Kommentar Gewalt von und gegen Polizisten: Knüppeln wie im Folterstaat
Die Auseinandersetzung zwischen Polizisten und Anwohnern in Neuwiedenthal wirft eine alte Frage mit erschütternder Schärfe neu auf: Ist die Polizei primär Opfer oder Verursacher von Gewaltexzessen?
D ie Auseinandersetzung zwischen Polizisten und Anwohnern in Neuwiedenthal wirft eine alte Frage mit erschütternder Schärfe neu auf: Ist die Polizei primär Opfer oder Verursacher von Gewaltexzessen?
Zwei Tage nach den Kämpfen scheint klar: Der Zusammenstoß ist der blutige Höhepunkt eines lange schwelenden Konflikts zwischen einer Szene junger männlicher Einwanderer und der Polizei. Offenbar haben sich über Jahre jede Menge Frust und Hass aufgestaut.
Direkt nach dem Vorfall kann man sich nur auf den Augenschein stützen, und der legt in Form eines Videos nahe, dass die Polizisten viel falsch gemacht haben: Einer malträtiert einen wehrlos am Boden liegenden Betrunkenen ohne erkennbaren Grund mit dem Knüppel - wie in einem Folterstaat. Der zweite Polizist bedroht Passanten mit dem Knüppel - und provoziert sie mit Worten wie "komm her, du Feigling". Dabei zeigen die zu diesem Zeitpunkt, so weit man das sehen kann, Zivilcourage: Sie versuchen, das Opfer vor Willkür zu beschützen und erkundigen sich, erregt aber sachlich, nach seinem Vergehen. Was man eben so tun kann, wenn man nicht die Polizei rufen kann.
Wenn Polizeigewerkschafts-Boss Joachim Lenders mit "Abschaum" diese Leute meint, dann sollte er schon mal nach einer adäquaten Bezeichnung für Kollegen suchen, die auf Wehrlose einprügeln.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 290 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert