wird es m. E., unabhängig von der Gesetzeslage, immer geben. Sex ist ein menschliches Bedürfnis und der Markt dafür ist da.

    In unserer individualisierten postmodernen Gesellschaft hat dennoch längst nicht mehr jeder einen Partner/Partnerin; das betrifft nicht nur "alte geile Säcke" sondern insbesondere auch junge, attraktive Menschen.

    Auch ich habe schon für Sex bezahlt und würde mich auch dafür bezahlen lassen, wenn die Rahmenbedingungen (safe, zwanglos, attraktiv) stimmen.
    Ein Verbot bewirkt eine massive Verschlechterung dieser Rahmenbedingungen, zulasten insbesondere der Frauen, die auf dieses Einkommen angewiesen sind.
    Aber natürlich auch zulasten derer, die wirklich Spaß an diesem Beruf haben.

  • 24.10.2009 23:51 Uhr

    von carina :

    ich habe selbst sexuellen mißbrauch in der kindheit, lange theerapien und prostitutionserfahrungen hinter mir und kann die hamburger studie leider mur bestätigen.
    Ich habe keine einzige glückliche Hure getroffen.

  • 20.07.2009 18:04 Uhr

    von Anne:

    Ich bin entsetzt über die versuche , mit der frau jose hier die prostitution `weichzeichnet`.
    Unglaublich, wie sie die realität ignoriert, daß bewiesenermassen die meisten prostitutierten in ihrer kindheit/jugendzeit sex. missbrauch erleiden mussten. Sie sollte die lebensgeschichte von Lisa Moos `Das erste Mal und immer wieder` lesen, die alle höhen und tiefen des hurenlebens, sex. missbrauch i.d. familie kennen gelernt und erschreckende erfahrungen aus dem rotlichtmilieu und der welt der käuflichen liebe gemacht hat.

    Keine welt, die ich einer frau zumuten möchte, keine welt, die sich die frauenbenutzer für sich persönlich oder ihre eigenen freundinnen, ehefrauen, mütter, schwester, töchter wünschen...








  • 19.11.2007 17:00 Uhr

    von andreas weil:

    die männer jubeln, die frauen schimpfen (meist). ein kontroverses thema, das man anscheinend nicht ohne seine eigene geschlechterrolle zu verteidigen, diskutieren kann. fakt ist, prostituierte sind ware. man kuft einen menschen, genauso wie man einen menschen kauft, um seine wohnung zu putzen. unterscheiden muß man trotzdem. eine edelnutte, meinetwegen für die altherrenfantasie eine studentin, hat die wahl, sich auf angenehme freier und bedingen einzulassen. sie gleicht einer putzfrau, die zweimal pro woche eine wunderschöne wohnung putzt mit ipod im ohr und wiegeschritt für 100 euro die stunde. das ist aber nicht die realität. punkt.

  • 18.11.2007 12:11 Uhr

    von E. Heuser:

    Das Ergebnis der von Oestreich zitierten Hambur-ger Studie deckt sich mit dem einer großen UN-
    Studie: 80 Prozent der Prostituierten sind Opfer
    von sexuellem Missbrauch.
    Die im Kindes- und/oderJugendalter erfahrene/ge- lernte sexuelle Fremdbestimmung wird danach als Einstiegsdisposition für die Prostitution gesehen. Das scheint da Costa Jose zu ignorieren oder nicht zu wissen. Nach ihr trifft das nur auf die im "normalen Leben gescheiterten" Prostituier-ten , nicht aber auf die "teueren Callgirls oder Hausfrauen" zu. Wenn sie dann gar von Prostitu-tion als "Rebellion gegen das Patriarchat"
    spricht, ist das ihrem Mangel an Logik und Objek-tivität zuzuschreiben. Damit kann man Schwarzer nicht widerlegen,sondern nur bestätigen.

  • 17.11.2007 23:21 Uhr

    von Andrea L.:

    Ein sehr differenziertes Bild eines allzu oft totgeschwiegenen oder romantisierten oder auch verteufelten Themas- und auf jeden Fall weit realer und glaubwürdiger als die ewige Schwarz-Weiss-Malerei der Feministen und die der Machos!

  • 16.11.2007 08:29 Uhr

    von Carmen:

    Diese ewige Schwarz-weiß-malerei von Unwissenden mit Vorurteilen nervt!Danke für das Interview, denn in diesem Bereich gibt viele Farbnuancen...

  • 16.11.2007 07:32 Uhr

    von Jürgen K.:

    Ich zitier mal:
    "Ein Freier umgeht den mühseligen Abgleich von Bedürfnissen mit einer Partnerin. Stattdessen kauft er, dass eine Frau ihn bedient. Ist das nicht schon schräg?"

    Ist es nicht schräg, daß es einfacher und müheloser ist, eine Frau zu kaufen als sich mit einer Gewitterziege zu synchronisieren;) ?
    Und hier liegt die Wurzel des Übels der falschverstandenen Emanzipation:
    Man will gleiche Rechte, aber nicht gleiche Verpflichtungen. Solange Frau den "Sex" hatte, hatte sie es nicht nötig, ihre Bedürfnisse mit dem Partner abzugleichen und darin Kompromisse einzugehen. Und laut der schwarzen Alice solls gefälligst auch so bleiben. Der alte Charles B. hatte schon recht, als er vom "Währungssystem Möse" sprach.

    In der DDR war man da schon Lichtjahre weiter.

  • 16.11.2007 04:09 Uhr

    von Marcus Cyron:

    Ich kenne Frau da Costa Jose recht gut. Und ich wage einmal das Urteil, daß sie durch und durch emanzipiert ist und absolut keine gestörte Ex-Nutte, wie sie in der Vorstellung von Personen wie Schwarzer offenbar ausschließlich vorkommen. Über Frau da Costa Jose konnte ich auch ein paar andere Frauen kennenlernen, die in diesem Gewerbe tätig sind (so bei einer Podiumsdiskussion zur "Prostitution im Medienzeitalter" im letzten monat im Hebel am Ufer in Berlin). Diese Frauen sehen sich nicht als Opfer - im Gegenteil, es sind starke Frauen, die erstens genau wissen, was sie tun und zweitens dieses aus freien Stücken tun.

    Aber vieleicht ist es nicht mehr so leicht, wenn man seit 30, 40 Jahren immer stur einen Weg geht. Die Positionen nie ändert und enrsthaft meint, für Frauen habe sich in den letzten Jahrzehnten in diesem lande nichts verändert. Aber hauptsache man ist noch genug im Gespräch, um ab und an mal bei Tommy Gottschalk auf dem "Wetten Dass?"-Sofa sitzen kann. Ausgerechnet bei einem Mann, dem der Sexismus aus jeder Pore quillt (zumindest macht er immer diesen Eindruck, wenn man ihn mit den Frauen in seiner Show agieren sieht). Aber da ist Frau Schwarzer so ruhig. Sie prügelt lieber auf Frauen ein, die wirklich emanzipiert sind.

    Es ist unbestritten, daß Prostitution indiesem Land auch Blüten treibt, die man schwerlich positiv sehen kann. Vieleicht sind das ja Kollateral-Schäden im Kampf gegen die böse Männlichkeit. Man kann ja von Prostitution und Pornografie so viel oder so wenig halten wie man möchte. Aber wenn das der wichtigste Kampf der Emma ist, ist es entweder wirklich schon sehr traurig für dieses Relikt aus den 70ern, das Damals zweifelsohne innovativ war. Oder aber die Relationen haben sich massiv verschoben. Es ist fatal wenn eine Frau wie Frau Schwarzer ihre Moralvorstellungen auf alle Anderen Menschan ausdehnen möchte. Besonders deshalb, weil ihr immernoch so viele Leute zuhören, gar folgen.

    Daß das Emma-Leserinnen und Schwarzer-Verehrerinnen nicht glücklich macht, wenn nun eine Frau mit Sachverstand und Kenntnisreichtum, vor allem aus eigenem Wissen paroli beiten kann ist klar. Das ist auch bei einigem Feedback hier zu erkennen. Da kann ich aber nur sagen - lebt weiter in den 70ern und laßt den Rest des Landes frei leben. Jeder nach seiner Fasson. Und nicht nach der Euren. Danke, Juliana, für deine Worte. Für die Verteidigung derer, die ihr Leben so führen wollen, wie es ihnen gefällt. Und danke, daß du deine Meinung auch zeigen kannst, ohne daß du eine einfache Gegenhaltung einnimmst, sondern auch Probleme ansprichst. Reale Probleme. Keine antiquierten Moralvorstellungen.

  • 15.11.2007 22:20 Uhr

    von Barnie:

    Vielen Dank für den guten Artikel. Leider werden die Kunden, die sich ja eigentlich noch mehr verstecken als die Prostituierten, zu selten gehört.
    Ich besuche - als Mann - selbst des Öfteren Prostituierte. Irgendein Machtdenken entwickele ich dabei nicht - Motiv ist einfach die Lust auf Abwechslung und, so profan ist das, guten und ästhetischen Sex, so wie andere Leute gern ein gutes Essen im Restaurant genießen.
    Ich kann mir vorstellen, dass viele Frauen insgeheim einen Groll gegen Prostituierte haben, weil sie um "Konkurrenz" fürchten. Das nicht zu Unrecht: Viele Prostituierte verstehen ihr "Handwerk" - wen wundert es - eben sehr gut. Natürlich gibt es dort keine Liebe und Romantik, aber die suche ich auch nicht immer. Dass alle Frauen den Beruf gezwungenermaßen und freudlos machen, kann ich mir nicht vorstellen. Auch wenn den Prostituierten klar war, dass ich bei ihnen jeweils nur einmaliger Kunde war, haben sich viele große Mühe gegeben und waren mit nicht nur gespielter Freude bei der Sache. Die meisten wirken übrigens recht selbstbewusst.

  • 15.11.2007 14:47 Uhr

    von Frau Maier:

    jaja, wie schön, dass wir Frauen das Patriarchat schon seit hunderten von Jahren so trickreich durch Prostitution untergraben. Damit haben wirs den Männern mal so richtig gezeigt! Sie denken, die Körper der Frauen stünden für ein wenig Geld beinahe überall zu ihrer Verfügung- doch die Wirklichkeit sieht ganz anders aus, GANZ anders. Prostituion, der Rebellionsklassiker!

  • 15.11.2007 13:43 Uhr

    von Ole Jantzsen:

    Sehr differenzierte und humane Position!

    "Sexy Illusion" - das trifft die Realität einer Branche, die mit dem bloßen Schein handelt, recht genau. Alice Schwarzer dagegen verbleibt ganz an der schlichten Oberfläche.

  • 15.11.2007 13:08 Uhr

    von Tazleser W.:

    An die Tazredaktion, Frau Oestreich und Frau da Costa Jose,


    hurra und vielen Dank! Ein wirklich äußerst gelungenes Interview! Es war schon wirklich sehr lange an der Zeit, die Diskussion über dieses all zu lange verdrängte und stets randständig und schräg behandelte Themena differenzierter und in solch reflektierter Weise zu führen.

    Ich finde Frau da Costa Jose bringt die Dinge sehr präzise auf den Punkt und ist in ihrer Meinung in jeder Hinsicht zu unterstützen.

    Vive la liberté


    Vielen Dank für ihre Zeit

    ihr Tazleser W.

  • 15.11.2007 12:08 Uhr

    von Kanter:

    der bericht ist dumm und borniert.

  • 15.11.2007 11:40 Uhr

    von Marion:

    Hochinteressanter Beitrag der der Komplexität des Themas gerecht wird. Danke!

  • 15.11.2007 11:32 Uhr

    von Lenka Nieblova:

    Solche Aussagen/Artikel nennt man Propaganda. Diese dienen anderen Zwecken als zur Aufklärung.

  • 15.11.2007 00:26 Uhr

    von a. diekmann:

    Danke für den sehr reflektiertem Beitrag.
    Diekmann

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